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Gesellschaft

Inklusion

Was die UN-Behindertenrechts-Konvention fordert, wird in der Stiftung Liebenau und ihren Tochtergesellschaften in vielfältiger Form umgesetzt und gelebt:

  • Kinder und Jugendliche etwa erfahren in Wohngruppen und Schule Begleitung, um so zu einem selbstbewussten Mitglied der Gemeinschaft heranzuwachsen.
  • Erwachsene Menschen mit einer Behinderung leben in Wohnungen und Wohngemeinschaften in Gemeinden und werden dort von Fachkräften nach ihrem persönlichen Bedarf begleitet. Ihr Leben ist geprägt von Kontakten zu anderen Gemeindemitgliedern und Aktivitäten im Umfeld. Sie werden in ihrem Sozialraum als vollwertige Gemeindemitglieder wahrgenommen.
  • Menschen, die in stationären Einrichtungen leben, erhalten vielfältige Begegnungsmöglichkeiten und Angebote, um so am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können.

 

Eines ist sicher: Inklusion verändert! Die Gesellschaft, den Einzelnen, die Institutionen.

 

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"Auf dem Weg zur Inklusion", Strategische Leitlinien für die Stiftung Liebenau und ihre Gesellschaften, finden Sie hier:

Auf dem Weg zur Inklusion

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pdf, 7 MB

Flüchtlinge

Die Bilder aus dem Jahr 2015 sind immer noch präsent. Hoffnungslos überfüllte Schleuser-Boote im Mittelmeer, Menschen, deren Flucht vorerst an Stacheldrahtzäunen oder in provisorischen Auffanglagern endete. Gut 800.000 Menschen fanden im Jahr 2015 Zuflucht in Deutschland. Flüchtlingshilfe wurde zunächst improvisiert, Grundbedürfnisse gestillt und erst nach und nach bildeten sich Organisationsstrukturen, die der Situation gerecht wurden. Dies gilt auch für die Flüchtlingsarbeit in der Stiftung Liebenau.

 

Auch hier stand die unmittelbare Versorgung mit dem Nötigsten zuerst im Vordergrund. So wurden die Kirche St. Maria und der darunterliegende Gallussaal vorübergehend zu einer Notunterkunft für bis zu dreizehn Familien aus Syrien und dem Irak. Die Familien leben mittlerweile in einer Unterkunft in Uhldingen-Mühlhofen oder in Anschlussunterbringungen im Bodenseekreis, man pflegt immer noch Kontakt. Inzwischen geht die Flüchtlingsarbeit in der Stiftung Liebenau deutlich weiter. Angefangen mit der Bereitstellung von Wohnraum in Einrichtungen der Liebenau Teilhabe und des Liebenauer Berufsbildungswerkes, werden auch Gastfamilien vermittelt. Die Bildungsangebote werden inzwischen stetig ausgebaut, Qualifikation steht an erster Stelle.

 

In Kooperation mit anderen Trägern, den Jobcentern und Kreisen gibt es darüber hinaus zahlreiche Projekte, die den Flüchtlingen einen Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglichen sollen. In der Stiftung Liebenau selbst konnten bereits in verschiedenen Aufgabenfeldern Geflüchtete beschäftigt werden.

Aminata aus Somalia

"Wir lernen alle"

Unter den geflüchteten Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten sind unzählige Minderjährige: Viele haben ihre Familien verloren oder wurden von ihnen auf die Reise geschickt. Um diesen jungen Menschen Schutz, Sicherheit und Geborgenheit in einer komplett fremden Welt zu geben, werden sie in Baden-Württemberg in Jugendhilfeeinrichtungen untergebracht oder an Gastfamilien vermittelt. Auch in den Einrichtungen der Stiftung Liebenau leben mittlerweile geflüchtete Minderjährige. Und die Ambulanten Dienste im Aufgabenfeld Stiftung Liebenau Teilhabe fungieren im Gastfamiliencoaching für derzeit 13 Familien im Bodenseekreis.

Die ersten frühlingshaften Sonnenstrahlen ermöglichen Familie Ahrens den Aufenthalt im Garten. Unvermeidlich richtet sich der Blick Richtung Bodensee, der sich diesig und leicht verschleiert unterhalb von Immenstaad ausbreitet. Auch das jüngste Familienmitglied sitzt am Tisch: die 17-jährige Aminata Jama (Name geändert) kommt aus Somalia. Über ihre mehr als einjährige Flucht ist wenig bekannt. Traurige Gewissheit ist aber, dass ihre leiblichen Eltern nicht mehr leben. Über Nacht sozusagen wurden Sibille und Gregor Ahrens zu Eltern. Im Oktober vergangenen Jahres fragten die Ambulanten Dienste der Stiftung Liebenau Teilhabe im Auftrag des Jugendamtes bei ihnen an, ob sie die junge Frau in ihrer Familie aufnehmen würden. Dann ging alles Knall auf Fall. Nach der Prüfung, ob die Familie und die Jugendliche zusammenpassen, kam eine Woche Probewohnen mit anschließender kurzer Bedenkzeit. Die Wellenlänge stimmte. „Bei Ihnen hat es von Anfang an gepasst“, meint Gülsüm Krisko, die Ansprechpartnerin von den Ambulanten Diensten im Bodenseekreis. Längst ist eine Beziehung zwischen der jungen Somalierin und dem Ehepaar Ahrens gewachsen.
 
Aminata geht täglich in die Schule, um vor allem die deutsche Sprache und die Kultur zu lernen. Der Kurs nennt sich VABO: Vorbereitungsjahr für Arbeit und Beruf ohne Deutschkenntnisse. „Am Anfang unterhielten wir uns mit Händen und Füßen“, schildert Sibille Ahrens rückblickend. Die junge Frau habe in ihrer Heimat nicht die Chance gehabt, die Schule zu besuchen. Fachkräfte stärken Familien „Wir lernen alle“, sagt Sibille Ahrens, bezogen auf die Gastfamilien, die Ehrenamtlichen, die Fachkräfte und die Geflüchteten. Sie erklärt, dass Aminata oft auch überfordert ist. Ihre Klasse hatte längst die Arbeit aufgenommen, als sie dazu stieß. Gerne hätte sie für die junge Frau eine andere Lösung, um ihr das Lernen unter weniger starkem Druck zu ermöglichen.
 
Sibille Ahrens arbeitet als Yoga-Lehrerin und im Architekturbüro ihres Mannes. Im Alltag übt sie Normalität mit Aminata, wie etwa den Umgang mit Geld oder die Verlängerung der Papiere auf dem Rathaus in Friedrichshafen, die alle drei Monate ansteht. In den Ambulanten Diensten sieht sie einen wichtigen Partner. „Das Coaching ist eine feine Sache. Ich empfinde es als große Hilfe.“ Die Entscheidungen fielen zwar in der Familie, dennoch fühle sie sich vom fachlichen Input, dem Zuspruch und der Anerkennung des Dienstes gestärkt. Neben den regelmäßigen Besuchen von Gülsüm Krisko bei den Gastfamilien bietet der Dienst im Rahmen des Gastfamiliencoachings regelmäßige Treffen für die Familien. Fortbildungen zu Themen wie Pubertät oder Trauma sollen sie stärken und sensibilisieren. Kreative Angebote, gemeinsames Kochen und Essen erleichtern den Austausch.

Unterstützung erhält Familie Ahrens auch von einer ehrenamtlich Engagierten, die mit Aminata lernt. Außerdem hilft Gregor Ahrens dem jungen Familienmitglied bei den Hausaufgaben. Familie Ahrens kann auch auf Erfahrungen bauen, die sie bei der Begleitung eines minderjährigen jungen Mannes aus Afghanistan sammelte, der vor Aminata in der Familie lebte. „Je mehr ich von der Kultur weiß, desto leichter kann ich mit der Situation umgehen“, so Sibille Ahrens. Die Offenheit füreinander, die Kommunikation miteinander und die fachliche Begleitung seien wichtige Basis für gegenseitiges Verständnis und damit für eine gelingende Integration der Jugendlichen in unsere Gesellschaft.

Informationen

In Baden-Württemberg werden unbegleitete minderjährige Geflüchtete in Gastfamilien vermittelt. Sie unterstehen bis zum 18. Lebensjahr dem Jugendamt und haben einen Vormund. Die Ambulanten Dienste der Stiftung Liebenau Teilhabe unterstützen die Familien mit Familiencoaching. Aktuell begleitet der Dienst 13 Familien. Ein Gastfamilienverhältnis wird in der Regel beendet, wenn die Jugendlichen volljährig sind und selbstständig leben wollen.
 
Kontakt


Liebenau Teilhabe gemeinnützige GmbH
Gastfamiliencoaching
Telefon +49 7541 2899-5330
gastfamilien.bodenseekreis@stiftung-liebenau.de