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Tagesklinik Bernsteinstraße erbringt seit zehn Jahren Pionierleistungen

STUTTGART – Entstanden ist sie in Pionierarbeit. Gefeiert hat sie jetzt mit fröhlichem Konfettiregen und bemerkenswerten Ansprachen: Die Tagesklinik Bernsteinstraße in Stuttgart-Heumaden besteht seit zehn Jahren. Sie ist seit ihrer Gründung eine bundesweit einzigartige Einrichtung der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Behandelt werden hier Kinder und Jugendliche mit Intelligenzminderung, insbesondere mit geistigen Behinderungen und zusätzlichen psychischen Erkrankungen. Junge Patienten aus Stuttgart und den angrenzenden Landkreisen können hier eine wohnortnahe Therapie erhalten, sofern nicht zwingend ein vollstationärer Aufenthalt erforderlich ist. Gemeinsam getragen wird die Tagesklinik von der Stiftung Liebenau und der diakonischen Einrichtung Mariaberg.

Die Tagesklinik Bernsteinstraße ist eingebettet in das Wohnumfeld des Stadtteils Stuttgart-Heumaden.

In der Tagesklinik Bernsteinstraße wurden in den vergangenen zehn Jahren 753 Kinder und Jugendliche behandelt. Dies verdeutlichen die Päckchen eines Kunstwerks anlässlich der Jubiläumsfeier (von links): Rüdiger Böhm (Mariaberg), Irmgard Möhrle-Schmäh (Stiftung Liebenau), Prof. Klaus Hennicke (Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie), Dekan i. R. Klaus Homann (Mariaberg), Dr. Martin Menzel (Chefarzt und Leitung Tagesklinik), Sebastian Schlaich (Chefarzt und Leitung Tagesklinik), Michael Flaig (Leitung Schule für Kranke), Heide Schröder-Kranz (Leitende Oberärztin Tagesklinik) und Dr. Edgar Kessler (ehemals Chefarzt und Leitung Tagesklinik).

Die Leitende Oberärztin Heide Schröder-Kranz hielt die Jubiläumsansprache.

Die Tagesklinik Bernsteinstraße in Stuttgart-Heumaden besteht seit zehn Jahren.

753 junge Patienten in zehn Jahren

Welche Bedeutung die Tagesklinik Bernsteinsteinstraße für die Kinder und Jugendlichen hat, brachten sie selbst bei der Jubiläumsfeier mit ihren Glückwünschen zum Ausdruck: „Ich hoffe, dass die Klinik für immer da ist“, sagte ein Kind. Und ein anderes fügte hinzu: „Ich wünsche der Tagesklinik, dass sich alle Kinder und Jugendlichen hier wohlfühlen.“ Ermessen lässt sich der Stellenwert der Tagesklinik für die jungen Patienten und ihre Familien auch in Zahlen: 753 Kinder und Jugendliche sind hier in den vergangenen zehn Jahren behandelt worden. Dass sie alle ihr Päckchen mitgebracht hatten, verdeutlichte bei der Jubiläumsfeier ein Kunstwerk aus 753 Stoffsäckchen. Gefüllt waren sie mit altem Aktenmaterial als Symbol für die Lebensgeschichte der Kinder, die wegen psychischer Störungen wie Unruhe, Aggression oder auch Rückzugsverhalten in die Tagesklinik gekommen sind.

 

Altersgemischte Gruppen auf zwei Stationen

„Ziel der Behandlung ist es, dass wir überflüssig werden“, berichtete die Leitende Oberärztin Heide Schröder-Kranz in ihrer Jubiläumsansprache. Auf zwei Stationen können in der Tagesklinik insgesamt 20 Kinder und Jugendliche in altersgemischten Gruppen aufgenommen werden. Der diagnostische und therapeutische Prozess sind von Anfang an miteinander verknüpft, das familiäre und schulische Umfeld der Kinder sind darin einbezogen. In der Klinik erhalten sie in fürsorgender Atmosphäre Entwicklungsanstöße, die im geschützten Rahmen schrittweise erweitert und gefestigt werden. Angeschlossen ist eine Schule, die die Kinder „verstehen, fördern und begleiten“ will, wie Schulleiter Michael Flaig die drei Säulen der schulischen Arbeit beschrieb.

 

Tagesklinik hat sich außerordentlich bewährt

Diese Strukturen aufzubauen, bedeutete Pionierarbeit. Denn nirgendwo existierte damals eine Tagesklinik für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen. Weil nicht immer ein vollstationärer Aufenthalt erforderlich ist, schufen die Fachkliniken der Stiftung Liebenau (mit Sitz in Meckenbeuren bei Ravensburg) und der diakonischen Einrichtung Mariaberg (auf der Schwäbischen Alb) gemeinsam etwas Neues: die Tagesklink Bernsteinstraße. „Sie hat sich außerordentlich bewährt“, zog nun Chefarzt Dr. Martin Menzel Bilanz. Dies bedeute aber auch, dass die Entwicklung weitergehen werde.

 

Teilhabe braucht seelische Gesundheit

Die Bedeutung solcher Einrichtungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie würdigte Prof. Klaus Hennicke, ein ausgewiesener Experte der Kinder- und Jugendpsychiatrie für junge Menschen mit Behinderungen, in seinem Festvortrag. Er machte deutlich, dass „Kinder und Jugendliche mit Intelligenzminderung in gleicher Weise an sich, ihrem Leben und an der Welt wie jedes Kind auf dieser Welt leiden können“. Verhaltensauffälligkeiten und psychische Störungen könnten also nicht einfach auf die Behinderung zurückgeführt werden: „Beeinträchtigte Kinder trauern, ängstigen sich oder werden wütend, genauso wie nicht beeinträchtigte Kinder. Sie drücken ihr inneres Erleben aber häufig ganz anders aus“, so Prof. Hennicke. Es sei ein Irrglaube anzunehmen, Leben unter inklusiven Bedingungen mache automatisch zufrieden. „Die Beeinträchtigungen bleiben und beschränken die Möglichkeiten der Aktivität und Teilhabe“, sagte Prof. Hennicke und betonte: „Inklusion ist eine individuelle Möglichkeit - kein zu erzwingendes Ziel“. Die Teilhabe sei unmittelbar an eine hinreichende seelische Gesundheit gebunden. Die Tagesklinik unterstütze die Betroffenen und ihre wichtigsten Bezugspersonen dabei, „eigene Mittel und Wege zu finden, im wirklichen Leben zurechtzukommen.“

 

Weitere Tageskliniken sind geplant

Sebastian Schlaich von den Liebenau Kliniken wies zudem darauf hin, dass unter Kindern mit Behinderung ein höherer Anteil psychisch krank oder auffällig werde als bei Kindern ohne Behinderung. Viele dieser Kinder mit einer Einschränkung zeigen Überforderungs- oder Überreizungssymptome. „Deshalb kann Inklusion auch eine Gefährdung darstellen, wenn die Teilhabe nicht gut unterstützt wird“, sagte der Facharzt. Er bezeichnete die Tagesklinik daher auch als ein Zukunftsmodell. Konkret planen die Liebenau Kliniken in Meckenbeuren und Mariaberg in Freiburg derzeit weitere Tageskliniken dieser Art.

 

 

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