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Unikate aus Stoff kommen gut an

Die Frühstückspause ist um. Die Beschäftigten kehren an Nähmaschine oder Schneidetisch zurück. Leise beginnt es zu surren. Die Nadel an der Maschine von Sonja Buemann hüpft munter auf und ab. Nahezu eigenständig fertigt die 50-jährige Frau die entsprechenden Nähte. Braucht sie Unterstützung, ist Mitarbeiterin Sarah Enzenhöfer in der Nähwerkstatt der Liebenauer Arbeitswelten in der Nähe.

Sonja Buemann arbeitet konzentriert und mit Hingabe an der Nähmaschine.

Die Aufgaben wechseln: Gabi Führgut näht Innentaschen für Shopper oder auch Kaffeesäcke für Rucksäcke zusammen.

Stoff, der es in sich hat: Die Nähte mit der Schere gerade zu schneiden, erfordert die ganze Aufmerksamkeit von Dirk Moraru.

Dagmar Donabauer (rechts) hatte die Idee für die Einkaufstasche und bringt sich laufend mit neuen Ideen ein. Sarah Enzenhöfer steht beratend zur Seite.

Der Raum ist hell, geräumig, ruhig. Nur wenn die Stickmaschine in Betrieb ist, wird der Lärmpegel höher. Jeder geht konzentriert seiner Arbeit nach. Die Produkte, die in der Nähwerkstatt entstehen, sind allesamt Unikate. Sonja Buemann arbeitet an den Einkaufstaschen: große Shopper zum Umhängen. Aber der glänzende Futterstoff mit dem dezenten Muster hat es in sich und ist nicht einfach zu verarbeiten. Die Arbeit erfordert eine ruhige Hand und Konzentration, damit die Stoffbahnen beim Nähen nicht verrutschen. Die WfbM-Beschäftigte näht, vernäht, trennt den Faden und spannt die nächste Tasche mit dem Füßchen ein. Mit Hingabe arbeitet sie an ihrer Aufgabe. Zeitgleich näht Gabi Führgut Innentaschen aus festem Stoff, Dirk Moraru schneidet anschließend mit der Schere den überstehenden Stoff entlang der Nähte ab.

Ein gemeinsames Projekt
Fünf WfbM-Beschäftigte bilden inzwischen ein festes Team in der Nähwerkstatt, die Mitte des vergangenen Jahres startete. „Es spielte keine Rolle, ob jemand schon mal eine Nähmaschine bedient hat“, sagt Sarah Enzenhöfer, die die Nähwerkstatt als pädagogische Fachkraft leitet. Das Interesse der WfbM-Beschäftigten sei von Anfang an riesengroß gewesen. Sarah Enzenhöfer: „Nach der Testphase ist die Richtung, in die es weitergehen soll, klar: Die Einzigartigkeit der Produkte steht im Vordergrund, auch bei größeren Stückzahlen.“

Unikate sind heiß begehrt
Mit dem ersten Verkauf der Produkte beim Liebenau Winterfeuer im vergangenen Jahr gelang ein furioser Auftakt. „Renner“ waren Banderolen aus Filz für Becher und Gläser, die die Beschäftigten vor Ort individuell mit Namen bestickt haben. Seither gibt es laufend Aufträge und Bestellungen auch für größere Mengen der ausgefallenen Produkte. Das Team verarbeitet dafür überwiegend Materialien und Stoffe, die Unternehmen nicht mehr nutzen können und sonst entsorgen würden. Aber auch Kaffeesäcke oder Tettnanger Hopfensäcke verarbeiten die Beschäftigten weiter. Zu Rucksäcken oder zu Taschen. Mit diesem so genannten Upcycling werten sie die Materialien und Stoffe deutlich auf.

Mit viel Motivation und Stolz
„Gemeinsam“ wird großgeschrieben in der Nähwerkstatt: Zusammen werden Ideen aufgegriffen, diskutiert und weiterentwickelt. So basiert zum Beispiel das Shopper-Modell auf der Idee von Dagmar Donabauer. Bescheiden wiegelt sie ab, blickt zu Sarah Enzenhöfer und meint: „Das haben wir gemeinsam entwickelt.“ Jeder hat die Möglichkeit, Dinge zu entscheiden, beispielsweise wenn es um die Kombination der Stoffe geht. Die entstehenden Produkte sind ausgesprochen pfiffig. So wie der Handgeldbeutel: Hausschlüssel oder etwas Geld können beim Joggen oder wo sonst man die Hände frei haben möchte am Handgelenk festgemacht werden. Manche Modelle passen zum Dirndl, andere zur Alltagsmode. Auch das Mühlespiel mit geschliffenen Bodenseekieseln ist eine pfiffige Idee. Das „Spielbrett“ kann zu einem Säckchen verschnürt werden, das die Spielsteine beherbergt. Die Nähwerkstatt ist drei Vormittage die Woche in Betrieb. Ansonsten arbeiten die Beschäftigten in der Wäscherei oder in der Küche.

Vorführung und Verkauf
Beim Sommerfest der Stiftung Liebenau am 7. Juli 2018 ist das Team der Nähwerkstatt vor Ort. Die Beschäftigten werden zusammen mit Sarah Enzenhöfer an Näh- und Stickmaschine Besuchern ihre Arbeit vorführen und auf Wunsch persönliche Exemplare fertigen. Zuvor ist die Nähwerkstatt bei den Wangener Welten vom 4. bis 6. Mai 2018 und beim Mittendrin-Fest in Friedrichshafen am 9. Juni 2018 vertreten.