New Work: Struktur, Selbstorganisation und echte Vereinbarkeit
Das New Work-Konzept in den Häusern der Pflege basiert auf klaren Zuständigkeiten, verbindlichen Kommunikationswegen und einem multiprofessionellen Alltagsteam. Diese Struktur schafft Flexibilität, ohne die Qualität der Pflege zu beeinträchtigen. Die Aufgabenverteilung nach Qualifikationsmix ermöglicht Mitarbeitenden, ihren Arbeitsalltag selbstorganisiert zu gestalten – ein zentraler Baustein für moderne Vereinbarkeit.
Baby Linus im Pflegealltag
Christiane Vogel kehrte wenige Monate nach der Geburt ihres Sohnes Linus zurück in die Arbeit. Ihr Baby begleitet sie regelmäßig ins Büro und ist im Team längst angekommen. Linus zeigt sich ruhig, neugierig und offen gegenüber Bewohnern. Die Kolleginnen und Kollegen beziehen ihn selbstverständlich in Pausen ein – ein Beispiel dafür, wie Teamgeist und New Work ineinandergreifen. Vogel betont, dass klare Strukturen und Prioritäten ihr helfen, sowohl Führungsaufgaben als auch Elternschaft zu leben. Selbst anspruchsvolle Situationen wie Audits oder MD‑Besuche meistert sie mit Kind an ihrer Seite. „Unser letzter Bericht des Medizinischen Dienstes ist sogar noch besser ausgefallen als bisher – und das trotz meinem Kind“, so Vogel.
Win-Win-Situation
Auch Pflegefachkraft Mary La Mendola nutzt die Möglichkeit, ihre kleine Tochter Sofia mit zur Arbeit zu bringen. Das Haus der Pflege St. Antonius in Vogt im Landkreis Ravensburg zeigt damit, dass familienfreundliche Arbeitsmodelle nicht nur für einige wenige gelten. Vor allem nach Mutterschutz und Auszeit kann das Elternteil wieder sanft in den Beruf einsteigen. Einrichtungsleiterin Barbara Birnbaum freut sich über den jungen Besuch. „Sofia ist so lieb, die Bewohner sind hin und weg von der Kleinen. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Wir haben ihr sogar schon einen Laufstall aufgestellt, damit sie uns und wir sie sehen können. Gerade das Know-how, das junge Mütter mitbringen, muss bei uns bleiben und darf nicht abwandern, nur weil die Arbeitsbedingungen zu starr sind.“
Haltung statt Vorurteile
Dass so ein Modell nicht für jede Art von Job geeignet ist, das ist klar. Wo es jedoch möglich ist und der Mitarbeitende es sich vorstellen kann und explizit wünscht, wird dies unterstützt. So auch im Ulmer Olga und Josef Kögel Haus. Das New Work Konzept schafft dafür den organisatorischen Rahmen – und eine Kultur, die Vereinbarkeit nicht bewertet, sondern ermöglicht.
Generationen im Austausch
Linus wird seine Mutter noch einige Monate begleiten, bevor er in die Krippe geht. Auch Vogels 12-jährige Tochter Amelie besucht das Haus schon von klein auf regelmäßig. Bewohnerinnen und Bewohner schätzen die Begegnungen mit Kindern und Jugendlichen. „Dies ist ein Bestandteil des Hauses, der zeigt, dass Pflegeeinrichtungen Orte des Miteinanders sein können“, meint auch Einrichtungsleiterin Carolyn Thomas.


