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"Windel-Willi" spart wertvolle Rohstoffe und Geld

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TV-Beitrag "Windel-Kraftwerk", 26. April 2010, Galileo, ProSieben 

Nachhaltiges Handeln ist für die Stiftung Liebenau auch in puncto Energie ein wichtiges Anliegen. Mit der kürzlich vollendeten neuen Energiezentrale in Liebenau wurde ein Meilenstein in Sachen Ökologie und Ökonomie erreicht.

Neben zwei Holzhackschnitzelöfen – einer davon mit Stirlingmotoren – ist nun mit dem Windelverbrennungsofen die dritte Komponente in Betrieb. Die gesamte erzeugte Wärme wird zu 90 Prozent CO2-neutral hergestellt. Der Verbrauch fossiler Brennstoffe wurde erheblich reduziert.

2,1 Millionen Windeln aus ihren Einrichtungen in der Alten- und Behindertenhilfe und jährliche Entsorgungskosten von 350 000 Euro: Diese Zahlen waren den Verantwortlichen in der Stiftung Liebenau im Jahr 2002 Grund genug zum Handeln. Gesucht wurde eine Lösung, die wirtschaftlich und zugleich ökologisch ist.

Parallel dazu lief die grundlegende Überarbeitung der veralteten Energieversorgung an den Standorten Liebenau und dem zwei Kilometer entfernten Hegenberg. Es entstand innerhalb von vier Jahren ein gänzlich neues Konzept zur Wärme- und Stromerzeugung für die zwei Wärmenetze. Die gesamte Anlage besteht aus einem Holzhackschnitzelofen als Grundlastofen für den Winter (2260 kW), einem Holzhackschnitzelofen mit zwei Stirlingmotoren zur Wärme- und Stromerzeugung (480 kW und 70 kW elektrische Leistung) und dem Windelverbrennungsofen (1225 kW). Lag die CO2-Neutralität früher bei 20 Prozent, konnte sie nun durch Reduktion der fossilen Brennstoffe auf 90 Prozent gebracht werden.

Der Windelverbrennungsofen – von Mitarbeitern nur noch &qot;Windel-Willi" genannt - ist in seiner Art einmalig: Nach Vorgaben der Stiftung Liebenau, gebaut von der österreichischen Firma Mawera, kann er bis zu 5000 Tonnen so genannte Inkontinenzsystemabfälle (z.B. Windeln, Einmalhandschuhe, Zellstofftücher, Verbandmaterial etc.) pro Jahr verwerten.

Die größte ökologische Herausforderung lag darin, die durch die Verbrennung entstehende Wärme auch ganzjährig nutzen zu können. Hierzu wurde eine 300 Meter lange Heißwassertrasse in die Liebenauer Wäscherei gebaut, wo Dampf von etwa 10 bar Druck für den Wäschereibetrieb erzeugt wird. In der Nacht und am Wochenende kann aus dem nicht benötigten Dampf Warmwasser erzeugt werden.

Bei der Frage nach der Größe des Ofens wurde mit der dreifachen Größe des eigenen Bedarfs kalkuliert. Rund 40 Häuser im Umkreis von 40 Kilometern, davon 26 eigene, nutzen inzwischen diese Möglichkeit der Verwertung. Falls die Windeln einmal ausgehen sollten, kann der Ofen ohne Weiteres auf Holzhackschnitzel umgestellt werden. Zurzeit sieht es allerdings nicht so aus, als würde der besondere Brennstoff einmal ausbleiben: Bis Jahresende rechnet die Stiftung Liebenau mit doppelt so viel Einrichtungen, die ihre Inkontinenzabfälle statt nach Kempten (aus dem Landkreis Ravensburg) oder Stuttgart (aus dem Bodenseekreis) transportieren zu lassen, nach Liebenau bringen. Eng kooperiert die Stiftung Liebenau hierbei mit dem Medizin- und Pflegeprodukthersteller Hartmann zusammen.

Der Windelverbrennungsofen wurde nach den strengen Vorgaben der 17. Bundesimissionsschutzverordnung (BimSchV) genehmigt. Sämtliche vorgegebenen Abgaswerte werden ständig kontrolliert, aufgezeichnet und dem zuständigen Landratsamt zur Verfügung gestellt. Der Ofen hat Verwerterstatus, sodass der Transport über Landkreisgrenzen hinaus stattfinden darf.

Sowohl für die Stiftung Liebenau als auch die Firma Mawera war der Windelverbrennungsofen Neuland. Ob dieses technische Highlight ein Prototyp bleibt, wird in Kürze eine Expertise der Steinbeis-Stiftung zeigen. Zusammen mit der Firma Hartmann sind Mawera und die Stiftung Liebenau angetreten, um ein Geschäftsmodell zu entwickeln. Die Expertise prüft unter betriebswirtschaftlichen und technischen Aspekten, wie die Anteile an einem möglichen Geschäftsmodell definiert sein müssen, um das Potenzial der Anlage optimal ausnutzen zu können. Ähnlich Anlagen an anderen Standorten sind dann denkbar.

Die Stiftung Liebenau ist mit 4800 Mitarbeitern im Unternehmensverbund in den Bereichen Altenhilfe, Behindertenhilfe, Bildung und Dienstleistungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig. Sie wurde vor mehr als 135 Jahren gegründet.



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