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Mitten im Leben – Erika Neff erinnert sich an 50 Jahre Liebenau

MECKENBEUREN-LIEBENAU – Diese Frau ist eigentlich immer gut drauf. Jeden Morgen sieht man sie fröhlich ihre Runde drehen und in ihrem Tettnanger Stammcafé einen Kaffee trinken. Sie kommt gern mit den Leuten ins Gespräch, ist stets hilfsbereit und auf vielen Gebieten ehrenamtlich aktiv. Dass sich Erika Neff im Ambulant Betreuten Wohnen wohl fühlt und dass sie rundum zufrieden ist, das sieht man ihr an.

Draußen im Obstgarten fühlte Erika Neff sich wohl

Noch immer mitten im Leben: Erika Neff

Keine einfache Kindheit

Die heute 73-Jährige hat es in ihrem Leben allerdings alles andere als leicht gehabt. Als Säugling wurde sie von ihrer überforderten Mutter – die schon mehrere andere Kinder hatte – zusammen mit ihrer Zwillingsschwester in einem Körbchen vor einer Kirche abgelegt. Ihren Vater hat sie nie gekannt. Der Weg führte ins Waisenhaus, wo Erika Neff vieles erdulden musste. „Ich wurde von anderen Kindern misshandelt”, sagt sie auch heute noch mit großer Betroffenheit. Auch mit dem Lernen wollte es nicht so recht klappen, so dass sie nicht mehr als fünf Schuljahre hinter sich brachte.

 

Die süßesten Früchte

„Als ich dann nach Liebenau kam, wurde alles besser”, erzählt sie und berichtet davon, wie gerne sie in den Bereichen der Haus- und Landwirtschaft tätig war. „Zu bügeln und zu mangeln oder auf dem Feld die Kartoffeln zu lesen, war mir lieber, als Hausaufgaben zu machen”, sagt sie mit einem Lächeln auf den Lippen. Und sie plaudert gerne ein wenig aus dem Nähkästchen. „Ich weiß noch gut, wie ich mich beim Kirschenpflücken ganz weit nach oben gestreckt habe, um die schönsten und süßesten Früchte zu erreichen”, kramt sie in liebevollen Erinnerungen. „Dann ist mir die Leiter umgefallen. Ich habe einen Purzelbaum geschlagen und bin auf dem Hosenboden gelandet. Der Korb war kaputt – aber mir ist Gott sei Dank nichts passiert.”

 

Intermezzo im Schwarzwald

Ende der 1960er Jahre wurde Erika Neff von ihrer Schwester zu sich nach Hause geholt – was aber mit vermehrten häuslichen und beruflichen Problemen verbunden war. Im Schwarzwald war sie eine Zeit lang in der Montage einer Uhrenfabrik, später auch in einem privaten Haushalt beschäftigt. Glücklich wurde sie damit nicht. 1970 wurde sie zur 100-Jahr-Feier der Stiftung Liebenau eingeladen. „Das war für mich wie eine Fügung”, sagt sie. Sie traf dort auf den damaligen Stiftungsdirektor Monsignore Dr. h. c. Norbert Huber, der ihr eine Stelle in der Hauswirtschaft anbot – was die junge Frau gerne annahm. Am 4. November 1970 begann für sie der neue Lebensabschnitt. Ein Datum, das Erika Neff nicht vergessen hat. „Für die Stiftung arbeiten zu dürfen, war für mich ein großes Glück. Dafür bin ich bis heute froh und dankbar”, sagt sie und blickt auf stolze 35 Berufsjahre zurück.

 

Langeweile kennt sie nicht

„Ich pack einfach gerne mit an.” Mit dieser positiven Einstellung ging Erika Neff immer ans Werk. Nicht nur im Beruf, auch in ihrer Freizeit. Als Erwachsene hat sie großen Eifer für den Taekwondo-Sport entwickelt und es als Schwarzgurtträgerin dort bis zum beachtlichen 4. Dan gebracht. „Das gute Miteinander im Sport hat mir auch geholfen, ruhiger zu werden”, ist sie sich sicher. Keine Frage, Erika Neff steht mitten im Leben.

 

Den Arbeitsalltag hat sie seit 2006 hinter sich gebracht. Langweilig wird es ihr trotzdem nicht – und das liegt nicht nur am bereits erwähnten morgendlichen Spaziergang. Zu tun hat sie immer etwas, engagiert sich unter anderem freiwillig bei verschiedenen Projekten der katholischen St. Gallus Gemeinde, auch im Arbeitskreis „Beteiligung” des Landratsamts. Und im Sommer gehört sie bei der „Kinderspielstadt Hopfenau” zum festen Bestandteil des Küchenteams. Zentral in einem eigenen kleinen Appartement zu wohnen, auch das gefällt ihr gut. „Im Ambulant Betreuten Wohnen fühle ich mich wirklich prima aufgehoben”, sagt sie, ohne lange überlegen zu müssen. Und freut sich auf all das, was noch kommen mag.

 

 

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Pressekontakt:
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