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Stiftung Liebenau legt Jahresbericht vor

MECKENBEUREN-LIEBENAU – Digitalisierung, Diversität, Internationalisierung: Gesellschaftliche Trends prägen auch die Sozialwirtschaft. Die Stiftung Liebenau stellt in ihrem Jahresbericht für 2018 dar, wie das moderne Sozialunternehmen mit diesen Herausforderungen umgeht und gleichzeitig die nötige Flexibilität und Agilität entwickelt, um auf immer kürzere sozialpolitische Umbrüche angemessen zu reagieren. Über alle Aufgabenfelder hinweg, ist bestimmendes Thema die Gewinnung und Bindung engagierter und kompententer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Tagesbetreuung im Bregenzer Brändlepark: Nur eins von vielen neuen Angeboten der Stiftung Liebenau, die im vergangenen Jahr eröffnet wurden.

Fast 10 000 Haupt- und Ehrenamtliche

7 275* Menschen waren 2018 in den rund 40 Unternehmen im Stiftungsverbund beschäftigt, unterstützt von 2 697* freiwillig Engagierten. (Zahlen bezogen auf Stiftung Liebenau und alle ihr zugeordneten Rechtsträger gemäß der jeweiligen Beteiligungsquote). In 104 Städten und Gemeinden in Deutschland, Österreich, Italien, Bulgarien, der Schweiz und der Slowakei fanden fast 30 000 Menschen Unterstützung von 345 sozialen Einrichtungen und Diensten. Dabei arbeitet die Stiftung Liebenau eng zusammen mit ihren Schwesterstiftungen, der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist (Kißlegg) mit 305 Mitarbeitenden und 61 freiwillig Engagierten und der Stiftung Helios Leben im Alter (Goldach, Schweiz) mit 183 Mitarbeitenden und 20 Ehrenamtlichen.

 

Personelle Engpässe nehmen zu

Im vergangenen Jahr konnte erstmals die hohe Nachfrage nach Pflegeleistungen mangels Personal nicht immer gedeckt werden. Die von der Politik angestoßene Ausbildungsoffensive kann nach Einschätzung der Stiftungsverantwortlichen zwar langfristig Veränderung bringen, wird jedoch allein nicht ausreichen. Neben einer Intensivierung eigener Maßnahmen zur Personalgewinnung und -entwicklung setzt die Stiftung daher auch auf die Gewinnung von Fachkräften im Ausland. 2018 wurden Projekte in Italien, Indien oder Vietnam entwickelt, jeweils in Kooperation mit Partnerorganisationen vor Ort. „Die kulturelle Vielfalt im Unternehmen sehen wir als Gewinn, sofern eine grundsätzliche Übereinstimmung auf der Werte-Ebene besteht“, sagt Prälat Michael H. F. Brock, Vorstand Stiftung Liebenau. Bereits jetzt sind in den Unternehmen im Stiftungsverbund Menschen aus 90 Nationen beschäftigt.

 

Tarifliche Einigung gewünscht

Für Kontroversen sorgte im Herbst 2018 die Vergütung in drei Tochtergesellschaften der Stiftung, darunter die Liebenau Leben im Alter mit knapp 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Nach einer in Abstimmung mit der kirchlichen Aufsicht vorgenommenen Satzungsänderung wurde die Bindung an die kirchliche Grundordnung aus ihrer Satzung genommen. Sie war bereits zuvor befristet nicht zur Anwendung gekommen, vielmehr gelten seit 15 Jahren hauseigene Vergütungssysteme. Grund dafür ist vor allem die Notwendigkeit einer anderen Altersvorsorge als sie das kirchliche Arbeitsrecht beinhaltet. Nach der Satzungsänderung ist nun der Weg frei für die Vereinbarung tariflicher Rahmenbedingungen. Gespräche mit der Gewerkschaft ver.di werden für den Herbst erwartet.

 

Europäische Perspektive

Seit mehr als 20 Jahren ist die Stiftung Liebenau auch im europäischen Ausland tätig. 28 Standortkommunen befinden sich außerhalb Deutschlands. In 15 sozialen Unternehmen sind dort rund 1 178 Mitarbeitende (gemäß der jeweiligen Beteiligungsquote) beschäftigt. „Die Stiftung Liebenau hat sich immer schon zu einer europäischen Perspektive bekannt“, so Dr. Berthold Broll, Vorstand Stiftung Liebenau. „Wir setzen auf die politischen und wirtschaftlichen Potenziale Europas und die integrative und innovative Kraft, die über nationale Grenzen hinweg wirksam wird.“

 

Fachliche und räumliche Differenzierung

In ihrer fachlichen Arbeit hat die Stiftung Liebenau ihre Angebote weiter differenziert, mit dem Ziel, Menschen mit Unterstützungsbedarf individuell, in ihrer konkreten Lebenssituation und ihrem sozialen Umfeld die geeignete Hilfe und Assistenz anzubieten. 2018 wurden in Stuttgart, Ravensburg und Oberteuringen neue Häuser mit Wohn- und Beschäftigungsangeboten für Menschen mit Teilhabebedarf fertiggestellt - weitere befinden sich im Bau. Die Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes (BTHG) wurde in verschiedenen Gremien auf kommunaler, Landes- und Bundesebene sowie in einem Modellprojekt mit dem Bodenseekreis erarbeitet. In Liebenau öffnete eine neue kinder- und jugendpsychiatrische Tagesklinik ihre Türen. In Owingen und Weidenbach (Mittelfranken) wurde mit dem Bau neuer Häuser der Pflege begonnen. Gleichzeitig wurden und werden bestehende Einrichtungen umgebaut und modernisiert, um die Vorgaben der Landesheimbauverordnung zu erfüllen. Das erfordert Investitionen in mehrstelliger Millionenhöhe, der nicht über entsprechende Förderprogramme gedeckt wird. Diese Entwicklung wird die Frage der Finanzierbarkeit von Pflege weiter verschärfen.

 

Investitionen in Wohnen und Arbeiten

Investitionen in Höhe von 64,2 Millionen Euro flossen 2018 in Bau und Sanierung von Pflege-, Wohn- und Werkstattplätzen sowie Verwaltungsgebäuden. Demgegenüber weist der Jahresbericht Fördermittel in Höhe von rund 6,2 Mio. Euro aus. Umso wichtiger ist den Stiftungsverantwortlichen eine konservative, risikobewusste und nachhaltige Anlagepolitik, zumal aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsniveaus mit Rückgängen im Finanzergebnis gerechnet werden muss. Auch wirbt die Stiftung weiterhin um Spenden für ihre sozialen Projekte.

 

Gestiegene Personalausgaben

Die Erlöse der Stiftung Liebenau lagen mit rund 363 Mio. Euro um rund 5 Prozent über denen des Vorjahres, vor allem dank guter Auslastung der stationären Einrichtungen und hoher Nachfrage nach ambulanten Leistungen in den Aufgabenfeldern Pflege und Lebensräume sowie Gesundheit. Nach langjährigen Verhandlungen erreichte die Stiftung 2018 eine auskömmliche Finanzierung der Sonderberufsschulen und damit des Berufsbildungswerks mit seinen vielfältigen pädagogischen Angeboten. Auf der Ausgabenseite sind – bedingt durch den allgemeinen Fachkräftemangel – die Ausgaben für die Mitarbeitergewinnung, insbesondere fürs Personalleasing, gestiegen. Erhöhte Kosten verursacht der Umwandlungsprozess im Aufgabenfeld Teilhabe, mit Vorlaufkosten für neue Standorte einerseits und Strukturkosten der Stammorte andererseits.

 

Förderung von Innovation und Digitalisierung

Um neue kreative Antworten auf den sich verändernden Bedarf an sozialen Leistungen zu finden, implementierte die Stiftung 2018 ein stiftungsübergreifendes Innovationsmanagement. „Ideen für solche Antworten entstehen häufig in der konkreten fachlichen Arbeit, wenn Mitarbeitende Ansätze sehen, Produkte, Prozesse und Dienstleistungen zu verbessern und zu erneuern“, erläutert Dr. Markus Nachbaur, Vorstand der Stiftung Liebenau. „Der Realisation und Weiterentwicklung solcher Ideen möchten wir strukturell mehr Raum geben.“ Weitere einschneidende Veränderungen für die Arbeit bringt die zunehmende Digitalisierung, die in der Stiftung verstärkt vorangetrieben wurde. Bereits vor zwei Jahren hat sie zusammen mit anderen Sozialunternehmen den Verband zur Digitalisierung der Sozialwirtschaft (vediso) gegründet, um bundesweit die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Assistenzbedarf zu verbessern und soziale Dienstleister zukunftsfähig aufzustellen. Aus dem Verband heraus wurde 2018 das Start-up „mitunsleben” gegründet. Es entwickelt ein Online-Informations- und Vermittlungsportal für soziale und pflegerische Dienstleistungen, über das Menschen schnell und einfach das für sie passende Angebot finden und bewerten können.

 

Der Jahresbericht 2018 als ebook


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Anlage: Kennzahlen 2018 im Überblick

 

 

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