Tiefe Verbundenheit
Über dem Tisch in ihrem Zimmer hängen zahlreiche Fotos: Von ihrem Mann Willi, von ihm und ihr bei der Hochzeit, bei der Silberhochzeit, bei der Goldenen Hochzeit. „Wenn man sich liebgehabt hat, trägt man den anderen im Herzen.“ Die Frau, die seit einem Schlaganfall im vergangenen Jahr auf den Rollstuhl angewiesen ist, wollte aber auch eine sichtbare Erinnerung tragen: Ein Tattoo mit wichtigen Daten von ihrem Mann und von sich. Mitbewohnende des Haus der Pflege St. Konrad in Kressbronn zollen ihr Bewunderung dafür, dass sie es realisiert hat.
Ein Blick genügte
Nach ihrer Schulzeit arbeitete sie unter anderem in der Gastronomie. 1967 traf sie eines Sonntags ihren späteren Mann. Im Gasthaus „Kapelle“ in Kressbronn. „Ein Blick, das hat genügt, um zu wissen, das ist der Richtige“, schildert sie ihre Gefühlslage. Ihm ging es genauso. „Er war freundlich und gesellig und hatte blondes Haar“, beschreibt ihn Helma Storms. Er kam aus Tettnang, war eher klein, sie etwas größer.
Warten bis zur Volljährigkeit
Die Verlobungszeit folgte. Da sie von der alleinerziehenden Mutter keine Unterschrift zur Hochzeit erhielt, mussten sie mit der Heirat bis zu ihrer Volljährigkeit warten, die man bis 1974 erst mit 21 Jahren erlangte. Diese fiel dann auf den 4. Juni 1971. „Meinen 21. Geburtstag haben an dem Tag alle vergessen“, schmunzelt sie. Sie selbst war deswegen nie gram, war das Hochzeitsereignis doch ein viel Gewichtigeres.
Einen „Filmstar“ zum Ehemann
Das Paar zog nach Langenargen in das Haus, in dem auch die Mutter und die Großeltern wohnten. Willi Storms war gelernter Maler. Nach einigen Jahren Berufstätigkeit in einem Betrieb arbeitete er bis zur Rente bei der ZF in Friedrichshafen. „Er wollte eine Lebensstellung“, begründet Helma Storms. Sie selbst arbeitete auch fast zeitlebens.
Ein Chef habe sie eines Morgens begrüßt mit: „Frau Storms, Sie haben ja einen Filmstar zum Mann.“ Tatsächlich hatte Willi Storms als Zwölfjähriger eine Rolle im Film „Heiße Ernte“, der 1956 in Tettnang gedreht und in Ravensburg uraufgeführt wurde. Zwar musste er nur die drei Worte „Jawohl, Herr Stammer“ sagen, aber die Filmcrew hätte ihn gerne engagiert und nach München in die Bavaria Filmstudios mitgenommen.
Ausgefüllte Freizeit
Sie seien „viel fortgegangen“. Beide waren Mitglied im Narrenverein Tettnang. Auf dem Motorrad reisten sie etwa durch Amerika. Sie zählt auch nähere Ziele wie Österreich und die Fränkische Schweiz auf. Gerne denkt Helma Storms an die gemeinsame Zeit. In der Bombennacht von Friedrichshafen am 28. April 1944 wurde ihr Mann einen Monat zu früh geboren. Am 14. April 2023 verstarb er zu Hause, nach vierjähriger Krankheit. In der Zeit brauchte er intensive Pflege. Sein Sterbebild ziert ein Foto mit der Alten Oberdorfer Brücke über die romantische Argen, wo er gerne mit dem Motorrad fuhr. Den Arm von Helma Storms zieren seine und ihre Daten. Nur die Rosen fehlen noch, die aber schon bald an die Hochzeit erinnern werden. „Denn“, so sagt die 76-Jährige, „bei unserer Hochzeit gab es nur Rosen.“ Man kann es als Sinnbild sehen.

