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Das Corona-Jahr im Berufsbildungswerk

RAVENSBURG – Auch für das Ravensburger Berufsbildungswerk (BBW) der Stiftung Liebenau und seine Auszubildenden war 2020 ein besonders herausforderndes Jahr. Die erfreuliche Bilanz: Trotz schwieriger Bedingungen und des meist sehr hohen Förderbedarfs der Azubis konnten fast alle Jugendlichen des „Corona-Jahrgangs“ ihre Berufsausbildung erfolgreich abschließen.

Erfolgreicher Ausbildungsabschluss trotz Corona-Krise: Für fast alle Prüflinge des Absolventenjahrgangs 2020 im Ravensburger Berufsbildungswerk hieß es „Daumen hoch“.

Die Verlierer der Krise?
Als im Frühjahr 2020 der erste pandemiebedingte Lockdown kam, war die Sorge groß: Werden die Jugendlichen, die aufgrund ihrer Lernbehinderung, ihrer Autismus-Spektrum-Störung oder ihrer psychischen Probleme ohnehin schon benachteiligt sind, zu den Verlierern der Krise gehören? Bremst das Virus die jungen Frauen und Männer auf der Zielgeraden ihrer Ausbildung noch aus?

 

Ausbildungsalltag auf den Kopf gestellt
Von einem Tag auf den anderen wurde der Alltag der BBW-Azubis auf den Kopf gestellt. Wochenlang mussten sie von zuhause aus lernen. Praktika platzten, Bewerbungsgespräche ebenso. Ausgerechnet in der heißen Phase der Prüfungsvorbereitung fiel das gewohnte Umfeld plötzlich weg. Bereits für Schülerinnen und Schüler ohne Handicap war dies eine schwierige Umstellung. So traf es die BBW-Jugendlichen umso härter – gerade die zahlreichen Menschen mit Autismus, für die klare Strukturen und Alltagsroutinen so wichtig sind. Oder auch jene Azubis mit psychischen Störungen, die eine intensive, persönliche Begleitung durch Fachdienste benötigen. Ein weiteres Problem: Der in vielen Berufen besonders im Mittelpunkt stehende praktische Teil der Ausbildung fiel zeitweise ganz weg.

 

Großes Engagement war gefragt
Doch auch während des Lockdowns stand das BBW niemals still. Im Gegenteil: „Diese Phase war sogar arbeitsintensiver als der ‚Normalbetrieb‘“, erklärt Geschäftsführer Herbert Lüdtke: „Heimlern-Konzepte wurden im Eiltempo entwickelt und umgesetzt. Dabei wurden individuelle Lösungen für Hochrisikofälle gefunden. Unsere Mitarbeitenden aus Schule, Ausbildung und Fachdiensten engagierten sich noch mehr als sonst, um den Kontakt zu den Teilnehmenden zu halten und sie weiterhin bestmöglich zu begleiten.“ 

 

Fast alle haben Abschluss geschafft
So gelang es dann auch tatsächlich, dass die Abbruch-Quote im Corona-Jahr 2020 sogar noch niedriger ausfiel als im Vorjahr. Und von den 25 Jugendlichen, die ihre Ausbildung aus den verschiedensten Gründen vorzeitig beendeten, fand die Hälfte nahtlos eine andere Lehrstelle oder Beschäftigung. Für den großen Rest lohnte sich das Durchhalten in schwierigen Zeiten: Lediglich sieben Azubis von insgesamt rund 120 Prüflingen bestanden im Sommer 2020 ihre Abschlussprüfungen nicht im ersten Anlauf. „Das ist eine hervorragende Erfolgsquote – und das trotz virtueller Ausbildung und Beschulung in der Corona-Heimlernphase“, freut sich Jochen Gerstner, Bildungsbegleiter im BBW. 

 

Vermittlungszahlen: Corona-Effekt möglich
Und wie ging es für die Absolventinnen und Absolventen nach dem Abschluss weiter? In „normalen“ Zeiten gilt: Rund zwei Drittel der BBW-Azubis kommen zeitnah in einem sozialversicherungspflichtigen Job, einer Anschlusstätigkeit oder Weiterbildung unter. Genaue Vermittlungszahlen zum Corona-Jahrgang 2020 müssen erst noch ermittelt werden, doch steht natürlich auch der aktuelle Arbeitsmarkt im Zeichen der Pandemie. „Je nach Branche gibt es Betriebe, die durch Corona sehr stark betroffen sind und eher an Kurzarbeit oder Arbeitsplatzabbau denken, als an Neueinstellungen. Von daher wird sich die Krise wohl schon auf die Vermittlungszahlen auswirken“, meint BBW-Geschäftsführer Christian Braun.
 

 

 

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