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„Es tut gut, Ballast abzuwerfen“

RAVENSBURG – Das Ehepaar Gaby und Jochen Thiel lebt seit 2006 in den „Lebensräumen für Jung und Alt“ der Stiftung Liebenau, am Rande der Ravensburger Altstadt, in einer sehr gemütlichen Maisonette-Wohnung. Sie haben sich frühzeitig dafür entschieden, ihr eigenes Reihenhaus aufzugeben und eine Wohnform zu suchen, die ihnen erlaubt, ohne Ballast das Älterwerden zu genießen.

Gaby und Jochen Thiel lhaben den Umzug in die "Lebensräume für Jung und Alt“ am Rande der Ravensburger Altstadt nie bereut.

„Heute muss ich keine Fenster putzen, aus denen ich nicht rausgucke, weil ich das Zimmer gar nicht mehr brauche.“ So trocken fasst Gaby Thiel zusammen, was Lebensqualität im Alter ausmachen kann. Die Thiels haben sich schon früh darüber Gedanken gemacht, wie sie leben wollen, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Ihr Credo: Glück ist, wenn man das macht, was gut tut. „Unser Thema ist: Loslassen, weil wir damit nur gewinnen können“, sagen sie übereinstimmend. Wo andere noch am Gewohnten festhalten sind sie neue Wege gegangen. In der Mehrgenerationen-Wohnanlage haben sie sich sofort in die Maisonette-Wohnung verliebt und sie als ihr neues Zuhause auserkoren. „Natürlich haben wir eine Weile hin und her diskutiert und abgewogen bis es soweit war.“

 

Neues wagen

Begleitet vom anfänglichen Unverständnis ihrer drei Söhne, die die Eltern noch lange nicht auf dem „Altenteil“ sehen wollten, verkauften sie ihr Reihenhaus und zogen um. Schon fast 13 Jahre wohnen sie hier. „Wir können allen nur empfehlen, Neues zu wagen. Es stecken so viele Chancen darin.“ Sie leben seitdem in einer Gemeinschaft, in der es so wichtig ist, gegenseitig aufmerksam zu bleiben, damit es allen gut geht – ohne dabei die eigene Privatsphäre aufzugeben und immer die der anderen zu respektieren.

 

Ballast abgeworfen

Und von wegen Altenteil: „Wir wurden sehr aktiv, weil wir lästige alltägliche Altlasten los waren.“ Sie engagierte sich zehn Jahre im Bewohnerbeirat. Er wurde unter anderem zum „Ober-Müllmann“, der zusammen mit der Arche-Gemeinschaft samstags Flaschen, Plastikmüll und anderes im Bollerwagen zum Container brachte. Die Ehrenämter haben sie vor kurzem abgegeben. „Es müssen auch mal Jüngere ran.“ Sie kümmert sich weiterhin um das Gelingen des wöchentlichen Nachmittagskaffees. Er ist aktiver Seniorensportler. Man hat nicht den Eindruck, den Thiels sei es langweilig. Engagement ist für sie immer noch selbstverständlich. Wenn man sie braucht, sind sie immer da. „Wir haben nichts aufgegeben, nur Ballast abgeworfen und die goldrichtige Entscheidung getroffen“. Die drei Söhne finden längst, ihre Eltern haben alles richtig gemacht.

 

Kein einfacher Start

Dabei war der Start ins Leben für das inzwischen 55 Jahre verheiratete Paar alles andere als einfach. Geboren 1940 und 1944 in Königsberg und Röszel in Ostpreußen, wurden sie im Januar 1945 zu Flüchtlingen, die mit Hunderttausenden anderen über das lebensgefährliche Haff in den Westen zogen. Gaby Thiel wuchs in Ravensburg auf. Dort hatte auch die resolute Tante von Jochen Thiel eine neue Heimat gefunden und eines Tages entschieden: Die Gaby ist die Frau für ihren Neffen. Die „Kuppeltante“ sorgte dafür, dass es so kam. Gaby war 19 Jahre alt. Jochen 23. Neun Monate später wurde Hochzeit gefeiert. Sie kannten sich zwar kaum, mochten sich aber ganz gern. „Die ersten Jahre waren nicht wirklich romantisch“, sagt Jochen Thiel. Und seine Frau Gaby bestätigt: „Plötzlich saßen wir allein miteinander in einer Wohnung und mussten lernen, zusammen zu leben. Das war nicht leicht. Aber wir haben in frühester Kindheit erfahren, was leben heißt und worauf es wirklich im täglichen Miteinander ankommt. Das ist ein Fundament, auf das wir unbewusst immer aufbauen konnten.“

 

Hilfe ist nicht weit

Hand in Hand spazieren die Thiels durch die Fußgängerzone und witzeln: „Das hat mit Verliebtheit im Alter gar nichts zu tun. Glauben sie das bloß nicht. Wir halten uns aneinander fest, damit keiner umkippt.“ Aber so sei das halt. Man könne nicht davon ausgehen, dass alles immer so weitergeht. „Wir lernen mit unseren wachsenden Begrenztheiten zu leben.“ Und beide wissen: „Wenn wir nicht mehr die Kraft haben, bedingungslos füreinander da zu sein, dann ist Hilfe nicht weit.“ Dafür haben sie gesorgt.

 

 

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