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„Menschen, die im Moment sind und leben, das finde ich klasse!“

MECKENBEUREN-LIEBENAU – Günther Steinmetz arbeitet in der Liebenau Service mit Menschen mit Unterstützungsbedarf zusammen. Ohne fachlichen Hintergrund hat er seinen Weg zu einem guten Miteinander gefunden und dabei auch viel über sich selbst gelernt. Hier erzählt er aus seiner Schatzkiste …

 

Günther Steinmetz arbeitet in der Gebäudereinigung zusammen mit Menschen mit Behinderungen

Herr Steinmetz, seit wann arbeiten Sie in der Liebenau Service und was ist Ihre Aufgabe?

Günther Steinmetz: Ich arbeite seit 2015 hier. Zuerst war ich mit 15 Stunden in der Woche bei den Hausmeistern als Urlaubsvertretung tätig. Aber der Anfang war schwer. Ich musste mir Vieles erst aneignen. Zudem war ich nicht ortskundig und vor allem die Wege zu den Objekten und Kunden außerhalb des Stiftungsgeländes waren nur mit dem Navi auf meinem Handy gut zu meistern. Inzwischen arbeite ich vormittags und manchmal auch nachmittags in der Gebäudereinigung zusammen Beschäftigten aus unserer Werkstatt für behinderten Menschen. Hier begleite ich das „Möppe Projekt“, bei dem Wischtücher für die Unterhaltsreinigung abgezählt werden. Man muss nur zählen und das macht es für die Beschäftigten so schön ruhig.

 

Mit wie vielen Beschäftigten arbeiten Sie zusammen?  Was ist das Besondere?

Günther Steinmetz: Mit maximal sechs Personen. Und jeder ist anders. Auf manche von ihnen kann ich mich überhaupt nicht verlassen. Manch andere sind sehr zuverlässig. Ich hatte ja bis dahin noch keine Erfahrung mit behinderten Menschen gehabt und bin da mehr oder weniger reingerutscht. Was ich immer schön finde ist, wenn mir eine wildfremde Person auf dem Gelände die Hand gibt und „Hallo“ sagt. Man wird jeden Morgen begrüßt. Aber drei Tage später haben sie das schon wieder vergessen. Menschen, die im Moment sind und leben, das finde ich klasse. Ein weiteres Beispiel ist, als ich jemanden gebeten habe meine Hand los zu lassen und man mir sagte: „Ich mag dich halt so gern!“

 

Was schätzen Sie an einem Menschen mit Behinderung?

Günther Steinmetz: Menschen mit einer Lern- oder geistigen Behinderung sind oftmals relativ unverstellt. Ohne starre Masken. Ein Nein ist ein Nein. Es ist eine Natürlichkeit, eine Echtheit. Das mag ich.

 

Welchen Rat würden Sie Anderen für ein gutes Miteinander geben?

Günther Steinmetz: Man sollte unvoreingenommen und ohne Vorurteile sein. Alles was man jemals gelernt hat, sollte man vergessen. Man sollte es auf sich wirken lassen und sich selber in Frage stellen. Die eigene Arbeit sehe ich als Therapie. Man reflektiert sich selbst und spiegelt sich in gewisser Hinsicht auch selbst. Ich spiegle mich überall im Leben.

 

Gibt es für Sie Herausforderungen im Umgang mit Menschen mit Unterstützungsbedarf?

Günther Steinmetz: Die größte Herausforderung ist es für mich, nichts persönlich zu nehmen. Beispielsweise wenn jemand zwei bis drei Wochen plötzlich nicht mehr mit mir redet und ich nicht weiß, warum. Früher habe ich mir darüber den Kopf zerbrochen, mich schlecht gefühlt und mir viele Gedanken darüber gemacht. Jetzt ist es überhaupt nicht mehr so. Man sollte jeden Tag neu starten. Die Probleme liegen meist woanders, man ist nur das Ventil. Wenn man diese Dinge persönlich nehmen würde, könnte man die Arbeit nicht machen. Das habe ich hier gelernt.

 

Wie bekommen Sie Unterstützung?

Günther Steinmetz: Hauptsächlich von Gruppenleiter Franz Völk. Ich tausche mich nahezu täglich mit ihm aus und hole mir Ratschläge. Viel gelernt habe ich auch bei der Fortbildung „Arbeiten mit und bei Menschen mit einer Behinderung“ von der Akademie Schloss Liebenau. Hier habe ich vor allem mehr über die verschiedenen Krankheitsbilder erfahren.  Die Tage danach waren dann das Ausschlaggebende für mich. Mir wurde klar, wir sehr eine Krankheit das Verhalten eines Menschen beeinflusst und derjenige nichts dagegen tun kann.  Fachliches Hintergrundwissen macht Vieles einfacher aber das Wichtigste ist die Bereitschaft, sich unvoreingenommen auf die Begegnungen einzulassen. Die Arbeit mit Menschen, das schätze ich sehr!

 

 

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