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Alles Gute, auch persönlich

von Prälat Michael H. F. Brock - Ich wünsche Ihnen alles Gute, auch persönlich. Das ist jetzt nicht wahr? Sie wünschen mir etwas ganz persönlich? Und wenn ich das jetzt persönlich nehme? Kommen Sie damit zurecht, wenn ich Ihnen antworte – eben auch ganz persönlich?

Ich würde Ihnen erzählen, dass ich gerade verzweifelt einen Parkplatz gesucht habe, dabei bin ich schon spät dran, meine Tochter wollte mich nicht gehen lassen, heute früh in der Kita, und jetzt ärgern sich die Kollegen. Könnten Sie etwas damit anfangen, wenn ich vom Glück sprechen würde, das ich empfinde, wenn ich meinen Kindern beim Spielen zusehe? Dürfte ich wirklich beginnen, darüber zu reden – auf Ihren Wunsch hin? Sie erinnern sich: Alles Gute, auch persönlich, wenn ich Ihnen sagen würde, es täte mir gut, Sie würden sich Zeit nehmen, auf einen Kaffee vielleicht, in der Pause, wir würden plaudern über das Leben außerhalb vom Geschäft. Das wäre schön, und wir hätten Zeit. Darf ich wirklich ganz persönlich darüber reden, was mir gut täte? Ich würde so gern einmal reden, über die Ideen für meine Arbeit. Über die Reisen, von denen ich träume. Über das Leben mit Kindern, allein, ohne Partner. Und überhaupt – einfach mal wieder in Ruhe sitzen und reden. Ich habe so lange nicht mehr in Ruhe Kaffee getrunken. Oder einen Spaziergang gemacht zu zweit. Wie wäre es mit einem Spaziergang? Keine Angst, nur ein kurzer Gang, zu mehr ist es zu kalt.

 

Aber warum schauen Sie mich so entsetzt an. Habe ich etwas falsch gemacht, etwas gesagt, was Sie verstimmt? Das wollte ich wirklich nicht. Persönlich? Ja, das haben Sie gesagt. Ah, es war nur höflich gemeint, sehr höflich sogar. Und beinahe hätte ich es persönlich genommen. Aber so haben Sie es nicht gemeint. Ja, das habe ich verstanden. Es war eine Grußformel. Ein höfliches: Ich werde jetzt an Ihnen vorübergehen. Mich interessiert Ihre Geschichte nicht, nicht wirklich, wie es Ihnen geht. Aber das wollten Sie mir ganz höflich sagen, sozusagen ganz persönlich. Schade, dachte ich. Es klang so liebevoll. Aber ich lerne hinzu, jeden Tag neu. Ich kann also auch sehr liebevoll einem Menschen zum Ausdruck bringen, dass er mir egal ist. Eben mit einem „Alles Gute, auch persönlich“, was gar nicht persönlich gemeint war, sondern nur höflich.

 

Ich habe einen Wunsch. Lasst mich in Ruhe mit den guten Wünschen, auch den ganz persönlichen, wenn sie nicht persönlich gemeint sind. Für Floskeln bin ich zu alt und für Höflichkeiten, die nur höflich sind, aber nicht persönlich gemeint, sie interessieren mich nicht mehr. Was mich interessiert, leidenschaftlich und gern, sind Begegnungen, die wirklich persönlich sind. Wenn ein „Wie geht es Ihnen?“ eine Einladung ist, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen, und wir einander begegnen, freue ich mich herzlich. Zeit – persönliche Begegnung braucht einfach Zeit. Wer sie sich nimmt, ist herzlich willkommen. Ich habe ja auch etwas zu verschenken: Zeit, Gedanken, Augenblicke ganz persönlich. Wer es ehrlich meint mit mir, dem gilt auch von mir: Alles Gute, auch persönlich.