Stiftung Liebenau Pflege - Lebensräume Wittenhofen
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Lebensräume für Jung und Alt Wittenhofen

Lachen dringend empfohlen

DEGGENHAUSERTAL – „Spielen erwünscht. Lachen und Rumtollen wird Kindern und Erwachsenen dringend empfohlen.“ Dieses knallgelbe Hinweisschild im Infokasten der Lebensräume für Jung und Alt der Stiftung Liebenau in Wittenhofen (Deggenhausertal) zeigt, wie die Bewohner hier ticken. Das gute Miteinander ist spürbar. Und eine kräftige Portion Lebensfreude gehört hier offenbar zu den wichtigsten Hausregeln.

 

"Man trifft immer jemanden"

Ja, was bedeutet das eigentlich? Vielleicht dass man nicht alleine ist, sich aktiv einbringen kann, immer ein offenes Ohr oder eine helfende Hand findet. Dass hier mehrere Generationen – vom Neugeborenen bis zum 83-Jährigen – unter einem Dach leben. Dass man sich kennt, sich schätzt und sich begegnet. Ob im Keller, im Gemeinschaftsraum, ums Haus herum oder zwischen Tür und Angel: „Man trifft immer jemanden“, so Volker Kreidewolf. Es sind Menschen wie er und seine Frau Hildegard, die das Konzept dieser Wohnform tatsächlich auch mit Leben füllen. So kümmert sich der Rentner um die Grünanlagen rund um das Gebäude. Daher auch der Rechen, mit dem Kreidewolf auf dem besagten Foto zu sehen ist. Was das Ehepaar aus Lüdenscheid hierher verschlagen hat? Sie wollten ihrer Enkelin Jana näher sein. Das Mädchen wohnt zwar mit ihren Eltern im Nachbarort Urnau, nimmt aber auch häufig an den Angeboten in den Wittenhofener Lebensräumen bei Oma und Opa teil – und kam so auch mit aufs Stiftung-Liebenau-Foto. Der Kontakt zur Familie, die Infrastruktur vor Ort: „Es ist alles hier, was man braucht.“ Und so sind die Kreidewolfs längst heimisch geworden im Bodenseekreis: „Wir vermissen das Sauerland nicht.“

 

"Alles, was sich bewegt, wird gegrüßt. Alles, was sich nicht bewegt, wird geputzt"

Auch andere Mieter wie Bärbel und Uwe Borgwardt sind gerne in eine der 14 Wohnungen eingezogen – nicht zuletzt „weil wir unsere Katze mitbringen durften“. Bei schönem Wetter genießen sie die Abendstimmung bei einem Viertele Wein auf der eigenen Terrasse. Auch mit der Mentalität im Südwesten kommt das ursprünglich aus Berlin stammende Paar gut zurecht: „Alles, was sich bewegt, wird gegrüßt. Alles, was sich nicht bewegt, wird geputzt“, lachen die beiden. Bewohnerbeirätin Bärbel Borgwardt war übrigens auch diejenige, die das launige Hinweisschild mit dem Aufruf zur Lebendigkeit platzierte.

 

Gute Nachbarschaft mit Haus der Pflege

Apropos Nachbarschaft. Auch zum Haus der Pflege St. Sebastian nebenan ist der Kontakt gut. Der Garten zwischen den Häusern wird gemeinsam genutzt, manche Lebensräume-Bewohner gehen rüber zum Mittagessen. Und im Fall der Fälle ist auch ein Umzug ins ebenfalls zur Stiftung Liebenau gehörende Haus der Pflege möglich, ohne sein bisheriges Umfeld verlassen zu müssen. Andererseits schauen die Heimbewohner auch gerne mal hier in den Lebensräumen vorbei, etwa zum wöchentlichen „Café der Begegnung“. Häufiger Gast: Henri Defontis, ebenfalls ein bekanntes „Fotomodell“-Gesicht und von seinen Bekannten liebevoll „Turbo-Opa“ genannt. Ja, er sei tatsächlich „immer unterwegs“, sagt der 80-Jährige. Und das trifft auch auf seine bewegte Vita zu. Von der Karibikinsel Martinique stammend, war er als französischer Soldat in mehreren afrikanischen Ländern im Einsatz und dann unter anderem in Weingarten und Radolfzell stationiert. Nach seinem Ausscheiden aus der Armee 1968 blieb er in Deutschland und arbeitete bei der Firma Schiesser. Und jetzt als Rentner ist er schließlich in Deggenhausertal gelandet. „Das ist das Leben“, meint Defontis.

 

„Ein Geben und Nehmen“

Doch auch im Alltag greift man sich in allen Lebenslagen unter die Arme. Sei es, wenn Unterstützung bei einer Bestellung im Internet gebraucht wird oder mal ein Fahrdienst gefragt ist. „Es ist immer jemand da, wenn ich Hilfe brauche“, sagt Irma Schreibmüller, und Bärbel Borgwardt bestätigt: „Wenn man andere fragt, wird man kein Nein hören.“ Hildegard Kreidewolf ergänzt: „Es ist immer ein Geben und Nehmen.“ Man zieht hier an einem Strang. Auch, wenn es um den gemeinsamen Ärger geht, dass den Lebensräume-Bewohnern im Zuge einer Straßenumstrukturierung demnächst eine neue Adresse verpasst wird. „Säge 3“ statt wie gewohnt „Schulweg 10“ wird es hier bald heißen. Den entsprechenden Protestbrief an die Gemeinde haben alle unterschrieben. Ansonsten stört die Bewohner nicht viel. Das bunte Treiben ums Haus, laut spielende, lachende und rumtollende Kinder – siehe Schild – sowieso nicht. Und so sprechen die Kreidewolfs nicht nur für sich, wenn sie sagen: „Wir haben noch keinen Tag hier bereut.“

 

Text und Bild: Christof Klaus