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Soziale Arbeit: Vielfältig und dezentral – Stiftung Liebenau legt Jahresbericht vor

MECKENBEUREN-LIEBENAU – Neue Standorte, innovative Projekte, politische Initiativen und nachhaltiges Wirtschaften: Mit ihrem Jahresbericht 2017 zieht die Stiftung Liebenau Bilanz eines erfolgreichen Geschäftsjahres. „Das gelungene Jahr verdanken wir in erster Linie den Menschen, die die Arbeit der Stiftung Liebenau tragen“, heißt es im Vorstandsbericht.

Teilhabe am Arbeitsleben bieten die Liebenauer Arbeitswelten, hier im Arbeitsintegrationsprojekt (AIP) Wangen-Schauwies.

Mehr als 7000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

7131* Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, unterstützt von 2411* freiwillig Engagierten, erbrachten im Jahr 2017 soziale Leistungen in 99 Städten und Gemeinden in sechs europäischen Ländern. Auf den steigenden Bedarf an individuellen, situationsgerechten Hilfen antwortet die Stiftung Liebenau mit einer kontinuierlichen fachlichen Weiterentwicklung und mit der Differenzierung und Dezentralisierung ihrer Angebote. Dabei ist sie eng verbunden mit ihren Schwesterstiftungen, der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist (Kisslegg) mit 316 Mitarbeitenden und 297 Ehrenamtlichen, und der Stiftung Helios Leben im Alter (Goldach, Schweiz) mit 192 Mitarbeitenden und 20 Ehrenamtlichen.

 

*  Diese Zahlen beziehen sich auf die Stiftung Liebenau und alle ihr zugeordneten Rechtsträger (Tochtergesellschaften, Beteiligungen, sonstige Rechtsträger gemäß der jeweiligen Beteiligungsquote.

 

Von Ferienspaß bis Schwerstpflege

Autonomie fördern, Teilhabe ermöglichen, präventive Strukturen schaffen: So umreißt die Stiftung Liebenau die Ziele ihrer Tätigkeit. Sie setzt diese Ansprüche um, indem sie möglichst vielfältige Unterstützungsangebote schafft. „Teilhabe kann nur individuell definiert werden“, so Vorstand Prälat Michael H. F. Brock. Manche Menschen brauchen nur kleine Handreichungen, die Begleitung zum Einkaufen oder die Unterstützung beim Ausfüllen von Formularen. Manche benötigen Starthilfe durch Bildung, um den Sprung in ein selbstständiges Leben zu schaffen. Und manchmal ist dauerhaft und umfassend Begleitung und Pflege nötig, damit jemand seinen ganz persönlichen Möglichkeiten entsprechend leben kann. Eine herausfordernde Aufgabe für die Fachkräfte, die Achtsamkeit und hohe Flexibilität erfordert. Von der inklusiven Ferienbetreuung bis zur Schwerstpflege reicht das Leistungsspektrum, von Kindertagesstätten bis zum Fachkrankenhaus. In insgesamt 324 sozialen Einrichtungen und Diensten bündelt die Stiftung die verschiedenen Leistungen, die europaweit mittlerweile von etwa 25 000* Menschen in Anspruch genommen werden.

 

Lücke zwischen politischen Vorgaben und Umsetzungsstrukturen

Nicht alles, was fachlich gewünscht wird, lässt sich allerdings auch umsetzen. Soziale Träger wie die Stiftung Liebenau bewegen sich immer in den Grenzen der politischen und rechtlichen Vorgaben. Momentan sind es vor allem zwei Gesetzesvorhaben, die die konkrete Arbeit prägen. Die Pflegestärkungsgesetze II und III wirken sich auf die Arbeit im Pflegebereich aus, das Bundesteilhabegesetz (BTHG) verändert die Strukturen der Hilfe für Menschen mit Behinderung von Grund auf. Begrüßenswert ist der Anspruch des BTHG, Menschen mehr Teilhabe und Gleichberechtigung zu ermöglichen. „Noch klaffen allerdings große Lücken zwischen den politischen Zielen und den notwendigen Umsetzungsstrukturen“, zieht Vorstand Dr. Berthold Broll eine kritische Zwischenbilanz. Das werde regelmäßig auch in Gesprächen mit politischen Vertretern thematisiert. Damit die Umsetzung in Baden-Württemberg gut gelingt, arbeitet die Stiftung Liebenau mit in verschiedenen Expertengremien. Zusammen mit dem Bodenseekreis ist sie Träger eines Modellprojekts zur Erprobung des neuen Leistungssystems.

 

Mehr Auszubildende

Durch alle Aufgabenfelder zieht sich die drängende Frage der Personalgewinnung. Im Pflegebereich setzt die Stiftung auf verstärkte Ausbildung – 14 Prozent mehr Auszubildende gegenüber dem Vorjahr sind ein sichtbares Ergebnis – und auf die Gewinnung und Qualifizierung ausländischer Pflegekräfte. Einig sind sich die Verantwortlichen allerdings darin, dass solche Maßnahmen allein nicht ausreichen. Nötig ist ein gemeinsamer Masterplan von Politik und Trägern, unterstützt von den Medien, um Rahmenbedingungen und Image der Pflege zu verbessern.

 

Viele Neubauvorhaben – hohe Investitionen

Geprägt war das Jahr 2017 auch durch ausgedehnte Bautätigkeit. In Tettnang und Bartholomäberg (Vorarlberg) begann der Bau neuer Pflegeheime, in Friedrichshafen, Meckenbeuren-Hegenberg, Singen und Vogt wurden die ersten Spatenstiche für Wohnhäuser für Menschen mit Behinderungen gesetzt. Die Häuser in Hegenberg und Vogt sind speziell auf eine verstärkte sozialtherapeutische Betreuung ausgerichtet.

 

Entsprechend hoch ist die Summe der Investitionen, die die Stiftung für 2017 ausweist: Knapp 59 Millionen Euro** flossen in Sanierungs- und Neubauvorhaben. Bedenklich stimmt der Wegfall öffentlicher Förderprogramme ebenso wie die Niedrigzinspolitik, die Zinserträge stagnieren oder weiter sinken lässt. „Der Spielraum für innovative Vorhaben wird immer schmaler“, sagt Vorstand Dr. Markus Nachbaur, der besonderen Wert auf eine nachhaltige Vermögensverwaltung legt. Neben breit gestreuten Anlagen verfügt die Stiftung traditionell auch über Flächen für Land- und Forstwirtschaft. „Wir halten auch weiterhin gezielte Investitionen in Grundbesitz für sinnvoll.“

 

70 Prozent Personalausgaben

Mit einem sechsprozentigen Anstieg der Erlöse auf knapp 345 Millionen Euro** sind die Verantwortlichen der Stiftung Liebenau zufrieden. Das moderate Wachstum ist zurückzuführen auf eine gute Auslastung der Einrichtungen und adäquate, an die Personalkosten angeglichene Pflegesätze. Mit 239,6 Millionen Euro** entfallen knapp 70 Prozent der Ausgaben auf Personalaufwand. Vielfältige gesetzliche Veränderungen führen zu höheren Ausgaben: Zum einen kommen in den nächsten Jahren, ausgelöst durch die Landesheimbauverordnung, vor allem in Baden-Württemberg hohe Sanierungs- und Umbaukosten auf Heimträger zu. Zum anderen wächst der Verwaltungsaufwand aufgrund gesetzlicher Vorgaben, und auch die notwendige Digitalisierung bindet Ressourcen.

 

Umso wichtiger sind die Fördermittel und Spenden, die die Stiftung Liebenau für ihre sozialen Vorhaben erhält. Für verschiedene Bauvorhaben gab es 5,5 Mio. Euro**, davon rund 4,2 Mio. Euro** von öffentlichen Trägern. Hinzu kamen weitere 2,9 Mio. Euro** als Zuschüsse an verschiedene Projekte der Stiftung und der verbundenen Unternehmen. Aus Spenden, Erbschaften, Schenkungen sowie Geldauflagen flossen rund 750.000 Euro** in die soziale Arbeit der Stiftung.

 

**Zahlen gemäß konsolidiertem Jahresabschluss

 

Zum Jahresbericht 2017 der Stiftung Liebenau >

 

Kennzahlen der Stiftung Liebenau 2017 (pdf)

 

 

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Stiftung Liebenau
Abteilung Kommunikation und Marketing
Vera Ruppert, Pressearbeit
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