Seitlich streichen für weitere Aufgabenfelder <>

111 Jahre Liebenauer Blutreiter

LIEBENAU/WEINGARTEN – Die Stiftung Liebenau bringt man meist mit Pflegeheimen oder mit Menschen mit Behinderungen in Verbindung. Dass die Stiftung Liebenau auch eine eigene Blutreitergruppe nach Weingarten sendet, wissen jedoch meist wenige. Bereits seit 111 Jahren nimmt diese Gruppe am Blutritt teil – ein besonderes Jubiläum.

Die Liebenauer Blutreitergruppe war zum 111. Mal zu Gast in Weingarten.

Impressionen vom 111. Liebenauer Blutritt

Das Glück der Erde, liegt auf dem Rücken der Pferde - besagt ein altes Sprichwort. Deshalb sollte man schon ein paar Reitstunden auf dem Buckel haben, beziehungsweise einige Grundkenntnisse besitzen, bevor man sich für dieses große Ereignis eignet. Aber die meisten Liebenauer Reiter, die aus ehemaligen Mitarbeitern und Liebenauer Freunden bestehen, sind den Umgang mit Pferden schon von Kindesbeinen an gewohnt. Meist reitet man auf den eigenen, die, ganz unabhängig von der Pferderasse, einen ausgeglichenen Charakter besitzen müssen, ruhig und leicht kontrollierbar sein sollten. Denn neben dem Reiter muss auch das Pferd schon einige Stunden Prozessionsweg durchhalten.

 

Die Vorbereitungen für den Blutfreitag beginnen jedoch bereits einen Tag früher – an Christi Himmelfahrt. Da werden morgens Sättel und Zaumzeug geputzt und ein Teil der Pferde bereits nach Weingarten ins Quartier gefahren. Für den großen Tag putzen sich alle heraus: sowohl Reiter als auch Pferd. Frack und Zylinder werden aus dem Schrank geholt und auf Vordermann gebracht. Die Pferde geputzt, gestriegelt und Mähne und Schweif geflochten. Meist wird das von den Frauen übernommen, so sind auch sie eingebunden. Aber, wie ist das eigentlich mit den Frauen? Dürfen die denn auch mitreiten? „Frauen sind in Weingarten bisher nur als Ministrantinnen erlaubt. Jedoch sind sie in Bad Wurzach beim Heilig-Blut-Fest seit einigen Jahren auch fester Bestandteil“, so Karl Kurz, der von seinem Schwiegervater Georg Biegger die Gruppenleitung übernommen hat.

 

Überhaupt ist das so eine Sache mit dem Reiten. Wer darf das überhaupt? „Es ist schon oft so, dass ganze Familiengenerationen am Blutritt teilnehmen. Vererbt werden kann die Teilnahme natürlich nicht. Jedoch gibt es schon eine Art Tradition innerhalb einer Familie“, so Kurz. Kurz´ Schwiegervater Georg Biegger war übrigens mit 80 Jahren der älteste Reiter der Liebenauer Abordnung und hat 60 Mal teilgenommen. Enkelin Vanessa durfte bereits mit vier Jahren als Ministrantin mitreiten.

 

Doch nochmal zurück zum eigentlichen Blutfreitag: Dem katholischen Fest, an dem die Heilig-Blut-Reliquie verehrt und alljährlich durch die Weingartener Innenstadt getragen wird. Muss man denn überhaupt katholisch sein, um mitreiten zu dürfen? Karl Kurz: „Ich glaube nicht, dass der liebe Gott da einen Unterschied macht. An ihn glauben sollte man natürlich schon in irgendeiner Weise.“ Gibt es denn eine Art „Geheimmittel“ gegen die Wehwehchen nach dem durchaus anstrengenden Ritt? Denn, während der Blutritt für die Zuschauer etwa zwei Stunden dauert, können das für die Mitwirkenden mit Wartezeiten schon mal sechs bis acht Stunden sein. „Jeder hat sein eigenes Hausrezept. Aber mit einer Bratwurst und einer Halbe Bier sind die Schmerzen schnell vergessen. Die Pferde freuen sich natürlich auch über Wasser und Leckerlies.“

 

Aber die Liebenauer wären nicht die Liebenauer, würden sie sich nur einmal im Jahr im Mai treffen. Private Feiern, Geburtstage, Jubiläen, aber auch Beerdigungen, geben Anlass, sich zu sehen und auch offiziell Ehre zu erweisen. Und nach dem Blutritt ist vor dem Blutritt: Die Vorbereitungen dafür beginnen bereits im Frühjahr. Übrigens waren die Liebenauer in ihrem 111. Jahr Gruppe 22.

 

 

Wenn Sie sich für unseren Newsletter Inklusion interessieren, melden Sie sich bitte hier an >

 



Pressekontakt:

Stiftung Liebenau
Abteilung Kommunikation und Marketing
Vera Ruppert, Pressearbeit
Siggenweilerstr. 11 
88074 Meckenbeuren 
Telefon +49 7542 10-1181
presse@stiftung-liebenau.de