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Größere Arbeitschancen für junge Menschen mit Behinderung

RAVENSBURG-WEISSENAU – Orientiert am Bildungskonzept Berufsvorbereitender Einrichtungen (BVE) hat die Hegenberger Don-Bosco-Schule in Weissenau eine Außenklasse mit sieben Schülern der Berufsschulstufe für geistig behinderte Menschen eingerichtet. Ziel ist es, die Jugendlichen in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu integrieren.


Die Arbeitswelt kennen lernen

Mancher junge Mensch mit Behinderung eignet sich durchaus für eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt. Das Bildungskonzept Berufsvorbereitender Einrichtungen (BVE) hat zum Ziel, junge Menschen mit geistiger Behinderung für ihren beruflichen Werdegang fit zu machen und diesen Weg dorthin zu ebnen. "Über Berufspraktika in der freien Wirtschaft werden die Jugendlichen mit der Arbeitswelt vertraut gemacht. Gleichzeitig wird nach alternativen Arbeitsmöglichkeiten gesucht", erklärt Franz Gitschier, Schulleiter der Don-Bosco-Schule in Hegenberg. Das BVE wurde vom Kommunalverband für Jugend und Soziales (KVJS) mit angeregt.

Zwei Tage pro Woche im Praktikum

Mit Beginn dieses Schuljahrs wurde in Weissenau eine Außenklasse im Haus des Musikvereins "Sternberg" mit sieben Jugendlichen eingerichtet. "Die Schüler wurden bewusst aus dem vermeintlichen Schonraum der Sonderschule herausgenommen und sie müssen sich neuen Aufgaben der Mobilität und der sozialen Anpassung stellen", sagt Sonderschullehrer Bernd Klee. Zwei Tage pro Woche sind für Praktika in unterschiedlichen Betrieben vorgesehen.

So arbeitet die 17-jährige Nicole T. seit einigen Wochen im Seniorenheim. Sie geht mit Bewohnern spazieren, hilft bei der Körperpflege und unterstützt bei den Mahlzeiten. "Die Arbeit macht mir ganz arg Spaß und ich wünsche mir, dass das mein Beruf wird", erzählt sie. Auch Thorsten P. fühlt sich in seinem Praktikum in einem Betrieb für Autoverwertung wohl: "Ich zerlege Autos, sortiere Teile oder helfe Kunden, die ein bestimmtes Teil suchen." Eine feste Stelle auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden, ist für beide nicht unrealistisch. Beispiele belegen dies: Patrik B. etwa arbeitet inzwischen unbefristet im Tierheim in Berg-Kernen.

Herausfinden was zu einem passt

An drei Tagen pro Woche stehen auf dem Stundenplan allgemeinbildende Fächer wie Mathe und Deutsch, aber auch Religion, Kochen und Sport. Außerdem werden die Praktika vorbereitet und reflektiert. An einem Tag sind zwei Lehrkräfte im Einsatz und die Gruppe ist geteilt. An den Praktikumstagen besucht Bernd Klee die Betriebe, knüpft und pflegt Kontakte. Unterstützt werden die Schüler und die Praktikumsbetriebe außerdem vom Integrationsfachdienst in Ravensburg.

Resultat der auf zwei Jahre angelegten Berufsvorbereitenden Einrichtung kann aber auch sein, dass der junge Mensch mit Behinderung feststellt, dass ein Arbeitsplatz in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) besser zu ihm passt. "Unsere Schüler haben es nicht leicht, denn sie sind Grenzgänger zwischen geistiger Behinderung und Lernbehinderung", weiß Bernd Klee. In der WfbM seien sie häufig unterfordert und auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt kommen Anforderungen auf sie zu, denen sie nicht gewachsen sind. "Auch das für sich herauszufinden macht dieses schulische Angebot für die Jugendlichen so wichtig."

Claudia Wörner, erstellt am 04.03.2010


Die Schüler der Berufsvorbereitenden Einrichtung der Don-Bosco-Schule

Die Schüler der Berufsvorbereitenden Einrichtung der Don-Bosco-Schule werden von ihren Lehrern Bernd Klee (links) und Uta Kessler (rechts) aufs Arbeitsleben vorbereitet.

Foto: Wörner


Die St. Gallus-Hilfe bietet im Raum Allgäu-Oberschwaben-Bodensee zahlreiche Einrichtungen und Dienste zur Betreuung und Förderung von geistig behinderten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen an. Die St. Gallus-Hilfe ist mit ihren Wohnhäusern und Wohngemeinschaften in 13 Städten und Gemeinden vertreten.
www.st.gallus-hilfe.de