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Grenzen überwinden: Auszubildende aus Europa lernen Altenpflege

MECHENBEUREN-LIEBENAU/EUROPA – Um Auszubildende für die Altenpflege zu gewinnen, geht die Stiftung Liebenau viele Wege. „Ab jetzt Zukunft: Ausbildung Pflegeberuf” heißt es derzeit für 20 Männer und Frauen aus dem europäischen Ausland. Sie lernen den Beruf des Altenpflegehelfers und der Altenpflegehelferin. In ihrer Ausbildung geht es nicht nur um Fachliches, sondern auch darum, den Alltag im neuen Land zu meistern, einschließlich Wohnungssuche, Arztbesuch und öffentlichem Nahverkehr. Die Abbruchquote ist gering, das Konzept stimmt.

Dionysios Filippidis aus Thessaloniki (rechts) lernt seit Frühjahr 2018 in der Stiftung Liebenau den Beruf des Altenpflegehelfers.

Einer der künftigen Fachkräfte ist der 19-jährige Dionysios Filippidis aus Thessaloniki (im Bild rechts). „Ich wollte diesen Beruf lernen”, erzählt er. „Aber in Griechenland hätte ich nicht die Möglichkeit zu einer guten Ausbildung gehabt.” Auf seine Bewerbung folgten ein dreitägiger Kennenlern-Aufenthalt in Oberschwaben, ein Sprachkurs in seiner Heimat und ein dreimonatiges Praktikum. Danach fiel die Entscheidung: Dionysios Filippidis lernt seit Frühjahr 2018 den Beruf des Altenpflegehelfers.

 

Dazu arbeiten das Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW) und die Pflegeeinrichtungen der Stiftung Liebenau eng zusammen. „Aus meiner Sicht sind hier gesellschaftsübergreifende Aufgabenfelder der Stiftung Liebenau zusammengewachsen”, betont Stefanie Locher, Geschäftsführerin der Unternehmen im Aufgabenfeld Pflege und Lebensräume. „Kompetenzen wurden gebündelt und haben sich gegenseitig ergänzt.”

 

Das BBW kann dabei auf Erfahrungen aus dem europäischen und nationalen Sonderprogramm „MobiPro” aufbauen: In sieben Jahren begleitete das BBW die Ausbildung von 70 Jugendlichen aus dem EU-Ausland für die Altenpflege, Systemgastronomie und Gebäude- und Textilreinigung. „Wir wissen jetzt, wie man mit jungen Menschen aus dem Ausland umgehen muss, damit sie sich hier wohlfühlen und bleiben”, erklärt Matthias Friedetzky, „MobiPro”-Verantwortlicher im BBW.

 

„MobiPro” läuft jetzt aus – und die Stiftung Liebenau hat ein eigenes Projekt speziell für die Altenpflege-Ausbildung aufgelegt. Es geht ebenfalls darum, jungen Menschen aus Ländern mit hoher Arbeitslosigkeit eine Perspektive zu bieten und zugleich Azubis für einen Beruf zu gewinnen, in dem immer mehr Nachwuchskräfte gebraucht werden. Dabei gilt für den Projektkoordinator Jonas Kimmig vom BBW der Grundsatz: „Es genügt oft nicht, einen Auszubildenden aus dem Ausland zu finden. Soll die Ausbildung gelingen, muss es auch in den anderen Lebensbereichen klappen. Das BBW übernimmt diese Kümmerer-Funktion.” Das heißt: Die EU-Azubis haben durchgängig dieselben Ansprechpartner – ganz egal, ob es um Wohnungssuche, Busverbindungen im ländlichen Oberschwaben, Versicherungen oder Arztbesuche geht. Zudem können sie sich in der Pflegeschule regelmäßig austauschen und werden in den Häusern der Pflege „sehr herzlich aufgenommen”, berichtet Carola Merk, Abteilungsleiterin der Pflegeschule am BBW.

 

Sehr wichtig sind Sprachkenntnisse. „In der Altenpflege sind sie das A und O, zumal unsere Heimbewohner überwiegend schwäbisch sprechen”, sagt Carola Merk. Um intensive Sprachkurse zu ermöglichen, wird die einjährige Ausbildung zum Altenpflegehelfer auf zwei Jahre gestreckt. Im ersten Jahr sind 400, im zweiten Jahr 200 Stunden Deutschunterricht vorgesehen.

 

Alle Beteiligten werten die bisher geringe Abbruchquote als Beleg dafür, dass das Konzept stimmt. Dies eröffnet Perspektiven. Denn die EU-Azubis haben sich verpflichtet, nach der Ausbildung noch mindestens drei Jahre zu bleiben. Den Schlüssel zu diesem Erfolg sieht Stefanie Locher in den „hoch motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der einzelnen Bereiche”. Diese Begeisterung steckt an. „Ich bin glücklich”, sagt der 26-jährige Andree Manini aus Turin. Er hat Lebensmitteltechnologie studiert, aber danach festgestellt, dass er lieber mit Menschen arbeiten möchte. Weil die Bedingungen auf dem italienischen Arbeitsmarkt nicht gut seien und er noch eine Sprache lernen wollte, entschied er sich für das Ausbildungsprojekt der Stiftung Liebenau. Natürlich fordert es ihm, wie auch den anderen Azubis, viel ab. Aber: „Die Arbeit mit den alten Leuten ist sehr vielseitig: Betreuung, Pflege und Spaß gehören dazu”, sagt er.

 

 

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