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Ausbildung im Zeichen der Inklusion

RAVENSBURG – Bei den „BBW-Open“ im Berufsbildungswerk Adolf Aich (BBW), gab es gleich mehrfach Grund zum Feiern: Nach zweijährigem Verzicht konnte in der Einrichtung der Stiftung Liebenau wieder zum „Tag der offenen Tür“ geladen werden. Pünktlich zum 40-jährigen Bestehen und im Rahmen der Ravensburger Inklusionstage, gaben Azubis und Ausbildende einen Einblick in die 52 angebotenen Ausbildungsberufe und das facettenreiche Angebot. Mehr als 1 200 Gäste durften sie in ihren Werkstätten und Ausbildungsräumen begrüßen.

Allerlei Infos gab es rund um die Ausbildungsberufe und -maßnahmen beim „Markt der Möglichkeiten“.

Nahmen beim BBW Open auf dem Podium Platz (v. li.): Geschäftsführer Herbert Lüdtke, Stadträtin Ingrid Brobeil-Wolber und Dorothea Court (Leiterin Jobcenter).

Wer bei den Zimmermännern vorbeischaute, durfte sein Glück am Nagelbaum versuchen.

Eine erste Einweisung zum Baggerfahren gefällig?

Wer sich traute, durfte die Himmelsleiter erklimmen.

Andre Werkmeister aus der KfZ-Abteilung war der Ansprechpartner für Autonarren.

T-Shirt mit Wunschmotiv stand ebenfalls auf dem Programm.

Staunen, was so alles aus einem 3-d-Drucker kommen kann...

Fabian entdeckt die Möglichkeiten

Einmal im Jahr wird das Foyer des BBW zum „Markt der Möglichkeiten“. Dann gleicht der großzügige Innenraum einer Messehalle, Infostände reihen sich aneinander und einzelne Ausbildungsbereiche präsentieren ihre handwerklichen Erzeugnisse oder führen in ihren Fachbereich ein. Fabian Schulz ist in diesem Jahr zum ersten Mal dabei. Der Auszubildende zum Fachinformatiker lehnt an einen mannshohen Touchscreen, auf dem ein Computerspiel abläuft, das an die goldenen Zeiten der Jump- & Run-Spiele der 1990er Jahre erinnert. An seinem Infostand geht es aber nicht nur ums Daddeln. „Wir haben eine interaktive Präsentation zum Thema ´Deep Fakes´ erstellt. Das sind manipulierte Videos, in denen, mithilfe von künstlicher Intelligenz, Gesichter verfremdet und Stimmen imitiert werden können“, sagt der Azubi im ersten Lehrjahr. Wer sich durch die Präsentation und die Erklärvideos geklickt hat, kann sein neu erworbenes Wissen anschließend in einem Test auf die Probe stellen. „Später möchte ich gerne in der Schweiz arbeiten. Ich mag das Land, und die Bezahlung ist da auch besser“, sagt Fabian Schulz mit einem Schmunzeln. Vor seiner Ausbildung im BBW hat ihm eine solche Perspektive gefehlt. „Aufgrund von persönlichen Problemen habe ich längere Zeit gar nicht gearbeitet, jetzt habe ich hier genau mein Ding gefunden.“

 

Neue und alte Gesichter am Infostand

Unterstützung bei den Herausforderungen rund um die Ausbildung finden die Azubis bei den Bildungsbegleitern. Auch die informieren auf dem „Markt der Möglichkeiten“ über Ausbildungsangebote und unterstützenden Maßnahmen, die es den Jugendlichen mit Teilhabebedarf, Autismus oder psychischen Problemen einfacher machen, den Alltag rund um die Ausbildung zu organisieren. Eine von ihnen ist Franziska Eggert, die den Infostand betreut. „Das BBW Open ist für uns die beste Gelegenheit, Gespräche mit interessierten Eltern und künftigen Auszubildenden zu führen und sie persönlich beraten zu können“, sagt sie. Neben den Azubis der Zukunft trifft sie hier aber auch immer wieder auf bekannte Gesichter. „Es ist besonders schön zu sehen, wie viele ehemalige Auszubildende uns am Stand besuchen, welche Entwicklung sie genommen haben, und, dass sie nun mit beiden Beinen fest im Leben stehen“, so Franziska Eggert.

 

Wissen macht Spaß

Einer, der auf dem Sprung dazu ist, steht im Innenhof des BBW auf einer Übungsbaustelle. Adrian Koch gibt hier, zur Begeisterung vieler junger Baumeister, die mit ihren Eltern über das Gelände schlendern, Einführungskurse im Baggerfahren. „Es macht riesigen Spaß, sein Wissen weitergeben zu können und zu zeigen, was wir draufhaben“, sagt der angehende Garten- und Landschaftsbauer. Ihm ist aber auch wichtig, dass Garten- und Landschaftsbau mehr als Baggerfahren ist. „Wir bauen Gärten und Terrassen, kennen uns mit Pflanzen aus, können Teiche anlegen und sind immer an der Luft, das ist schon sehr vielfältig“, erklärt Adrian Koch. Dass er, kurz vor seiner Abschlussprüfung, so entspannt durch die improvisierte Baggerfahrschule führt, hat einen einfachen Grund, wie er stolz erzählt: „Meinen Arbeitsvertrag habe ich schon in der Tasche. Nach einem Praktikum in meiner Heimatstadt Lörrach, wollte der Betrieb mich gleich übernehmen. Das passt perfekt.“

 

Fit für den Arbeitsplatz der Zukunft

Nicht weniger als eine technische Zeitreise erwartet die Gäste im KFZ-Bereich. Passend zum 40-jährigen Geburtstag des BBWs, konnten gleich zwei Mercedes der S-Klasse bestaunt werden. Besonderheit: Zwischen den Baujahren lagen genau 40 Jahre Automobilgeschichte. „Wir wollen ganz anschaulich darstellen, was sich technisch in den letzten 40 Jahren getan hat. Vom klassischen Verbrenner, zum Elektroauto mit Rundum-Kamera, Live-Displays und Internetverbindung“, sagt Andre Werkmeister, Betriebsleiter im KFZ-Bereich. Modelle wie die aktuelle S-Klasse, übrigens eine Leihgabe des Autohauses Riess in Ravensburg, werden in der Werkstatt des BBW natürlich nicht repariert. „Dafür fehlt es an Spezialgeräten und technischer Ausstattung. Mit den entsprechenden Weiterbildungen sind unsere Azubis aber selbstverständlich dazu in der Lage, auch in der automobilen Zukunft ihren Arbeitsplatz zu finden“, so Andre Werkmeister.

 

BBW ist Inklusionsschlüssel in der Region

Um die Perspektiven der Auszubildenden geht es am Nachmittag auch in einem Podiumsgespräch, zu dem Geschäftsführer Herbert Lüdtke geladen hatte. Mit den Ehrengästen Dorothea Court, Leiterin des Jobcenters, und der Stadträtin Ingrid Brobeil-Wolber (Bündnis 90/Die Grünen), ergibt sich eine interessante Diskussion über die Durchlässigkeit des Arbeitsmarktes für Menschen mit Unterstützungsbedarf und den Einfluss sozialer Einrichtungen auf die Inklusionsfreudigkeit der Bevölkerung. „Das BBW trägt, mit ähnlichen Einrichtungen verschiedener Träger im Bereich der Teilhabe, in Ravensburg dazu bei, dass Inklusion als selbstverständlich begriffen wird. Menschen mit Behinderungen gehören bei uns zum normalen Stadtbild - und so soll es doch sein“, sagt Brobeil-Wolber. Den Ball nimmt Geschäftsführer Lüdtke gerne auf. „Wir möchten auch in Zukunft Inklusionsschlüssel für junge Menschen mit Unterstützungsbedarf bleiben und sie erfolgreich in den Ersten Arbeitsmarkt vermitteln“, so Lüdtke. Wenn das weiterhin so gut gelingt, darf sich Bildungsbegleiterin Franziska Eggert auch künftig auf die Besuche ehemaliger Azubis freuen, die ihren Weg gemacht haben und mitten im Leben stehen.

 

 

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