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„Hattest Du Angst zu sterben?“

ULM – Neun Jugendliche aus dem Regionalen Ausbildungszentrum (RAZ) Ulm der Stiftung Liebenau haben sich anlässlich der Aktion „Arbeit für den Frieden“ bei der Pflege von Kriegsgräbern im Elsass engagiert – und danach sehr emotionale Briefe an die im Ersten oder Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten geschrieben.

In persönlichen Briefen an die im Ersten oder Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldaten brachten die Jugendlichen aus dem RAZ Ulm ihre Gedanken, Gefühle und Fragen zu Papier.

Zur „Arbeit für den Frieden“ gehört die Pflege von Soldatenfriedhöfen – damit weder die Inschriften auf den Grabsteinen noch die Erinnerungen an die Kriegsopfer verblassen.

Viele Fragen und Gedanken

Vier Tage lang waren die jungen Menschen in Straßburg im Einsatz, um sich dort um die Instandhaltung der Gedenkstätten zu kümmern. Das Schicksal der getöteten Soldaten ließ sie auch nach getaner Arbeit nicht los. Um sich mit den Erlebnissen auseinanderzusetzen, sollte jeder Teilnehmende einen persönlichen Brief an einen der Gefallenen verfassen. Welche Geschichte verbirgt sich hinter dem Namen auf dem Grabstein? Was für ein Mensch war er? Hatte er Familie? Wer trauerte um ihn? Die Jugendlichen schrieben sich all ihre Gedanken und Fragen von der Seele. Heraus kamen Zeilen, die ihre Begleitpersonen „fast zu Tränen“ rührten.

 

Ergreifende, emotionale Worte

„Eine richtige Gänsehaut“ habe sie bekommen beim Lesen der Briefe, sagt RAZ-Ausbilderin Constanze Schock-Beck, die zusammen mit ihrem Kollegen Abdurrahman Akgün und dem FSJ-Praktikanten Niko Henke mit auf Frankreich-Fahrt gegangen war. „Die Worte an die Gefallenen sind äußerst ergreifend und gefühlvoll, aber auch kritisch.“ Überaus ernsthaft und reflektiert seien die Jugendlichen mit dem Thema Krieg umgegangen. Und in der Stille und der besonderen Atmosphäre der Gedenkstätte war die eigentlich schon so lange zurückliegende Vergangenheit plötzlich ganz nah dran am Leben der jungen Menschen.

 

„Krieg ist scheiße“

„Lieber Karl, ich finde es traurig, dass du im Krieg gestorben bist“, schreibt zum Beispiel eine Schülerin an einen im März 1915 gefallenen Soldaten: „Bestimmt hattest du eine Familie. Deine Söhne hätten bestimmt gerne mit dir Fußball gespielt…Und deine Töchter hätten bestimmt eine starke Schulter in wichtigen Zeiten gebraucht…Aber so fehlte ihnen der Vater, der Ehemann, der Sohn, der Bruder für immer… - und warum?“ Diese Sinnlosigkeit des Krieges, sie beschäftigte auch andere. „Hallo Rudolf, ich möchte von dir lernen und ich habe von dir gelernt. Nämlich, dass Krieg scheiße ist“, heißt es in einem weiteren Brief. Ein Jugendlicher hätte von einem Offizier gerne erfahren, warum er unschuldige Menschen auf das Schlachtfeld schickte und ob er glücklich war in seinem Beruf. Und: „Hattest du Angst zu sterben?“

 

„Das macht mich traurig“

Eine der Ulmer Schülerinnen musste an ein ebenfalls viel zu früh verstorbenes Familienmitglied denken, als sie vor einem Grabstein mit demselben Namen stand: „Du erinnerst mich sehr stark an meinen Cousin, der hieß genauso wie du“, schreibt sie. „Das macht mich traurig.“ Und der Brief an einen 1944 mit erst 21 Jahren gefallenen Obergefreiten endet mit dem Satz: „Wenn sie nicht im Krieg gekämpft hätten, hätten sie bestimmt ein schönes langes Leben gehabt.“

 

Neugierig geworden? Alle Briefe können Sie hier lesen.
 

 

 

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