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Ulmer Kunstprojekt: „Spuren hinterlassen …“

ULM – Wie stehe ich im Leben? Welche Spuren hinterlasse ich? Wie finde ich meine eigene Spur? Mit diesen Fragen beschäftigen sich auf kreative Art und Weise derzeit junge Menschen mit besonderem Teilhabebedarf in der Max-Gutknecht-Schule (Stiftung Liebenau). In Zusammenarbeit mit der Kunsttherapeutin Ursula Riemhofer entstehen in der „Schillerstraße 15“ Kunstwerke rund um die eigenen Fußabdrücke aus Gips. Anlass des Projektes ist das 20-jährige Bestehen ihres Bildungsstandortes in Ulm, das die Stiftung Liebenau im kommenden Jahr feiert.

Farbenfrohe Spuren hinterlässt Ana Filipa mit ihrem Beitrag zum Kunstprojekt in der Max-Gutknecht-Schule Ulm.

Vertieft in den kreativen Prozess: Schülerin Ana Filipa und die Ulmer Kunsttherapeutin, Spiel- und Ausdruckspädagogin Ursula Riemhofer (links).

16 Paar Füße in Gips

Schon 13 Schülerinnen und Schüler, aber auch drei Lehrkräfte, haben sich bisher getraut, einzeln und nacheinander von Ursula Riemhofer Gipsabdrücke ihrer Füße anfertigen zu lassen. Weitere werden im Rahmen dieser Kunstaktion, die noch bis zu den Weihnachtsferien an der sonderberuflichen Max-Gutknecht-Schule (MGS) läuft, folgen. Sind die Abdrücke trocken, geht es darum, die bis auf die gegipsten Fußsohlen noch leeren Holzrahmen kreativ zu füllen.

 

Der Kreativität freien Lauf lassen

Es gilt die künstlerische Freiheit. Vorgaben gibt es keine, nur unzählige Materialien und Farben zur Auswahl: „Die Schüler dürfen reinmachen, was und wie sie wollen“, so Riemhofer. Und entsprechend vielfältig sieht das Ganze aus. Kein Werk gleicht dem anderen. Der eine gestaltet eine Sandlandschaft rund um die weißen Gipsabdrücke, die andere mag es farbenfroh. So wie die angehende Bäckerfachwerkerin Ana Filipa: „Jemand hat mein Leben bunter gemacht“, erklärt die 16-jährige Berufsschülerin ihre Gedanken hinter ihrem Kunstwerk und meint zu Ursula Riemhofer: „Man kann hier endlich mal seiner Kreativität freien Lauf lassen.“

 

Intensive Atmosphäre

Wenn der Rahmen von den Teilnehmern – meist sehr bunt und aufwändig – gestaltet ist, bittet die Kunsttherapeutin: „Schreib auf, wie es dir ergangen ist.“ Manche bringen das Erlebte in zwei Worten auf den Punkt, andere füllen ganze Seiten mit ihren Gedanken. Das Rot drückt „meine ganz große Geschichte“ aus, fällt einem Schüler spontan als Titel für sein Werk ein, das zusammen mit den anderen zunächst in der schuleigenen „Galerie Max“ ausgestellt werden soll. Eine anschließende Ausstellung im Ulmer Stadthaus ist geplant. MGS-Lehrerin Barbara Kinzler fasziniert besonders die Offenheit, mit der ihre Schüler sich auf das ungewöhnliche Projekt eingelassen haben, und wie „innerhalb von ein paar Minuten eine ganz intensive Atmosphäre entstanden ist“.

 

Viele Spuren

Als Kunsttherapeutin sowie Spiel- und Ausdruckspädagogin hat die Ulmerin Ursula Riemhofer im Rahmen ihres „Spuren“-Projektes insgesamt bereits mehr als 120 Menschen begleitet – insbesondere aus sozialen Einrichtungen und Schulen. „Auch wir waren gleich begeistert von ihren Ideen“, erzählt MGS-Schulleiter Roland Groner. Und so entwickelte sich aus dem Projekt auch das Motto für das ganze Jubiläumsjahr 2018: „Spuren hinterlassen…“ Denn was die Teilnehmer des Kunstprojektes gerade buchstäblich tun, haben die vielen jungen Menschen, aber auch die Mitarbeiter der Ulmer Bildungseinrichtung, in den vergangenen fast zwei Jahrzehnten im übertragenen Sinne schon gemacht: Spuren hinterlassen – und zwar „in den einzelnen Schülerlebensläufen, in ihrer beruflichen Entwicklung und im gesellschaftlichen und sozialen Leben der Stadt und des Landes“, wie Schulleiter Groner betont.

 

 

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