Seitlich streichen für weitere Aufgabenfelder <>

Neue Tagesklinik beeindruckt mit professionellem Konzept

MECKENBEUREN-LIEBENAU – Es kommt selten vor, dass eine Einrichtung der Kinder- und Jugendpsychiatrie zu einem „Tag der offenen Tür“ einlädt. Doch die Stiftung Liebenau hat jetzt eine neue Tagesklinik eröffnet und die Freude darüber gerne mit Fachpublikum und Bevölkerung geteilt. Es handelt sich um eine Tagesklinik speziell für Kinder und Jugendliche mit geistigen Behinderungen und zusätzlichen psychischen Erkrankungen. Sie ist weithin einzigartig: Die nächste Tagesklinik dieser Art befindet sich – ebenfalls unter Beteiligung der Stiftung Liebenau – in Stuttgart. Sie stand nun Pate für das neue Therapieangebot in Oberschwaben.

Viele Besucher waren beim „Tag der offenen Tür“ von den Inhalten und Raumangebot begeistert.

Eine angenehme Atmosphäre strahlen die neuen Räume aus, die Prälat Michael H. F. Brock (Mitte) einweihte.

Heide Schröder-Kranz, Leitende Oberärztin der Tagesklinik Bernsteinstraße in Stuttgart, berichtete über Erfahrungen im tagesklinischen Alltag.

Segensreich für die Menschen

Im Zentrum der Tagesklinik befindet sich ein großer, behaglicher und vielseitig nutzbarer Raum. Er ist von allen Seiten von Licht durchströmt und ringsum von kleineren Therapie- und Gemeinschaftsräumen umgeben. Zudem laden abwechslungsreich gestaltete Nischen zum Entdecken oder Entspannen ein. Beim „Tag der offenen Tür“ konnten die Besucher einen umfassenden Eindruck davon gewinnen. Prälat Brock segnete die Räume mit den Worten: „Gesegnet seien die Menschen in diesen Räumen. Gesegnet seien auch die Räume, die für die Menschen zum Segen werden können.“

 

Wertvolles Bindeglied

Entstanden ist die neue Tagesklinik im dritten Obergeschoss der St. Lukas-Klinik in Meckenbeuren-Liebenau. Dieses hochspezialisierte Krankenhaus der Stiftung Liebenau umfasst internistische, psychiatrische und kinder- und jugendpsychiatrische Abteilungen für Menschen mit geistigen Behinderungen und Entwicklungsstörungen. Die neue Tagesklinik stellt nun ein wertvolles Bindeglied zwischen der ambulanten und vollstationären Behandlung von Kindern und Jugendlichen dar. Sie kommen morgens in die Tagesklinik, werden von einem multiprofessionellen Team betreut und kehren am Nachmittag in ihre vertraute Umgebung zurück. Es gibt insgesamt acht Plätze. Fünf junge Patienten sind zum Start bereits aufgenommen worden. Zwei von ihnen – Mio (11) am Klavier und Manuel (13) am Cajon – umrahmten die Einweihungsfeier unter Anleitung von Musiktherapeutin Michaela Fischer und erhielten dafür herzlichen Applaus.

 

Atmosphäre zum Wohlfühlen

„Wir freuen uns sehr, dass wir dieses neue Angebot haben“, sagte Irmgard Möhrle-Schmäh, Geschäftsführerin der Liebenau-Kliniken. Sie dankte allen Beteiligten und Wegbereitern, insbesondere auch ihrem Mit-Geschäftsführer Sebastian Schlaich, der das Bemühen um diese neue Einrichtung nie aufgegeben hatte. Die Tagesklinik sei „lang ersehnt“ gewesen, berichtete Dr. Markus Nachbaur vom Vorstand der Stiftung Liebenau bei einem Fachtag, der mit mehr als 80 Teilnehmern parallel zum „Tag der offenen Tür“ stattfand. Demnach ist die Idee zu der Tagesklinik in Liebenau 2013 entstanden. Die Planung startete 2016, der Umbau und Ausbau in einem bestehenden Gebäude begann Anfang 2018. Die Baukosten beliefen sich auf 1,2 Millionen Euro. Dr. Nachbaur zeigte sich hocherfreut über das Ergebnis: „Wir haben gute Rahmenbedingungen geschaffen für eine Atmosphäre, in der sich Kinder und Jugendliche wohlfühlen im Sinne unseres Leitwortes: In unserer Mitte – der Mensch.“

 

Seelische Störungen sind weit verbreitet

Bei dem Fachtag beleuchteten mehrere Referenten verschiedene Aspekte des Themas „Entwicklung mit Hindernissen – Entwicklungsperspektiven für Kinder mit Mehrfachbehinderung“. Katharina Kraft, Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der St. Lukas-Klinik, berichtete, dass etwa 21 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland psychisch auffällig sind, beispielsweise durch Angststörungen, gravierende Störungen des Sozialverhaltens oder depressive Störungen. Jedoch seien  psychiatrische Behandlungsangebote gerade für Kinder mit Mehrfachbehinderungen nicht flächendeckend vorhanden. Dabei sei deren Risiko, psychisch zu erkranken, sogar drei bis vier Mal höher als bei anderen Kindern. Um ihnen zu helfen, sei die Kooperation mit vielen Fachleuten – von Kinderärzten, Kinder-und Jugendpsychiatern, Psychotherapeuten, Sozial- und Heilpädagogen bis hin zu Physio-und Ergotherapeuten und mit den verschiedenen Ämtern der Jugend-und Eingliederungshilfe – wichtig.

 

Zusammenarbeit mit dem Umfeld ist wichtig

All diese Berufsgruppen waren auf dem Fachtag vertreten, bei dem die leitende Oberärztin der Tagesklinik Bernsteinstraße in Stuttgart, Heide Schröder-Kranz, den Hauptvortrag hielt. Diese Tagesklinik habe in den zehn Jahren ihres Bestehens bisher 753 Kinder und Jugendlichen behandelt und sehr vielfältige Erfahrungen gemacht, berichtete sie. Einen großen Vorteil der Tagesklinik im Gegensatz zu einer ambulanten Betreuung beschrieb sie so: „Wir erleben die Kinder in alltäglichen Situationen“. Auch viele Eltern fühlen sich endlich verstanden. Zugleich warnte Heide Schröder-Kranz vor allzu hohen Erwartungen. Die Voraussetzungen für eine tagesklinische Behandlung sei nicht nur ein Wohnort in der Umgebung von bis zu einer Stunde Fahrtzeit. Entscheidend seien vor allem „ein präsentes, erreichbares, kooperationsfähiges und kooperationswilliges Umfeld“.

 

 

Wenn Sie sich für unsere Newsletter interessieren, melden Sie sich bitte hier an:

Newsletter Inklusion
Newsletter Spenden



Pressekontakt:

Stiftung Liebenau
Abteilung Kommunikation und Marketing
Vera Ruppert, Pressearbeit
Siggenweilerstr. 11 
88074 Meckenbeuren 
Telefon +49 7542 10-1181
vera.ruppert@stiftung-liebenau.de