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Heute schon gelacht?

von Prälat Michael H. F. Brock - Es gibt viele Unterschiede zwischen Kindern und Erwachsenen. Erwachsene sind selbstständig, oder können es zumindest sein. Kinder sind angewiesen auf Menschen, die es gut mit ihnen meinen. Erwachsene auch, erwiderst du. Stimmt.

Aber viele kommen auch ohne Angewiesenheit aus. Leider. Manche meinen, das mache das Erwachsensein aus. Natürlich ein Irrtum, aber manche meinen es. Kinder können nicht sprechen, nicht, wenn  sie  auf  die  Welt  kommen.  Eine  große Herausforderung für uns Erwachsene. Welche Worte werden wir ihnen beibringen?  Und  in  welchem Tonfall  werden  wir  mit  ihnen  sprechen, den Kindern. Hoffentlich glauben sie uns nicht jedes Wort. Hoffentlich  finden  sie ihre eigene Sprache, eine liebevolle, verantwortungsvolle  zärtliche  Sprache. Unsere Kinder werden verhungern, wenn wir Erwachsenen ihnen nichts zu essen geben. Das ist keine Binsenweisheit, das ist bittere Realität jeden Tag. Jeden Tag sterben Kinder des Hungers wegen, und der dummen Worte wegen, mit denen wir uns dafür rechtfertigen, dass es uns bis heute nicht gelungen ist, Menschen wenigstens satt zu bekommen. Es gibt keine Entschuldigung dafür, aber so ist die Welt der Erwachsenen. Wir finden immer wieder Ausflüchte dafür, dass wir es nicht hinbekommen. Ich sage dazu: nicht hinbekommen wollen. Kinder können sich auch nicht selbst beschützen. Nur zu dumm, dass die meisten Erwachsenen das auch nicht können oder wollen: Menschen beschützen. Vielen genügt der Selbstschutz. Nur geht der meist auf Kosten anderer. So, jetzt ist Schluss mit trüben Gedanken.


Kinder lachen. Erwachsene lachen auch. Kinder ungefähr 100 Mal am Tag. Erwachsene bringen es gerade einmal auf 10 Mal. Merken sie was? Je älter wir werden, desto mehr vergeht uns das Lachen. Weil ich es aber wieder haben will, das Lachen, forsche ich nach. Kinder lachen spontan, sie lachen, weil sie lachen wollen. Kinder wollen glücklich sein, instinktiv. Das soll jetzt nicht heißen, dass Erwachsene nicht glücklich sein wollen. Aber augenscheinlich stellen sie sich weit ungeschickter dabei an.


Lachen öffnet, befreit, ist spontan, macht aber auch angreifbar. Und genau das scheint mir ein wesentlicher Punkt. Erwachsene lassen sich nicht gern in die Karten schauen, oder ins Herz, schon gar nicht in ihre Gedanken. Da sind Kinder  freigiebiger: Sie lachen spontan, herzlich, unverkrampft. Irgendwie immer mit dem Vertrauen, dass ihre Offenheit nicht benutzt wird, oder ausgenutzt. Lachen ist eine Frage des Vertrauens. Kaum ein Kind, das die Mundwinkel nach unten hängen lässt. Bei meinen ist es noch nicht entschieden, der rechte hängt ein wenig tiefer als der linke. Kein Wunder, die linke Seite ist ja auch die Herzseite. Und Lachen kommt vom Herzen. Ich gebe es noch nicht auf. An manchen Tagen komme ich schon auf über zwanzig Mal Lachen. Immerhin. Und wie steht es bei Ihnen? Werdet wie die Kinder, heißt es. Nun denn: ein paar Mal mehr Vertrauen, einige Worte der Zuneigung, und das jeden Tag. Das wäre was. Wir würden das Lachen wieder lernen und das Vertrauen.