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„Ein Treiben wie in einer Großstadt“ Das Ende des Zweiten Weltkriegs in Liebenau

LIEBENAU – Am 8. Mai 1945 gilt der Zweite Weltkrieg als beendet. Auch Liebenau war durch die Kriegsjahre und durch das Wüten der Nationalsozialisten schwer getroffen: Deportationen von Bewohnern, Interniertenlager und Zwangsarbeiter. “Ein Bild der Verwirrung und des Durcheinanders“ heißt es in der Festschrift der Stiftung Liebenau zu ihrem 75-jährigen Bestehen. Was geschah vor 75 Jahren in Liebenau?

Luftaufnahme der Stiftung Liebenau um 1945.

Internierte verlassen Liebenau

Am Nachmittag des 29. April 1945 zwischen 14 und 15 Uhr rollten die ersten „feindlichen Panzer“ in Liebenau ein. Sie wurden von den damals in Liebenau internierten Frauen stürmisch begrüßt. Sie winkten aus den Fenstern mit weißen Tüchern. 14 Tage lang besetzten rund 150 französische Soldaten und 40 kriegsgefangene Serben Liebenau. Dazu wurden im Gut Betha Haus (heutige St. Lukas-Klinik) Betten aufgeschlagen. Allerdings soll es auch zu Plünderungen der Internierten durch die Soldaten gekommen sein. Liebenau wurde vom englischen Oberst Head, einem Attaché der ersten Französischen Armee, übernommen. Der damalige Direktor Josef Wilhelm schrieb in seinem Jahresbericht „Nun erfolgte ein gewaltiger Umschlag in dem Benehmen der Internierten. Mit der Anstaltsordnung war es vorbei. Tag und Nacht fuhren Autos hin und her wie in einer Großstadt.“

 

Das Polenlager

Ab Juni 1945 wurden dann die Internierten nach und nach in ihre Heimatländer gebracht. Das dauerte rund zweieinhalb Monate, bis zum 10. August. Als am 28. August nach langer Zeit wieder eine Sitzung des Verwaltungsrats abgehalten werden konnte, war Liebenau zwar immer noch beschlagnahmt, aber es bestand wieder Handlungsfreiheit, was die Betreuungsarbeit anging. Die Einrichtung eines großen Polenlagers im Josefshaus, im Haus Gut Betha und im sogenannten „Stoppelhaus“ musste allerdings hingenommen werden.

 

Rosenharz

Auch in Rosenharz, wo während des Krieges ein Lazarett eingerichtet worden war, kamen die Panzer, aber schon am Morgen. Da allerdings schreckten sie vor der Pforte zurück, da im Lazarett hochansteckende Tuberkulosekranke gepflegt wurden. Am 1. August wurde das Lazarett geschlossen und ab September zu einer Lungenheilanstalt umfunktioniert.

 

Das Jubiläum

Das Jahr 1945 war eigentlich ein Jahr der Feste und Jubiläen: Liebenau bestand seit 75 Jahren, Direktor Josef Wilhelm wurde 70 Jahre und war seit 35 Jahren im Amt. Es wurde „einfach“ aber „sehr würdig“, „ganz auf das Religiöse eingestellt“ gefeiert.

 

An die Zeit damals erinnern heute noch Gräber von Internierten und Zwangsarbeitern auf dem Liebenauer Friedhof, die während ihrer Zeit in Liebenau gestorben sind.

 

 

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