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Bürgermeister diskutieren in Liebenau über Kirche und Kommunen

MECKENBEUREN-LIEBENAU – Wie können Kirche und Kommune in der Gemeindeentwicklung gut zusammenarbeiten? Wie können soziale Organisationen hier in mit ihrer Expertise unterstützen? Dies waren nur zwei der Fragestellungen, die beim Bürgermeisterfachtag in der Stiftung Liebenau diskutiert wurden. Geladen waren neben den Bürgermeistern der Region, auch zwei hochkarätige Redner: Roger Kehle, Präsident des Gemeindetags Baden-Württemberg, und Weihbischof Matthäus Karrer, Leiter der Hauptabteilung Pastorale Konzeption im Bischöflichen Ordinariat der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Die Diskutanten im Liebenauer Schlosssaal (v. li.): Ulrich Dobler, Dr. Berthold Broll, Roger Kehle, Bürgermeister Bruno Walter, Weibischof Matthias Karrer, Bürgermeisterin Elisabeth Kugel, Dr. Markus Nachbaur, Prälat Michael H. F. Brock, Pfarrer Reinhard Hangst, Paul Locherer.

Roger Kehle, Präsident des Gemeindetags Baden-Württemberg, diskutierte mit den Teilnehmern in Liebenau über Innovationspotentiale in der Gemeindeentwicklung.

„Gerechte Win-Win-Situationen“

Als „Chance für den sozial-caritativen Sektor“ bezeichnete Dr. Berthold Broll, Vorstand der Stiftung Liebenau, in seiner Begrüßungsrede die Suche der Menschen nach Heimat. „Kirche und Kommune sind der Anker der lokalen Verantwortungsgemeinschaft“, sagte Broll. Dass auch dieser Anker nicht immer aus einem Guss ist, darauf verwies die Bürgermeisterin Meckenbeurens, Elisabeth Kugel, in ihrem Grußwort. „Wir müssen uns entscheiden“, so Kugel, „ob wir berechnende Geschäftspartner sein möchten oder gerechte Win-Win-Situationen schaffen wollen.“ Hierfür seien gemeinsame Werte eine wichtige Grundlage.

 

Partner für Heimat und Werte

Die derzeitigen und künftigen Herausforderungen der Gemeinden erörterte dann Roger Kehle in seinem Vortrag. Dabei verwies er insbesondere auf die Probleme, die die seit neun Jahren andauernde Hochkonjunktur mit sich bringe. So fehle es oft an nötigen Flächen für neue Infrastruktur: seien es Straßen, Wohngebiete, Schienennetze oder Glasfaserkabel. Die Probleme, die der freie Wettbewerb nicht zu lösen vermag, würden dann bei der Kommune wieder aufschlagen. Darin sieht Kehle jedoch auch eine Chance für Kooperationen: „Gemeinden und Kirche sind geborene Partner, die für Heimat und Werte einstehen.“

 

Kirche wird partizipativ

Um neue Formen sozialer Infrastruktur ging es auch im Vortrag von Weihbischof Matthäus Karrer, er bezog sich dabei jedoch auf den sozialen Raum. „Unser bewährtes Bild der Pfarrfamilie, in die sich alle Gesellschaftsteile integrieren lassen, passt nicht mehr“, erläuterte Karrer. So müsse sich die Kirche, insbesondere in den Gemeinden, auf einen Partizipationsprozess einlassen. „Statt uns abzugrenzen, gilt es zu schauen, wo wir mit denen, die ähnliche Ziele haben, gemeinsam einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen können.“ Als Beispiel dafür nannte er einen pastoralen Streetworker, der in einem Böblinger Neubaugebiet eingesetzt wird und dort Ansprechpartner für Menschen aus 100 Nationen ist. Auch andere ökumenische Projekte werden derzeit seitens der Diözese vorangetrieben, hingen aber auch immer vom Engagement Ehrenamtlicher ab.

 

„Faire Streitkultur“

Der Themenkomplex der Bürgerbeteiligung war dann ein Schwerpunkt in der abschließenden Gesprächsrunde. Hier erläuterte Tettnangs Bürgermeister Bruno Walter den Bürger-Beteiligungsprozess, der dem Bau des St. Anna-Quartiers in Tettnang vorausgegangen war. Hier wurden Anwohner und Interessierte von Beginn an in die Konzeption einer offenen Quartiersgestaltung einbezogen. Ein Beispiel, das auch Roger Kehle lobte. Aus eigener Erfahrung konnte er jedoch auch berichten, dass dies nicht immer zum gewünschten Ergebnis führt. „Wir dürfen auch nicht erwarten, dass alle Leute, die wir miteinbeziehen, dann anschließend unserer Meinung sind.“ Umso wichtiger sei es, eine faire Streitkultur zu etablieren.

 

 

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