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Vorsicht statt Angst: Wie sich Frauen vor Gewalt schützen können

RAVENSBURG – K.-o.-Tropfen im Glas, sexuelle Belästigung in der Bar, der Disko, auf der Straße oder Vergewaltigung – wie real sind diese Bedrohungen für Frauen in unserer Region, und wie können sie sich davor schützen? Sigrid Blenke und Florian Suckel vom Polizeipräsidium Ravensburg haben (noch vor der Verschärfung der Corona-Krise) vor Mitarbeitenden des Berufsbildungswerks (BBW) der Stiftung Liebenau über dieses Thema informiert und auch ganz praktische Tipps gegeben.

Was tun in Gefahrensituationen? Wie können Frauen sich schützen? Auf Einladung der Geschäftsführer Christian Braun (links) und Herbert Lüdtke (rechts) sprachen Florian Suckel und Sigrid Blenke vom Polizeipräsidium Ravensburg im Berufsbildungswerk Adolf Aich der Stiftung Liebenau vor Mitarbeitenden über das Thema „Gewalt gegen Frauen“.

Anti-Gewalt-Konzept im BBW

Für die Ravensburger Bildungseinrichtung mit ihren über 1 000 jungen Frauen und Männern spielt das Ziel eines fairen und sicheren Miteinanders im Ausbildungsalltag eine wichtige Rolle. Das BBW lässt sich den Verzicht auf Gewalt von seinen Azubis auch schriftlich geben. Jeder Jugendliche muss eine entsprechende Vereinbarung („Gewalt – nein danke!“) unterschreiben und damit die „Regeln für ein gewalt- und aggressionsfreies Lernen, Wohnen und Arbeiten“ anerkennen. Neben diesem „Vertrag“ setzen die Fachkräfte im BBW aber auch in der Praxis auf verschiedene Maßnahmen der Gewaltprävention.

 

Wie hoch ist das Risiko?

Deshalb ließen sie sich nun vom Polizeipräsidium Ravensburg speziell über das Thema „Gewalt gegen Frauen“ aufklären. Im Fokus standen dabei sexuelle Übergriffe. Was ist Belästigung, was Nötigung? Und wie hoch ist das Risiko tatsächlich, als Frau Opfer einer sexuellen Gewalttat zu werden? Die meisten Vorfälle, so die Experten, finden innerhalb bestehender Vorbeziehungen statt. „Die Gefahr eines sexuellen Übergriffs durch Unbekannte im öffentlichen Raum ist sehr gering“, betont Florian Suckel. Trotzdem ist natürlich immer Vorsicht geboten.

 

Kreisweit 193 Anzeigen pro Jahr

Der Blick in die Polizeistatistik sagt: Im Landkreis Ravensburg wurden im Jahre 2018 insgesamt 193 Fälle sexueller Gewalt gegen Frauen zur Anzeige gebracht. Die Tendenz? „Insgesamt steigen die Delikte leicht“, so Kriminaloberkommissarin Sigrid Blenke. Eine Dunkelziffer gebe es eher im innerfamiliären Kreis. Bei Delikten im öffentlichen Raum sei die Anzeigebereitschaft dagegen hoch.

 

„Von Waffen raten wir ab“

Aber was hilft gegen Gewalt? „Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nie.“ Und doch könne jede Frau selbst etwas tun, um Risiken zu mindern. Bewaffnung gehöre eher nicht dazu. „Davon raten wir ab.“ So bieten Pfefferspray, Messer und Co. eine nur trügerische Sicherheit und es bestehe sogar die Gefahr der Selbstverletzung. Empfehlen könne die Polizei aber einen „Schrill-Alarm“ – ein kleines Gerät für Handtasche oder Schlüsselbund, das auf Knopfdruck einen lauten Signalton von sich gibt und Angreifer abschreckt: „Das halten wir für das Beste.“

 

Bei Gefahr: 110 wählen

Was Betroffene im Ernstfall sonst noch tun können? Grenzen setzen! Wenn möglich die Situation frühzeitig verlassen, sich wehren, Hilfe holen, die 110 wählen. „Und zwar lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.“ Und für mögliche Zeugen gelte der Appell an die Zivilcourage: „Helfen sie, aber bringen sie sich selbst nicht in Gefahr.“

 

Vorsicht vor K.-o.-Tropfen

Ein ernstes Problem seien die sogenannten „K.-o.-Tropfen“, die, heimlich ins Getränk gemischt, die Opfer völlig wehr- und besinnungslos machen. „Die wissen nachher überhaupt nichts mehr.“ Deshalb der dringende Rat der Polizei: „Offene Getränke niemals unbeaufsichtigt stehen lassen.“ Und stets aufeinander achten. Das gelte auch für den Heimweg. Schon vor dem Ausgehen sollte überlegt werden, wie man wieder nach Hause kommt: Am besten nicht allein, und lieber mit dem Taxi als zu Fuß durch dunkle Gegenden. Trotz aller sinnvoller Vorsicht: Insgesamt seien auf der Straße immer noch Männer die häufigsten Opfer von Gewalt. Florian Suckel: „Frauen haben mehr Angst, Männer sind aber mehr betroffen.“

Info:

 

Solche Vorträge durch das Polizeipräsidium Ravensburg sind kostenfrei und für Frauen ab 16 Jahren in Gruppen oder im schulischen Kontext buchbar.

 

Kontakt über ravensburg.pp.praevention@polizei.bwl.de oder telefonisch unter +49 751 803-1044.

 

 

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