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Über das Leben reden – Kommunikation in der allerletzten Phase des Lebens

FRIEDRICHSHAFEN – Wenn das Leben sich zum Ende neigt, bleibt nicht mehr viel Zeit für Kommunikation. Jedes Gespräch könnte das letzte sein. Als Seelsorger im Franziskuszentrum in Friedrichshafen geht Jens Fehrenbacher ganz bewusst auf Menschen in solchen Situationen zu. Er begleitet Heimbewohnerinnen und -bewohner, Hospizgäste und Angehörige in vielen Lebenslagen – und ganz besonders beim Abschiednehmen. Die Gesprächsthemen können dabei so vielfältig sein wie das Leben.

Jens Fehrenbacher, Seelsorgeverantwortlicher im Bereich der Altenhilfe der Stiftung Liebenau.

"Sprechen Sie über das, was Ihnen in den Sinn kommt"

Wie kann ich einem sterbenden Menschen begegnen? Finde ich die richtigen Worte? Was soll ich sagen? Solche Fragen voller Unsicherheit stellen sich Angehörige oft auf ihrem Weg zum Sterbebett eines geliebten Menschen. „Meine Antwort lautet dann: Sprechen Sie über das, was Ihnen in den Sinn kommt“, berichtet Jens Fehrenbacher. Wichtig sei, die letzten Stunden im Leben bewusst wertzuschätzen. Deshalb ermuntert er Angehörige, die verbleibende Zeit zum Gespräch zu nutzen. „Denn oft bleibt vieles bis zum Schluss unausgesprochen. Da versuchen wir, nochmals eine tiefe Kommunikation in Gang zu setzen.“

 

Viele Möglichkeiten der Kommunikation

Wenn ein Gespräch mit dem sterbenden Menschen gar nicht mehr möglich ist, dann gebe es andere Möglichkeiten der Kommunikation: über Berührung, Zuspruch, Dank oder versöhnliche Worte. „Das scheint einseitig zu sein, aber wir bekommen immer eine Antwort aus der Situation heraus – nicht verbal, sondern emotional im Herzen“, sagt Jens Fehrenbacher. Auch bei der Verabschiedung spreche er den verstorbenen Menschen noch einmal direkt an. „Wir bleiben auch nach dem Tod verbunden. Kommunikation geht weiter im Gebet und Segenszuspruch. In diesen Prozess möchte ich die Angehörigen mit hineinnehmen“, erklärt der Theologe, der als Seelsorgeverantwortlicher im Bereich der Altenhilfe auch Mitarbeitende der Stiftung Liebenau in ihren seelsorgerlichen Aufgaben begleitet.

 

Kommunikation macht einen Großteil seines Handelns aus. „Den Gästen im Hospiz biete ich an, dass sie mit mir über alle Themen des Lebens reden können – als ganz offenes Angebot“, erzählt er. Manchmal hätten die Menschen am Lebensende das Bedürfnis, über tiefgreifende, existenzielle und persönliche Fragen zu sprechen. Das sei aber nicht immer so. Manchmal möchten die Menschen lieber erfahren, was um sie herum geschieht, was in der Zeitung steht, wie das Wetter ist oder was draußen auf der Straße los ist. „Auch ein Gespräch über alltägliche Themen ist wichtig, denn es ermöglicht Orientierung und schenkt Zuwendung“, erläutert er.

 

Geborgenheit vermitteln

Ob im Hospiz- oder Pflegebereich: Entscheidend sei die innere Haltung bei Gesprächen. „Behutsamkeit, eine große Offenheit und Wertschätzung sind sehr wichtig.“ Konkret bedeute dies, aufmerksam und unvoreingenommen zuzuhören, nicht zu interpretieren oder keine Ratschläge überzustülpen. „Die Einordnung dessen, was wichtig ist, überlasse ich meinem Gesprächspartner“, betont Jens Fehrenbacher. Auch bei Gesprächen mit Bewohnerinnen und Bewohnern im Pflegeheim sei es ihm ein Anliegen, Geborgenheit zu vermitteln – und das Gefühl, dass sie nicht allein sind und jemand da ist, mit dem sie über alles reden können. „Eine gute Kommunikation weiß aber auch, wann es keine Worte mehr braucht oder wann jemand müde ist vom Gespräch“, gibt der Seelsorger zu bedenken. „Manchmal besteht Kommunikation darin, einfach da zu sein und nichts zu sagen.“

 

 

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