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Vorzeigeprojekt mit Strahlkraft: die Aulendorfer „Lernwerkstatt“

AULENDORF/RAVENSBURG – Die Aulendorfer „Lernwerkstatt“ für Menschen mit Migrationshintergrund ist sechs Monate nach dem Start nicht nur ein Modell-, sondern auch ein Erfolgsprojekt. Davon haben sich Cornelia Rathgeb vom Ministerium für Soziales und Integration sowie mehrere Vertreter von Kommune, Kammern und Landkreis vor Ort überzeugt. Die Werkstatt ist eine Kooperation des Berufsbildungswerks der Stiftung Liebenau und der Stadt Aulendorf und unter anderem aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert.

Begegnungen in der Lernwerkstatt: Cornelia Rathgeb vom Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg (rechts) interessiert sich für die Arbeit der Teilnehmerin Valentina Fedorov aus Kasachstan.

Zahlreiche Gäste blickten hinter die Kulissen der Aulendorfer Lernwerkstatt. Vor Ort waren zum Beispiel Vertreter des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Württemberg, des Landkreises Ravensburg, der Stadt Aulendorf, der Partner Caritas und Berufsbildungswerk, des Helferkreises, des regionalen Arbeitskreises ESF und der IHK.

Fit werden für den Arbeitsmarkt

Großer Bahnhof in der Aulendorfer Lernwerkstatt: Nicht nur – wie gewohnt – Projektleiter Achim Bernhard und Dozentin Ulrike Ahlfänger schauen heute dort den Menschen bei der Arbeit über die Schultern. Auch Gäste aus Stuttgart und dem Landkreis wollten sich ein Bild machen, wie die Teilnehmer unter der Regie des Berufsbildungswerkes (BBW) und im Auftrag des Jobcenters Ravensburg fit gemacht werden für die Integration in den Arbeitsmarkt. Vier Monate lang trainieren sie hier zunächst ihre fachpraktischen Fähigkeiten, bekommen Sprachunterricht und Bewerbungstraining. Es folgt ein zweimonatiges Praktikum in einem Betrieb. Klappt die Vermittlung in eine Stelle, findet anschließend eine Nachbetreuung statt. Neben Stadt, Jobcenter und BBW ist noch ein weiterer Partner mit im Boot: Die Caritas kümmert sich um das Integrationsmanagement.

 

Besonderes Finanzierungsmodell

Und wer bezahlt das Ganze? Hauptkostenträger dieses kreisweit einzigartigen Projektes ist Brüssel. Für Cornelia Rathgeb vom Referat Europa im Stuttgarter Sozialministerium ist es deshalb ein großes Anliegen, den Bürgern zu vermitteln, „dass Geld von Europa in das Land fließt und auch sinnvoll eingesetzt wird“. So habe man in Baden-Württemberg im Rahmen des ESF 13 Millionen Euro im Jahr für die rund 200 regionalen Projekte in Städten und Landkreisen zur Verfügung. Die Aulendorfer Lernwerkstatt erhält für das laufende Jahr aus diesem Topf eine Fördersumme von gut 80.000 Euro. Die Stadt Aulendorf steuert 35.000 Euro und der Zweckerfüllungsfonds Flüchtlingshilfe der Diözese Rottenburg-Stuttgart 30.000 Euro bei.

 

Interesse aus Schweden

Dass sich eine Kommune finanziell derart an einem solchen Projekt beteiligt, sei ungewöhnlich, lobt Thomas Kreuz von der Beratungsstelle für die regionalen ESF-Arbeitskreise ausdrücklich die Stadt Aulendorf. „Diese Mischung ist schon einzigartig“, sagt BBW-Geschäftsführer Christian Braun mit Blick auf die verschiedenen Partner, und auch Cornelia Rathgeb meint: „Das hier ist etwas ganz Besonderes.“ So besonders, dass das Projekt längst auch über die Kreis- und Landesgrenzen hinaus Interesse weckt. Sogar bis nach Schweden hat sich die Lernwerkstatt herumgesprochen: „Sie wird mittlerweile auch von der Region Göteborg beobachtet“, berichtet Kreuz.

 

Positive Zwischenbilanz

Aus gutem Grund, denn die Zwischenbilanz der Lernwerkstatt fällt positiv aus. Im Februar dieses Jahres mit zunächst sieben Teilnehmern gestartet, haben bis heute insgesamt 22 Menschen das Angebot in Anspruch genommen. Drei Personen konnten schon erfolgreich in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden, vier befinden sich im Praktikum, zwei haben die Maßnahme angebrochen. Alle anderen sind entweder aktuell noch in der Lernwerkstatt oder haben eine Folgemaßnahme begonnen, zum Beispiel einen Integrationssprachkurs. Die meisten Teilnehmer – darunter mehr als 20 Prozent Frauen – kommen aus Aulendorf und Umgebung. „Generell steht die Maßnahme aber allen SGB II-Empfängern im Landkreis offen“, erklärt Monika Kordula, Projektkoordinatorin auf Seiten des Berufsbildungswerks. Zugewiesen werden die Teilnehmer entsprechend vom Ravensburger Jobcenter.

 

Auf dem Sprung in den Arbeitsmarkt

Wo die Teilnehmer aktuell stehen, erfuhren die Besucher – darunter auch Sozialdezernentin Diana Raedler und Pauline Sieg vom Landratsamt Ravensburg – im persönlichen Gespräch. Auf dem Sprung ins Praktikum ist gerade Khaled Hussam. Das Ziel des 38-jährigen Libanesen: Er möchte in einer Schreinerei beruflich Fuß fassen. Erst seit wenigen Wochen in der Lernwerkstatt ist dagegen Mustafa Obeid aus Syrien, hat sich nach eigenen Worten aber schon gut eingelebt. „Alles sehr gut“, meint er. Die Arbeit an den Werkbänken macht ihm Spaß. „Keine Probleme“, betont er.

 

Bunte Mischung an Teilnehmern

Doch das Angebot richtet sich nicht nur an Geflüchtete, sondern auch an andere Menschen mit Migrationshintergrund, die bislang noch nicht in den Arbeitsmarkt integriert werden konnten – etwa weil es sprachliche Hürden gibt. Deshalb spielt neben dem fachpraktischen Teil insbesondere auch der Deutschunterricht eine große Rolle im Konzept der Lernwerkstatt. Das Altersspektrum der Teilnehmer reicht von Anfang 20 bis 50. Herkunftsländer, Religionen und Lebensläufe sind unterschiedlich, die osteuropäische Spätaussiedlerin lernt hier Seite an Seite mit dem Flüchtling aus Syrien. „Wir haben keine Probleme mit Ausgrenzung oder Konflikten“, freut sich Monika Kordula.

 

Know-how des Berufsbildungswerks

In Aulendorf werden die Berufsfelder Holz, Metall und Farbe abgebildet, am Hauptsitz des BBW in Ravensburg noch weitere Felder. Dort kann zum Beispiel auch der Gabelstaplerschein gemacht werden. Im Berufsbildungswerk engagiere man sich seit Jahren in der Unterbringung, Betreuung und  Beschulung von jungen Geflüchteten, wie Geschäftsführer Christian Braun berichtet. Auch diverse Qualifizierungsangebote für erwachsene Menschen mit Migrationshintergrund wurden aufgelegt.

 

Weichen für 2019 sind gestellt

Wie es mit der Lernwerkstatt weitergeht? Bis Jahresende ist die Finanzierung voll gesichert. Für 2019 gibt es bereits Zusagen von Diözese und Stadt Aulendorf. Und ein neuer Antrag für eine weitere ESF-Förderung läuft.

 

 

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