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Berufsbildungswerk startet Lernwerkstatt für Geflüchtete

AULENDORF/RAVENSBURG – Startschuss für ein Projekt mit Modellcharakter: In Aulendorf hat das Berufsbildungswerk der Stiftung Liebenau zusammen mit der Stadt Aulendorf eine „Lernwerkstatt“ für Geflüchtete eröffnet. Dort werden die Teilnehmenden im Auftrag des Jobcenters Ravensburg fit gemacht für die Integration in den Arbeitsmarkt. Der Kurs umfasst neben einem Sprachtraining den Erwerb fachpraktischer Fähigkeiten in den Berufsbereichen Holz, Farbe und Metall. Es geht aber auch um die Vermittlung nötiger Grundarbeitstugenden sowie sozialer Kompetenzen.

Einstieg in das Berufsfeld Farbe: Unter den Augen der Kursleiter Achim Bernhard (ganz links) und Ulrike Ahlfänger (ganz rechts) eignen sich die Teilnehmer der Aulendorfer Lernwerkstatt fachpraktische Kompetenzen an und finden heraus, welcher Job für sie der Richtige ist.

Konzentrierte Arbeit in der Lernwerkstatt: Unter der Anleitung von Ulrike Ahlfänger (rechts) beschäftigt sich Teilnehmer Husam Mudhi mit Grundlagen der Farbenlehre.

Bunter Beginn

Die einen halten einen Pinsel in der Hand und mischen vorgegebene Farbtöne, die anderen hantieren derweil mit Zirkel und Lineal: In die Aulendorfer Lernwerkstatt ist vor kurzem Leben eingekehrt. Sieben Flüchtlinge machen hier in den ehemaligen Räumen der Firma Huchler derzeit die nächsten Schritte auf dem Weg in einen Job: vormittags im Klassenzimmer, wo Deutschunterricht auf dem Stundenplan steht, nachmittags an der Werkbank. Zunächst dreht sich hier alles um den Bereich Farbe, der eines von drei Berufsfeldern ist, die die Männer und Frauen in den kommenden Monaten näher kennenlernen werden. „Und dazu gehört die Farbenlehre“, erklären die Kursleiter Ulrike Ahlfänger und Achim Bernhard. Deshalb lautet die Aufgabe heute, einen Farbkreis selbst zu konstruieren.

 

Farbe, Holz und Metall

„Später kommen dann noch die Bereiche Holz und Metall dazu“, so Bernhard. Mit den dazu nötigen Werkzeugen und Maschinen ist die Lernwerkstatt ausgestattet. In der Praxis werden so Talente und Fertigkeiten sowie der noch vorhandene Unterstützungsbedarf schnell erkannt. „Wir können herauslesen, wo genau die Leute dann später einmal arbeiten können.“

 

Vier Monate Lernwerkstatt, zwei Monate Praktikum

Später, das heißt optimalerweise: in einem halben Jahr. Denn vier Monate lang dauert die Phase in der Lernwerkstatt, weitere zwei Monate sind für weiterführende Praktika eingeplant, zum Beispiel in den Ausbildungswerkstätten des Berufsbildungswerks (BBW) in Ravensburg. Ziel der Maßnahme ist die direkte Vermittlung in Arbeit oder auch in eine Ausbildung, wie BBW-Bildungsmanagerin Monika Kordula erklärt. Damit das funktioniert, bekommen die Flüchtlinge auch Bewerbungstraining und Unterstützung bei der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz.

 

Teilnehmer wollen ihr Deutsch verbessern

Und was sagen die Teilnehmer selbst? „Gut“ gefällt es zum Beispiel Husam Mudhi in der Lernwerkstatt. Der 25-jährige Syrer sieht darin für sich eine Chance, berufspraktische Erfahrungen zu sammeln und sein schon recht gutes Deutsch weiter zu verbessern. Auch Amineh Abdulhei ist konzentriert bei der Sache. In ihrer Heimat hat sie als Näherin gearbeitet, nun hofft sie auch hier in Deutschland, beruflich Fuß zu fassen. In welchem Bereich genau, das will sie in der Lernwerkstatt herausfinden.

 

Jobcenter Ravensburg vergibt Plätze

Sie und die weiteren Teilnehmer der ersten Stunde kommen alle zufällig aus Aulendorf. Zur Freude von Bürgermeister Matthias Burth, der sich bei der Eröffnung der Lernwerkstatt gleich ein eigenes Bild von den „sehr ansprechenden Räumlichkeiten“ machte. Doch grundsätzlich ist der Kurs für geflüchtete Menschen aus dem ganzen Landkreis konzipiert. Denn zugewiesen werden die Teilnehmer vom Jobcenter des Ravensburger Landratsamts. Das heißt auch: Es gilt Anwesenheitspflicht. Und eine Zielvereinbarung wurde ebenfalls aufgesetzt und von allen Beteiligten unterschrieben, betont Kordula.

 

Mehrere Kooperationspartner

Finanziert wird das landkreisweit einzige Projekt seiner Art im ersten Jahr aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (80.000 Euro), der Stadt Aulendorf und des Zweckerfüllungsfonds Flüchtlingshilfe der Diözese Rottenburg-Stuttgart (jeweils 30.000 Euro). „Die Finanzierung für das zweite Projektjahr 2019 ist noch nicht ganz geklärt“, so Kordula. Mit der weiteren Unterstützung der Stadt Aulendorf kann sie aber schon rechnen. Ebenfalls beim Modell Lernwerkstatt noch mit im Boot: die Caritas, die sich um das Integrationsmanagement der geflüchteten Menschen kümmert.

 

Großes Interesse an Vorzeigeprojekt

Schon jetzt sorgt das Vorzeigeprojekt über die Kreisgrenzen hinaus für Aufsehen. So hätten auch andere Landkreise bereits ihr Interesse bekundet, berichtet Monika Kordula. Doch die Kapazitäten des Berufsbildungswerks seien in der Hinsicht begrenzt. Und so konzentriere man sich aktuell ganz auf den Standort Aulendorf.

 

 

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