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Jugendliche mit Lernbehinderung schaffen IHK-Abschlüsse

ULM – Mit großem Stolz haben acht Absolventen der Sonderberufsschule RAZ und vier externe Schüler am 4. März ihre Zeugnisse als Beleg für einen erfolgreichen und von der Industrie- und Handelskammer (IHK) anerkannten Ausbildungsabschluss entgegengenommen. Sie haben sich zum Verkäufer beziehungsweise zum Fachlageristen ausbilden lassen. Zusammen mit Schulleitern, Lehrern und Angehörigen feierten sie ihre Entlassfeier im kleinen Wengensaal.


Nicht so viel wie nötig, sondern so viel wie möglich erreichen

"Zusätzlich zu den erfolgreichen IHK-Abschlüssen im Juli 2008 und 2009 haben es nun wieder acht unserer Jugendlichen und vier Externe geschafft, eine anerkannte Ausbildung abzulegen", begann Herbert Lüdtke sein Grußwort. Er ist Geschäftsführer des Berufsbildungswerks Adolf Aich (BBW) der Stiftung Liebenau, zu dem das RAZ Ulm gehört. Nicht so viel wie nötig, sondern so viel wie möglich zu erreichen, sei das Ziel des BBW und RAZ. Aufgrund verlängerter Ausbildungszeiten, kleinerer Klassen und sozialpädagogischer Betreuung kann das RAZ auf junge Menschen mit Lernbehinderung, psychischer oder sozialer Beeinträchtigung besonders intensiv eingehen und ihnen so einen qualifizierten Einstieg in den Beruf ermöglichen. Statt zwei Jahren dauert die Ausbildung zum Verkäufer und Fachlageristen im RAZ beispielsweise zweieinhalb Jahre. Doch der Einsatz lohnt sich: Von den zehn Absolventen in diesem Winter haben acht die Abschlussprüfung mit guten Noten bestanden. Die beiden anderen wiederholen die Prüfung in einem halben Jahr.

Arbeiten und Weiterlernen

"Ihr habt richtig Gas gegeben, habt es geschafft und seid alle von euren Betrieben übernommen worden", gratuliert die Bildungsbegleiterin Marianne Gumbel den Absolventen der Verkäuferausbildung in ihrem Grußwort und freut sich, dass fast alle ein zusätzliches Ausbildungsjahr zur Einzelhandelskauffrau oder –mann absolvieren wollen. Roland Groner, Schulleiter des RAZ und Lehrer der Fachlageristenklasse, lobte "seine" Schüler für ihre Disziplin und die guten Noten. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation sei zwar keiner der vier Fachlageristen übernommen worden. Doch drei von vier haben eine Stelle in einem anderen Betrieb gefunden. Alle wollen dabei bleiben und ihre Ausbildung noch vertiefen.

Plus an Reife

Im RAZ geht es jedoch nicht nur um Noten und Leistung. "Es ist wichtig, dass euch die letzten zweieinhalb Jahre auch ein Plus an innerlicher Reife gebracht haben", betonte Lüdtke in seiner Rede. Deshalb verleiht das RAZ neben den Zeugnissen auch Preise für besondere Persönlichkeitsentwicklung oder außerordentliches Engagement. Einen solchen erhielt diesmal Philipp Wagner, Absolvent der Fachlageristenausbildung.

Die Absolventen:

Verkäufer:
RAZ: Christopher Schmid, Kevin Storrer, Sevgi Kutay, Sabrina Naß, Simone Schwarzer. Externe: Ludmila Pazdirkova, Nelli Engelmann, Blenton Sulejmani.

Fachlageristen:
RAZ: Philipp Wagner, Tobias Klaiber, Michael Kraus. Externer: Julian Jehle.

erstellt am 08.03.2010


Die Abschlussklasse im RAZ Ulm

Stolz zeigen die Jugendlichen ihre Abschlusszeugnisse (von links nach rechts): Verkäuferin Sabrina Naß, Verkäufer Kevin Storrer, Verkäuferin Simone Schwarzer, Klassenlehrerin der Verkäufer Gisela Niederwald, Schulleiter und Lehrer der Fachlageristen Roland Groner, Verkäuferin Ludmila Pazdirkova, Fachlagerist Julian Jehle, Verkäufer Christopher Schmid, die Fachlageristen Philipp Wagner und Tobias Klaiber.

 



Die betriebsnahe Ausbildung im Regionalen Ausbildungszentrum (RAZ) ermöglicht es jungen Menschen mit Lernbehinderung ihre Ausbildung je nach individuellen Möglichkeiten entweder von Beginn an in anerkannten Ausbildungsbetrieben aus der Region zu absolvieren oder das erste Ausbildungsjahr in den Ausbildungswerkstätten und Betrieben des RAZ in Ulm und im Anschluss in Betrieben der freien Wirtschaft. Es eignet sich für junge Menschen, die bereits in der Lage sind, in Betrieben zu arbeiten, aber noch einen gewissen Betreuungsbedarf haben.
www.raz-ulm.de