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Der erste Schritt

von Prälat Michael H. F. Brock – Menschen in Typen einzuteilen fällt mir schwer. Im Grunde will ich es auch gar nicht. Schon gar nicht möchte ich Menschen festlegen. Menschen können sich verändern. Aber wenn ich mit einzelnen ins Gespräch komme, fangen sie meist selber an über sich selbst in Typbeschreibungen zu sprechen.

„Ich bin eher ein Gewohnheitstier“ schmunzelt einer. „Ich brauche immer den gleichen Trott. Da weiß ich was ich habe, und andere Menschen wissen auch immer, wo und wie sie mich finden.“ Zuverlässigkeit – das verbinden manche Menschen mit ihrem immer gleichen Trott. Manche fühlen sich aber auch selbst festgelegt. Von sich selbst oder von anderen. Und ich treffe den eher neugierigen Menschen, der immer auf der Suche ist nach neuen Wegen, neuen Eindrücken, neuen Menschen. Menschen, die immer unterwegs sind, sehe und spüre ich aber auch ihre Einsamkeit an. Meistens sind es Menschen, die viele Menschen kennen. Aber in ihrer Unbeständigkeit auch nirgends verweilen können. Zuweilen sind sie sprunghaft. Sie erleben sich abenteuerlustig, aber oft sind es gerade diese Menschen, die sich nach Heimat sehnen. Und ich erlebe Menschen, die sich als ordnungsliebend beschreiben, die immer Orientierung brauchen, immer Halt in Systemen, Meinungen, und ihre Ordnung ist quasi das Geländer, an dem sie sich festhalten durchs Leben.

Ich glaube, wir könnten noch unendlich mehr Menschen beschreiben mit ihren Eigen-Arten. Ich beobachte, wo immer Menschen zu sehr in einem Typ zuhause sind, fällt ihnen der erste Schritt hin zu Veränderung ausgesprochen schwer. Manchmal sind es äußere Anlässe, die ein anderes Verhalten fordern: der Wechsel an einen neuen Arbeitsplatz, der Umzug an einen anderen Wohnort. Manchmal besteht die Herausforderung auch darin, eine scheinbar unlösbare Aufgabe auf eine neue Weise anzugehen oder im Umgang mit anderen Menschen einen unvertrauten Weg auszuprobieren. Ein Mensch, der zuverlässig, aber eben auch festgelegt immer in der gleichen Regelmäßigkeit lebt, wird einen solchen ersten Schritt ins Abenteuer neugierig nur schwer gehen können. Dann kann eine an sich durchaus gesunde Regelmäßigkeit zur Belastung werden.

Ein guter Gradmesser im Leben ist die Fähigkeit zum ersten Schritt, wenn – aus welchen Gründen immer – neue Wege zu beschreiten sind. Ich empfehle, dass wir einen gesunden Mix finden zwischen Ordnung und Abenteuerlust, Neugierde und Zuverlässigkeit, sodass der jeweils anstehende erste Schritt nicht zu einer „Typ-Frage“ wird, sondern zur Bereitschaft, die Wege zu finden und zu suchen, die im Leben anstehen. Es sind Wege, die mich reifen lassen und als Mensch reich machen. Ein Reichtum nicht nur für mich selbst, sondern in der Begegnung auch für andere Menschen.