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Personalgewinnung in der Pandemie

MECKENBEUREN-LIEBENAU – Seit eineinhalb Jahren befindet sich die Welt im pandemiebedingten Ausnahmezustand: Erkrankungen, Todesfälle, Lockdowns, Mutanten und die Debatten um das Impfen, an keiner Branche geht die Pandemie vorbei. Einen besonderen Status hat die Pflegebranche, die inzwischen nicht nur in Deutschland über fehlende Fachkräfte und den Nachwuchs klagen. Aus diesem Grund hat die Stiftung Liebenau Kontakte in Indien und zu den Philippinen aufgebaut mit dem Ziel Fachkräfte und Auszubildende aus diesen Ländern zu gewinnen.

Herzlich Willkommen in Deutschland! Corona-konforme Abholung am Flughafen durch die "Kümmerer" des International Recruiting-Programmes.

Sabine Münz arbeitet im Bereich Internationales Recruiting der Stiftung Liebenau und berichtet, wie Corona die Planungen durcheinander gewirbelt hat und wie es trotzdem gelang, Fachkräfte und Auszubildende in Deutschland zu empfangen.

 

Wieviele Fachkräfte und wieviel Auszubildende sind inzwischen in Deutschland angekommen?

 

Von den Philippinen haben wir inzwischen 19 Auszubildende, aus Indien konnten bisher sieben Fachkräfte kommen.

 

Welche corona-bedingten Planänderungen gab es?

 

Wichtig für die Arbeit in Deutschland ist für Arbeitskräfte und Auszubildende aus dem Ausland der Nachweis eines ALTE-zertifizierten (Telc, Goethe, ÖSD) B2 Deutsch-Zertifikats. Durch die Pandemie gab es zeitliche Verzögerungen, sodass unsere Teilnehmer zwar über ein B2 Niveau verfügen aber hierfür „nur“ einen Nachweis der Sprachschule vorliegen haben. Die Prüfungen bei Telc konnten aufgrund von Corona teilweise gar nicht und wenn dann nur sehr verspätet stattfinden. Dadurch, dass die Prüfungen extrem anspruchsvoll und beim ersten Mal kaum zu bestehen sind, müssen die Teilnehmer oftmals eine Wiederholungsprüfung ablegen. Auch der corona bedingte Wechsel von Präsenzunterricht zum digitalen Unterricht hat es nicht einfacher gemacht. Die Wiederholungsprüfungen können auch nur in kleinen Zeitfenstern stattfinden, wenn mal gerade kein Lockdown ist. Auf den Philippinen finden die Prüfungen zudem in Manila statt und wir müssen die Teilnehmer von Mindanao nach Manila fliegen lassen. Voraussetzung hierfür ist ein negativer Corona-Test. Es trat natürlich trotz aller Vorsicht der Klassiker ein. Ein Test war positiv und ein Teilnehmer konnte deshalb nicht fliegen. Er musste 14 Tage in Quarantäne. Auch hier haben wir einen neuen Termin für die Prüfung des Teilnehmers benötigt.

 

Wie haben sich die Lockdowns sonst noch auf die Prüfungen ausgewirkt?

 

Durch die vielen Lockdowns haben wir sehr viel Zeit verloren und gerade bei den Azubis haben wir mit dem Ausbildungsbeginn im September einen enormen Zeitdruck. Den kann man nicht verschieben und somit kämpft man bis zur letzten Sekunde, dass die Auszubildenden rechtzeitig in Deutschland ankommen. In Indien hat uns zusätzlich die Delta-Variante des Coronavirus vor eine neue Herausforderung gestellt, da zeitweise fast alle Flüge aus Indien gestrichen waren und die wenigen Flüge natürlich auch ausgebucht und die Fluggäste nur unter bestimmten Bedingungen fliegen konnten. Jetzt hat man endlich das Visum in der Hand und dann stehen keine Flüge zur Verfügung! Aber auch das haben wir gemeistert, und es konnten auch in dieser hochkritischen Phase trotzdem Fachkräfte aus Indien in Deutschland einreisen. Derzeit warten in Indien aber noch 25 Fachkräfte auf ihre Wiederholungsprüfung in den nun wieder geöffneten Testzentren des Goetheinstituts.

 

Wie werden die Menschen in Deutschland begleitet?

 

Es gibt zwei so genannte „Kümmerer“ in der Altenhilfe. Das sind Rodrigo Otey und Jonas Kimmig. Sie sind für die Inderinnen und Filipinos Ansprechpartner, sobald die Teilnehmer in Deutschland ankommen. Ob es um die Wohnungssuche oder um Fragen, die sich während des Aufenthaltes ergeben, geht oder um Fragen des Alltags. Und auch an mich wenden sich die Teilnehmer ebenfalls manchmal, da ich den gesamten Prozess von Anfang an begleitet habe. Und auch hier haben wir durch Corona besondere Herausforderungen zu meistern gehabt. Speziell wenn es um die Frage der corona-konformen Abholung am Flughafen durch die Kümmerer und der anschließenden Quarantäne geht. Hierfür muss ein geeigneter Wohnraum gefunden werden und auch die Versorgung muss hierbei sichergestellt werden. Gemeinsam haben wir aber immer eine Lösung gefunden. Nicht zu vergessen ist hierbei die Ausnahmesituation der Teilnehmer selbst, die zum Teil alleine in ein völlig fremdes Land mit einer völlig fremden Kultur kommen und dann erstmal 10-14 Tage in Quarantäne verbringen müssen. In einer Wohnung, die sie vorher noch nie gesehen haben.

 

Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Inderinnen und Filipinos von der Arbeit in Deutschland ?

 

Was die indischen Fachkräfte angeht, so sind es vor allem unterschiedliche Arbeitsprozesse, die sie lernen müssen, zum Beispiel die in Deutschland notwendigen Dokumentationen und andere Betreuungsschlüssel. Es liegt wohl aber an den kulturellen Unterschieden, dass Rückmeldungen oder Feedback immer sehr zurückhaltend und sehr vorsichtig vorgebracht werden. Den Auszubildenden, die den Beruf ja erst noch erlernen, fällt die Eingewöhnung leichter.

 

Was erfahren Sie aus den Häusern der Pflege über die neuen Kolleginnen und Auszubildenen?

 

Natürlich gibt es am Anfang viele Unsicherheiten, aber die legen sich recht schnell. Es bedarf etwas mehr Zeit für die Eingewöhnungsphase, das haben wir inzwischen aber eingeplant. Hier ist Verständnis und Flexibilität auf beiden Seiten erforderlich.

 

Wie sieht die Zukunft aus? Gibt es weitere Planungen?

 

Wir sind bereits aktiv in Gesprächen mit möglichen Partnern aus anderen Ländern. Dass wir uns freiwillig einen Ethikkodex für die Gewinnung von ausländischen Arbeitskräften auferlegt haben, kommt uns sehr zugute. Er wurde mittlerweile als Beispiel auf der Seite des DKF (Deutsches Kompetenzzentrum für internationale Fachkräfte in den Gesundheits- und Pflegeberufen) veröffentlicht. Ein wichtiger Grundsatz hierbei ist, dass unsere künftigen Kolleginnen und Auszubildenden schuldenfrei nach Deutschland kommen können. Auch für unsere laufende Bewerbung um das Gütesiegel „Faire Anwerbung Pflege Deutschland“, das das DKF derzeit einführt, ist dies eine zwingende Voraussetzung. Darüber hinaus wollen wir unser Mentoring in Bezug auf das Ankommen in Deutschland ausbauen. Im Übrigen sind inzwischen die neuen Deutschkurse gestartet: In Indien lernen aktuell 50 Fachkräfte deutsch, davon gehen auch 25 Teilnehmer in unsere Häuser in Österreich. Auch die 25 künftigen Auszubildenen von den Philippinen lernen jetzt bereits deutsch. Zudem sind wir gerade dabei, unsere Prozesse zu optimieren und die Zeitschienen nochmal zu verschieben, um auch künftig besser auf Corona oder andere Ausnahmesituationen reagieren zu können.

 

 

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