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Liebenauer Fotografien im Buchhandel

Was wären wir ohne Fotos? Die ersten Babyfotos werden wie ein Schatz gehütet, Familienfeste und Urlaube in Fotoalben konserviert, und auch im Alltag immer mehr Fotos schnell mal digital mit Freunden – oder auch mit der ganzen Welt – geteilt. Fotoalben sind Fundgruben für persönliche Erinnerungen, aber auch Zeugnisse des Zeitgeistes. Das Fotoarchiv der Stiftung Liebenau ist da keine Ausnahme. In Tausenden von Bildern ist die fast 150-jährige Geschichte der Stiftung festgehalten. Die Medienwissenschaftlerin Dr. Anna Grebe hat dieses Archiv im Rahmen ihrer Promotion wissenschaftlich untersucht. Ihre Doktorarbeit ist nun im Transcript Verlag erschienen.

 „Fotografische Normalisierung“: Unter diesem Titel geht Grebe der Frage nach, wie Fotografie mit dem Verhältnis von Behinderung und „Normalität“ umgeht. Sie analysiert Einzelbilder und Serien daraufhin, was sie über das Verständnis von Behinderung aussagen, ordnet sie ein in die Fotografie der jeweiligen Zeit und ermöglicht dem Leser einen besonderen Blick auf die Geschichte der Stiftung Liebenau und der Menschen, die hier lebten und arbeiteten.

Von 1904 bis 2004 datieren die Bilder, die Grebe einbezogen hat. Eine zentrale Rolle unter den Fotografen nimmt der Jesuitenpater Johannes Baptista Hubbuch SJ ein. Er wirkte in den 1930er und 1950er Jahren in Liebenau als Hausgeistlicher und brachte sein fotografisches Hobby mit. Viele seiner Bilder zeigen die Bewohner und sind nicht gestellt, sondern wirken eher wie „Schnappschüsse“, auf denen oft auch Hubbuch selbst als Schatten erkennbar ist. Einblicke in den Liebenauer Alltag gewähren auch Hubbuchs Notizen zu den Bildern. Er nennt die Namen der abgebildeten Personen, beschreibt Diagnosen und Eigenheiten, schreibt auch darüber, wie ihm die Bewohner beim Rahmen der Dias halfen. Mitunter sind die Fotos tragische Zeitzeugnisse, weil die Abgebildeten wenige Zeit später im Zuge der Euthanasie-Aktion in Grafeneck getötet wurden. Ein Beispiel dafür ist Josef L., der von Hubbuch als Arbeiter mit Schürze porträtiert und am 4. November 1940 aus Liebenau nach Grafeneck abgeholt wurde. So entstanden dank Hubbuchs Fotoleidenschaft „einzigartige Dokumente des Anstaltsalltags“, so Grebe.

Das Buch ist im Buchhandel erhältlich:

Anna Grebe: Fotografische Normalisierung. Zur sozio-medialen Konstruktion von Behinderung am Beispiel des Fotoarchivs der Stiftung Liebenau. ISBN 978-3-8376-3494-5

 

 

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Pressekontakt:

Stiftung Liebenau
Abteilung Kommunikation und Marketing
Vera Ruppert, Pressearbeit
Siggenweilerstr. 11 
88074 Meckenbeuren 
Telefon +49 7542 10-1181
vera.ruppert@stiftung-liebenau.de