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Mit Aggressionen umgehen können

MECKENBEUREN-LIEBENAU – Wenn Kinder sich aggressiv verhalten, kann dies Eltern an ihre Grenzen bringen. Diese Herausforderungen verdichten sich in Einrichtungen, die sich um verhaltensauffällige Kinder mit Mehrfachbehinderungen kümmern. Groß war daher das Interesse an einem Fachtag der Stiftung Liebenau und ihrer St. Lukas-Klinik zum Thema „Grenzen achten – Kooperation fördern“ in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Rund 80 Fachkräfte aus dem pädagogischen, psychologischen, therapeutischen und medizinischen Bereich nahmen daran teil.

Aus verschiedenen Perspektiven beleuchteten Fachkräfte der Stiftung Liebenau das Thema „Grenzen achten – Kooperation fördern“: Sprachtherapeutin Laura Locher, Sonderschullehrerin Barbara Müller-Hirschle, Chefärztin Katharina Kraft, Leitender Psychologe Stefan Meir und Psychologin Barbara Iacone (von links).

Typisches Beispiel aus der Praxis

Die dramatische Geschichte des zwölfjährigen Lukas (Name geändert) zog sich wie ein Roter Faden durch den Fachtag. Seit früher Kindheit ist er verhaltensauffällig, oft aggressiv. Sein Elternhaus ist nicht stabil. Er wird schon länger in einem Heim betreut. Er ist durch neurologische und psychische Probleme hochgradig belastet, seine Betreuerinnen und Betreuer sind stark gefordert. Wie können sie mit seinen Aggressionen umgehen und ihn in seiner Entwicklung fördern?

 

Hilfreiches Konzept „Grenzen achten“

Eine mögliche Antwort ist das Konzept „Grenzen achten“, das die Kinder- und Jugendpsychiatrie der St. Lukas-Klinik auf der Basis des Praxishandbuchs „Bündner Standard“ entwickelt hat. Es definiert Standards zum wertschätzenden Umgang, zu verbindlichen Absprachen und zu angemessenen Konsequenzen bei Grenzverletzungen. Nach einjähriger Pilotphase berichtete die Psychologin Barbara Iacone von guten Erfahrungen: „Wir gehen sensibler mit herausfordernden Situationen um und schauen uns die Fälle sehr genau an.“ Zudem entlaste das Konzept die Mitarbeitenden durch klare Leitlinien und eine transparente Dokumentation.

 

Emotionale Entwicklung spielt große Rolle

Einen weiteren Aspekt stellte der Leitende Psychologe Stefan Meir vor: „Für ein gutes Verständnis, eine passende Begleitung und eine gute Intervention ist es wichtig zu fragen, wo jemand in seiner emotionalen Entwicklung steht.“ Denn sie stimme bei Menschen mit verzögerter Entwicklung oder mit Behinderung oft nicht mit dem Lebensalter überein. Wichtig sei zudem eine genaue Analyse: Wann tritt aggressives Verhalten auf? Wodurch wird es begünstigt? Was will das Kind damit mitteilen?

 

Komplexe Probleme erfordern kompetente Diagnostik

Um ein Kind mit seinen Fähigkeiten und Beeinträchtigungen gut zu verstehen, sind in der Kinder- und Jugendpsychiatrie neben der medizinischen Diagnostik fachliche Beobachtungen in verschiedenen Lebensbereichen erforderlich. In der Klinikschule der Don-Bosco-Schule Klinikschule der Don-Bosco-Schule z.B. werden Kinder in Kleingruppen, bei Bedarf auch im Einzelunterricht betreut, wie Sonderschullehrerin Barbara Müller-Hirschle berichtete. So können Berichte von Ursprungsschule, Eltern und Betreuern im speziellen Milieu der Klinik überprüft und ergänzt und Therapien erprobt werden. Bei Luka war ein weiterer Ansatzpunkt sein Verständigungsproblem, das häufig zu Konflikten führten. Er wurde von der Sprachtherapeutin Laura Locher intensiv begleitet und lernte, wie er sich verständlicher ausdrücken kann.

 

Suche nach guten Wegen

Beim Fachtag wurde deutlich, dass es keine Patentlösungen gibt. Aber: „Wir können die Puzzleteile zusammenfügen und versuchen, gute Wege zu finden“, erklärte Katharina Kraft, Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der St. Lukas-Klinik. Mit Hilfe von Sprachtherapie, der Klinikschule der Don-Bosco-Schule und vielen weiteren Maßnahmen im Verbund mit Eltern, Therapeuten und anderen Einrichtungen habe Lukas eine positive Entwicklung genommen, berichtete Katharina Kraft. Er habe es in eine offene Wohngruppe geschafft, müsse aber sicherlich noch lange begleitet werden.

 

 

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