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Impulse aus der "Lernwerkstatt" Aulendorf

AULENDORF/RAVENSBURG – Besuch aus Schweden: Eine fünfköpfige Delegation aus Göteborg hat die Aulendorfer „Lernwerkstatt“ besichtigt und sich darüber informiert, wie dort das Berufsbildungswerk der Stiftung Liebenau geflüchtete Menschen in Theorie und Praxis fit macht für den Arbeitsmarkt. Die „Lernwerkstatt“ wird unter anderem finanziert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF).

Großer Bahnhof in der Aulendorfer „Lernwerkstatt“: Bürgermeister Matthias Burth (Mitte), Sozialdezernentin Diana Raedler (karierte Jacke), der Aulendorfer Helferkreis sowie zahlreiche Vertreter von Stadt, Landkreis und anderen Partnern, begrüßten die schwedischen Gäste.

Besuch aus dem hohen Norden: Sozialarbeiter und Vertreter der Arbeitsvermittlung in Göteborg trafen in Aulendorf auf Teilnehmende der Lernwerkstatt.

Interessierte Beobachterinnen: Åsa Solver (links) und Tina Naga aus Göteborg schauen einem „Lernwerkstatt“-Teilnehmer aus Syrien bei seiner Arbeit an der Werkbank über die Schultern.

Vorzeigeprojekt spricht sich herum

Besuch sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der „Lernwerkstatt“ zwar gewohnt, hat das Vorzeigeprojekt seit seinem Start im Februar 2018 doch schon hohe Wellen weit über Aulendorf hinaus geschlagen. Doch dass Gäste extra aus dem hohen Norden Europas anreisen, das war dann doch etwas ganz Besonderes. Wie Deutschland nahm auch Schweden ab dem Jahre 2015 eine große Zahl von geflüchteten Menschen auf. Ganz ähnlich sind deshalb auch die Herausforderungen in den beiden Ländern: die Migranten sprachlich fit machen und sie so gut wie möglich in den heimischen Arbeitsmarkt eingliedern.

 

Vorbild Aulendorf

Aber warum ausgerechnet Aulendorf? Bei ihrem Blick über den eigenen Tellerrand wollten die Göteborger Arbeitsvermittler wissen, wie es andere in Europa machen. Und so klingelte bei Thomas Kreuz von der Beratungsstelle für die regionalen ESF-Arbeitskreise im Landkreistag Baden-Württemberg das Telefon. Der überlegte: „Wo gibt es innovative Ansätze? Wo gibt es Besonderheiten bei Finanzierung und Organisation?“ Und das, so Kreuz, treffe eben auf die „Lernwerkstatt“ zu: mehrere Partner, darunter mit dem Berufsbildungswerk ein kompetenter und starker Bildungsträger aus der Region, und ein von der Stadt Aulendorf, der Diözese Rottenburg-Stuttgart und dem ESF getragenes Finanzierungsmodell. Und so führte die Schweden ihre Reise nicht etwa in südwestdeutsche Großstädte wie Stuttgart oder Mannheim, sondern ins kleine Aulendorf.

 

Internationaler Erfahrungsaustausch unter Kollegen

Die Göteborger Sozialarbeiter und Arbeitsvermittler machten sich ein eigenes Bild, kamen mit den Lernwerkstatt-Teilnehmern aus Syrien, Eritrea oder Afghanistan ins persönliche Gespräch und tauschten sich intensiv auch unter Kollegen aus – mit ebenfalls anwesenden Vertreterinnen des Ravensburger Landratsamtes. Was macht das Jobcenter, wenn die Menschen sich den Angeboten verweigern? Wie hart sind die Sanktionen? Wie läuft die Kommunikation trotz der Sprachbarrieren? Andersherum interessierten sich die Deutschen auch für die schwedischen Verhältnisse: Wie viele Klienten haben die jeweiligen Fallmanager? Und: Gibt es so etwas wie die Lernwerkstatt auch in Göteborg? Ja, so etwas Ähnliches gebe es dort zwar auch, allerdings ohne die Praxisanteile.

 

Schwedische Delegation ist angetan

„Ein sehr interessantes Projekt“, zeigte sich nicht zuletzt deshalb die Göteborger Sozialarbeiterin Mia Flyckt von der Lernwerkstatt angetan: „Es ist gut, Praxis und Theorie zu mischen.“ Der Besuch in Oberschwaben habe sich gelohnt, um auch einmal andere Wege kennenzulernen. Auf großes Interesse war auch die vorangegangene Besichtigung des Ravensburger Berufsbildungswerks (BBW) gestoßen, das junge Menschen mit besonderem Teilhabebedarf in rund 50 Berufen beschult und ausbildet. „In Schweden kennt man solche Einrichtungen nicht“, so BBW-Bildungsmanagerin Monika Kordula, die den Besuch aus Göteborg begleitete. Wie die anderen „Lernwerkstatt“-Partner hofft auch sie, dass der ESF auch für das Jahr 2019 die Fördermittel bereitstellt. Eine entsprechende Entscheidung fällt Mitte November.

Information:

 

In der „Lernwerkstatt“ in Aulendorf bereitet das Berufsbildungswerk der Stiftung Liebenau Menschen mit Migrationshintergrund im Auftrag des Jobcenters Ravensburg für einen Einstieg in den Arbeitsmarkt vor. Der sechsmonatige Kurs umfasst, neben einem Sprach- und Bewerbungstraining, den Erwerb fachpraktischer Fähigkeiten in verschiedenen Berufsbereichen, insbesondere Holz, Farbe und Metall.

 

Finanziert wird das Projekt aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, der Stadt Aulendorf und des Zweckerfüllungsfonds Flüchtlingshilfe der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Weiterer Partner ist die Caritas, die sich um das Integrationsmanagement der geflüchteten Menschen kümmert.

 

 

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