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Menschen mit Handicap sind sehr aktiv – nur anders als gewohnt

FRIEDRICHSHAFEN – Das Corona-Virus hat auch das Leben von Menschen mit Behinderungen auf den Kopf gestellt. Auch wenn sich im öffentlichen Leben allmählich einiges normalisiert, bleiben für viele von ihnen doch noch erhebliche Einschränkungen bestehen. Arbeiten geht für viele wegen Vorerkrankungen auch weiterhin nicht, die meisten Freizeitangebote bleiben ausgesetzt, Besuche in Wohngruppen sind nach wie vor nicht gestattet. Für viele betreuten Menschen fehlen deswegen gewohnte Strukturen im Alltag. Die meisten reagieren aber sehr flexibel und passen sich an die neue Situation an.

Sport und Bewegung tun in Zeiten von Corona besonders gut: Die Bewohner des Hauses in der Marienstraße der Stiftung Liebenau dürfen dafür die Wiese der St. Canisius-Kirche nutzen.

Viel Zeit fürs Spiel: Neben persönlichen Gesprächen sich auch Aktivitäten wie Spiele derzeit sehr gefragt. Mit Bewohnerin Nicole Weiss ringt Mitarbeiter Robert Jörg ums Gewinnen.

Der Traum vom Reisen

Nicole Weiss ist mit Leidenschaft unterwegs. Sie liebt es, in Bus und Bahn zu steigen und wegzufahren. Ihr Wohnort mitten in Friedrichshafen macht ihr das leicht. Doch seit ein paar Wochen kann sie als Vorerkrankte nicht allein die Wohnung verlassen. Auch der eigenständige Gang zum Bankautomaten, ein großes Stück Freiheit, fehlt ihr, auch wenn sie weiß, dass es ihrem eigenen Schutz dient. Sie sagt: „Ich verstehe das schon, aber manche Sachen fallen mir schwer.“ Umso wichtiger sind ihr in dieser Zeit die empathischen Gespräche mit den Betreuerinnen und Betreuern. Auf alle Fälle freut sie sich schon jetzt auf ihre Arbeit in der Werkstatt und auf die Kolleginnen und Kollegen. Und wenn man wieder reisen darf, will sie als erstes nach Hamburg fahren.

 

Betreuung neu organisiert

In der Marienstraße in Friedrichshafen leben Menschen mit Unterstützungsbedarf in Wohngemeinschaften und Einzel-Appartements, die unterschiedlich selbstständig sind. In der Vor-Corona-Zeit gingen die meisten ihrer Arbeit in den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen (WfbM) nach. Die Mitarbeiter-Teams in den Wohnungen waren schwerpunktmäßig morgens und abends präsent. Doch nun sind sie auch tagsüber gefragt. Zu ihnen gehört Teamleiter Robert Jörg. „Wir mussten eine neue Struktur aufbauen. Doch wir haben uns immer mehr optimiert“, erzählt er. 11 der 18 Menschen mit Behinderungen leben derzeit im Haus, die anderen sind vorübergehend zu ihren Familien gezogen. Wichtig war und ist, die Bewohner zu informieren und aufzuklären, ihnen Ängste zu nehmen.

 

Ausgleich auf der Nachbarwiese

Selbstbestimmte Teilhabe am öffentlichen Leben ist zurzeit sehr eingeschränkt. Was bleibt, sind Freiräume im häuslichen Bereich. Mitarbeiter strukturieren mit den Bewohnern zusammen den Tag, planen, kochen und organisieren den Haushalt sowie die Freizeitgestaltung. Da zum Wohnhaus kein Garten gehört, freut sich Jörg besonders über die unkomplizierte Erlaubnis von Pfarrer Bernd Herbinger, die gegenüberliegende Wiese der Canisius-Kirche für regelmäßige Bewegung nutzen zu dürfen. Ein Glücksfall. Hier spielen, unter Einhaltung der Abstandspflicht, dann maximal drei Personen Federball oder kicken auf Tore. Zum Spaziergang in 1:1-Betreuung im Riedleparkwald eine willkommene Abwechslung.

 

Lebenspartnerschaft auf Distanz

„Wir versuchen auf verschiedenen Ebenen kreativ zu sein“, sagt Jörg. Paare, die nicht zusammenwohnen, können sich derzeit nur eingeschränkt sehen. Da ist Einfallsreichtum gefragt. Ein älteres Paar etwa macht es wie „Romeo und Julia“: Der Mann sitzt beim Besuch auf seinem Gehwagen unten und seine Lebensgefährtin oben auf dem Balkon. Einem anderen Paar mussten die Mitarbeitenden Besuche verweigern, weil beide uneinsichtig waren und sich nicht an die Vorgaben hielten.

 

 

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