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Beziehungen gestalten mit Hilfe der Kunsttherapie

MECKENBEUREN – Ob malen, sägen, filzen, töpfern oder einfach nur mit den Händen in bunte Fingerfarben eintauchen: Kunsttherapie hat an der St. Lukas-Klinik der Stiftung Liebenau einen hohen Stellenwert. Dabei zählt nicht das sichtbare Ergebnis, sondern das innere Erleben der jungen Patienten. „In der Kunsttherapie entsteht viel mehr als das, was man sehen kann: Die Patienten erleben ein Gefühl von Zufriedenheit und Sicherheit“, berichten die Kunsttherapeutinnen Monika Schlenker und Nadine de Fries. Sie haben ihre Erfahrungen und Erkenntnisse bei einem Arbeitstreffen mit 27 Kolleginnen und Kollegen aus Baden-Württemberg und der Schweiz ausgetauscht.

Die Kunsttherapeutinnen der St. Lukas-Klinik, Nadine de Fries und Monika Schlenker (v. li.), begleiten junge Patienten mit Mitteln der Kunst.

Das jährliche Treffen der Kunsttherapeuten fand in diesem Jahr in Liebenau statt.

Materialien für die Kunsttherapie.

Der Phantasie sind bei der Kunsttherapie keine Grenzen gesetzt.

Junge Patienten in Extremsituationen

Monika Schlenker und Nadine de Fries begleiten mit ihrer kunsttherapeutischen Arbeit vor allem Kinder und Jugendliche, die zusätzlich zu ihrer Behinderung eine psychische Erkrankung haben und deshalb in der St. Lukas-Klinik behandelt werden. Das heißt: „Sie kommen in Extremsituationen zu uns“, erklärt Monika Schlenker. Hier setzt die Kunsttherapie an: „Wir bietet ihnen einen Ruhepol. Hier können sich die Patienten außerhalb des Stationsalltags neu zeigen“, sagt Nadine de Fries.

 

Kunst ohne Leistung und Bewertung

Beispielhaft erzählen sie von einem Kind, das sich selbst in einer knallbunten Umgebung auf einem großflächigen Plakat malt. Ein anderes Kind hingegen bringt nichts zu Papier, steht lediglich am Waschbecken, planscht mit dem Wasser und ist dabei sichtbar glücklich und eins mit sich selbst. Wiederum ein anderes Kind entfaltet sich beim Umgang mit Holz und Werkzeug. Manchmal bringt ein Patient sogar ein so ausdrucksvolles Werk zustande, dass es ausgestellt werden kann. Doch dies steht nicht im Vordergrund, im Gegenteil: „Wir wollen Kunst nicht mit Leistung verbinden und nicht bewerten“, betont de Fries. „Es geht vielmehr darum, dass sich die Kinder und Jugendlichen mit sich selbst auseinandersetzen und ihre eigenen Gefühle erfahren.“

 

Begegnung mit sich selbst und anderen

Die Kunst mitsamt ihren verschiedenen Materialen und Ausdrucksmöglichkeiten halten die Kunsttherapeutinnen für einen idealen und wichtigen Weg dazu. „Kunsttherapie stabilisiert die Kinder und Jugendlichen, vermittelt Sicherheit, stärkt das Selbstwertgefühl, lässt sie bei sich selbst ankommen und ermöglicht eine Ich-Begegnung“, erklärt Monika Schlenker. Das Wertvollste beschreibt sie so: „Es entstehen Beziehungen der Patienten zu sich selbst und zu anderen Menschen.“ Gerade für Kinder und Jugendliche, die sich über die Sprache nur schwer ausdrücken können oder die beispielsweise eine Entwicklungsstörung aus dem autistischen Bereich haben, sei Kunst ein sehr hilfreiches Mittel, um sich selbst zu erfahren und mitzuteilen.

 

Wichtig für Diagnostik und Therapie

Im Durchschnitt verbringen die jungen Patienten etwa acht Wochen in der St. Lukas-Klinik. Diese hoch spezialisierte Fachklinik für Menschen mit Behinderungen gliedert sich in Fachabteilungen für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Erwachsenenpsychiatrie und Innere Medizin. Während dieser Zeit nehmen sie immer wieder an Angeboten der Kunsttherapie teil – alleine oder in sehr kleinen Gruppen. Dabei lässt sich zum Beispiel gut beobachten, wie sich ein Patient verhält und welche Ressourcen in ihm stecken. Die Erkenntnisse, die die Kunsttherapeutinnen auf diese Weise gewinnen, fließen sowohl in die Diagnostik als auch in die Therapie mit ein. Oft münden sie auch in Empfehlungen für die Zeit nach dem Klinikaufenthalt.

 

Beim Arbeitstreffen voneinander lernen

Die Kunsttherapie in der Psychiatrie und Psychosomatik steht einmal im Jahr im Mittelpunkt des Interesses: nämlich dann, wenn sich Kunsttherapeutinnen und -therapeuten aus diesem Bereich zu einer Arbeitstagung treffen. Der Gastgeber wechselt jedes Jahr. Das 46. Treffen dieser Art hat diesmal die St. Lukas-Klinik der Stiftung Liebenau ausgerichtet und auch die Inhalte dazu gestaltet. Einen Schwerpunkt dieses Tages bildeten die Arbeitsgruppen, die sich mit Möglichkeiten und Methoden des kunsttherapeutischen Arbeitens befassten. Unter der Fragestellung „Wie siehst Du die Welt?“ ging es beispielsweise speziell um kunsttherapeutisches Arbeiten mit geistig behinderten Kindern und Jugendlichen. Die Fotografie als therapeutisches Mittel und der Gestaltung von sicheren Orten in und für die kunsttherapeutische Arbeit waren weitere Themen.

 

 

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Pressekontakt:

Stiftung Liebenau
Abteilung Kommunikation und Marketing
Vera Ruppert, Pressearbeit
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Telefon +49 7542 10-1181
vera.ruppert@stiftung-liebenau.de