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Angekommen im neuen Leben

KERALA/SÜDINDIEN/TETTNANG – Am 27. Dezember 2019 sitzt die Inderin Hitha Chirackal George zum ersten Mal in ihrem Leben in einem Flugzeug. Ihr Ziel: Deutschland. Ihr Gepäck ist übersichtlich: Kleidung, Dokumente, Handy, mehrere Dosen verschiedener Gewürzmischungen und ein spezieller Reis. Es ist keine Urlaubsreise, sie bricht auf in ein neues Leben: Am 2. Januar ist ihr erster Arbeitstag als Pflegefachkraft im Dr. Albert-Moll-Haus in Tettnang.

Seit Anfang des Jahres arbeitet Hitha Chirackal George als Pflegefachkraft im Dr. Albert-Moll-Haus in Tettnang.

Motivation aus der Heimat

Das Handy ist Hitha Georges Band zur Heimat. Sie ist die erste von 20 jungen indischen Pflegefachkräften aus der Diözese Kerala in Südindien, die mit einem neuen Programm der Stiftung Liebenau nach Deutschland gekommen ist. Der Name ihrer Whatsapp-Gruppe liest sich wie ein Motivationsspruch für Sportlerinnen: „Wir laufen zusammen!“

 

Winterjacke und WLAN

Als Hitha George ankommt, kauft sie erstmal eine Jacke, es ist schließlich Winter. Die ersten Tage beherbergt sie Pater Safi Powath, der selbst aus Kerala stammt und mittlerweile in Ravensburg-Weißenau Pfarrer ist. Ein bekanntes Gesicht für Hitha George. Über Handy hält sie auch Kontakt mit ihrer Familie, ihre Mutter und zwei jüngere Geschwister. Das WLAN ist nicht so verbreitet wie sie es aus Indien kennt, und die Verbindungen sind nicht so stabil. Aber es geht.

 

Traum vom Leben im Ausland

In Deutschland zu arbeiten war ein Traum von Hitha George, wie für viele Inder. Ihr Vorbild: eine Tante, die als Krankenschwester in Katar arbeitet. Ihre Mutter ist froh, dass ihre Tochter eine gute Stelle gefunden hat. Mit ihrem Bachelor of Nursing nach vier Jahren Studium fand sie keine Stelle im christlichen Teil Indiens. Sie lernt Deutsch, will ihre Heimat verlassen. Während der langen Phase der Formalitäten unterrichtet sie selbst acht Monate lang Deutsch. Nach der Anerkennung und dem nötigen Visum geht dann alles ganz schnell: Innerhalb von einer Woche bricht sie auf.

 

Unterstützung für Formalitäten

Angekommen, muss sie zum Einwohnermeldeamt und braucht zügig ein Konto, eine Krankenkasse und natürlich einen Handyvertrag. Rodrigo Otey, ein Mitarbeiter der Stiftung Liebenau begleitet sie dabei. Hitha George ist erstaunt, wie schnell das alles über die Bühne ging. Um ihr Visum zu bekommen hatte sie bei der Deutschen Botschaft in Bangalore rund vier Monate auf einen Termin gewartet, ergattert in einem regelmäßig geschalteten kleinen Zeitfenster. „Das erfordert schon eine gewisse Zähigkeit“, stellt Sabine Münz von der Abteilung Internationales Recruiting fest, die für die Fachkräfte und Auszubildenden aus außereuropäischen Ländern die vermittelnde Schnittstelle bildet.

 

Wir leben für die Familie

Wie gefällt es dir? Wie ist es in Deutschland? fragen ihre Fachkolleginnen aus der Sprachschule in die Whatsapp-Gruppe. Als großen Unterschied empfindet sie die Arbeitsbedingungen: „In Indien arbeiten wir regulär 8 Stunden pro Tag, machen aber meist 1-2 Überstunden. Und die 15 Minuten Pause können wir fast nie nehmen. Und wir haben eine 6-Tage-Woche.“ Anders auch das Zusammenleben der Menschen: In Indien seien die Familienbande stärker. „Wir leben für die Familie. Eine Mutter lebt für ihr Kind. Wir schauen vielleicht mehr danach, wie es anderen geht.“ Die Verbindung zur Familie drückt sich auch in den Namen aus: Der Name des Vaters wird immer angehängt, der Name, der in Deutschland der Nachname wäre, in Hitha Georges Fall Chirackal, fällt fast immer weg, sogar auf Dokumenten.

 

Corona verzögert das Projekt

Aufgrund der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Reisebeschränkungen ist Hitha George bis jetzt die einzige Pflegefachkraft aus diesem Projekt geblieben. „Sobald es hier Lockerungen gibt, werden weitere Pflegefachkräfte dazukommen können“, sagt Sabine Münz. Bis dahin muss Hitha George noch warten, bis sie vertraute Menschen wiedersehen und persönlich sprechen kann. Bleiben die heimischen Gewürze, die ihr ihre Oma mitgegeben hatte. „Allerdings koche ich nicht gern“, verrät sie lächelnd und bedient damit nicht das Klischee der küchenaffinen Inderin.

 

 

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