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Zwei Jahre Boarding Center: Gelungene Ankunft der Pflegefachkräfte von morgen

Friedrichshafen – Stark vom demografischen Wandel und vom Fachkräftemangel betroffen steht die Altenpflege in Deutschland vor immensen Herausforderungen. Um ausländischen Arbeitskräften die Ankunft in Deutschland zu erleichtern und sie bei ihrer Integration zu unterstützen, hat die Stiftung Liebenau vor zwei Jahren in Friedrichshafen das Liebenau Boarding Center (LBC) für internationale Pflegekräfte gegründet. Begleitet werden sie bis zur bestandenen Prüfung als Pflegefachkraft in Deutschland. Finanziell unterstützt wird das LBC von der Eugen und Irmgard Hahn Stiftung.

Eine Gruppe junger Menschen sitzt zusammen

Feierabend im Liebenau Boarding Center in Friedrichshafen (v. li.): Edwin Doloeras, George Tubo, Justin Luminarias und Erika Jumawid.

Drei Menschen stehen in einer Küche und schöpfen Essen

Am Abend wird in der Küche des Liebenau Boarding Centers oft gemeinsam gekocht (v. li.): Cyrill Simborio, Charmagne Luganilla und Edwin Doloeras.

Eine Gruppe steht an einer Theke und lächelt in die Kamera

v. li.: Justin Luminarias, Charmagne Luganilla, Erika Jumawid, Cyrill Simborio und George Tubo sind am 1. September 2025 von den Philippinen im Liebenau Boarding Center in Friedrichshafen angekommen. Unterstützt werden sie von Edwin Doloeras und Koordinator Rainer Schmalzried.

Ehemaliges Hotel

Im ehemaligen Hotel Zeppelin in Friedrichshafen herrscht reges Leben. Auf dem Herd in der Küche kocht der Reis, in der Pfanne brutzelt Gemüse. Im Aufenthaltsraum sitzt man zusammen, redet, lacht, tauscht sich über den Arbeitstag in der Altenpflege aus oder trifft sich per Video-Call mit den Verwandten im Heimatland. Im Herbst 2023 hat die Stiftung Liebenau das Haus als Standort des Liebenau Boarding Centers (LBC) erworben. In Einzel- und Doppelzimmern bietet das ehemalige Hotel auf drei Etagen Wohnraum für insgesamt 37 angehende Pflegefachkräfte aus dem Ausland.

 

Ankommen

„Seit Projektstart sind hier 50 Menschen angekommen. Je nach Einsatzort wohnen sie nur eine Woche oder bis zu einem Jahr hier“, berichtet Koordinator Rainer Schmalzried. Aktuell leben 25 Menschen im LBC. Sie kommen hauptsächlich von den Philippinen, aber auch aus Indien, Ruanda, Benin oder Kamerun. Tätig sind sie sie in der Liebenau Pflege in Friedrichshafen, Immenstaad, Eriskirch, Oberteuringen, Ravensburg und Weingarten. Vorteile bietet das LBC sowohl für die Menschen aus dem Ausland als auch für die Stiftung Liebenau. „Vor allem kurz nach der Ankunft lässt sich für uns vieles bündeln“, erläutert Schmalzried. So stehen für die angehenden Pflegekräfte Behördengänge an, sie brauchen ein Bankkonto, eine Steuernummer, einen Handyvertrag und müssen sich bei der Krankenkasse anmelden.

 

Kümmerer

Inzwischen bekommt Rainer Schmalzried Unterstützung. Gern nimmt Edwin Doloeras, der im Frühjahr 2023 von den Philippinen nach Deutschland gekommen ist, die Neuankömmlinge an die Hand. Er kann sich noch gut daran erinnern, wie es ihm am Anfang ergangen ist. „Es war eine tolle Erfahrung, als wir am Flughafen mit einem Willkommensschild abgeholt wurden“, erzählt er. Inzwischen ist er im LBC als Kümmerer nicht nur für seine Landsleute, sondern auch für Menschen anderer Nationalitäten ein wichtiger Ansprechpartner. „Ich gehe zum Beispiel mit ihnen zur Bank oder zeige ihnen, wie der Müll getrennt wird.“ Organisiert hat Doloeras im Haus auch eine schwäbische Kehrwoche. „Wir machen in der Freizeit gemeinsame Ausflüge oder einen Spaziergang am Bodensee.“ Das helfe nicht zuletzt gegen mögliches Heimweh. Im Grunde sei die Gemeinschaft im LBC eine Ersatzfamilie.

 

Willkommen

„Es ist sehr hilfreich, wenn man bei der Ankunft eine Wohnung hat, jemanden, der einem mit den Dokumenten hilft und die Regeln hier in Deutschland erklärt“, sagt George Tubo, der im September zusammen mit 28 weiteren Philippinern im LBC angekommen ist. Ebenso wie Justin Luminarias, Charmagne Luganilla, Erika Jumawid und Cyrill Simborio schätzt auch er die Infrastruktur. „Der Bahnhof ist gleich in der Nähe, außerdem ein Bäcker und ein Supermarkt“, schildert Luminarias. Zufrieden sind die Pflegefachkräfte von morgen auch mit ihren Zimmern. Dabei registrieren sie auch scheinbare Kleinigkeiten. „Es war sehr schön, als bei meiner Ankunft bereits mein Name an der Tür stand“, erinnert sich Erika Jumawid.

 

Positives Fazit

Die Unterkunft im LBC ist laut Schmalzried bei der angespannten Wohnungslage unbezahlbar. Seien die Grundbedürfnisse befriedigt, könnten sich die Menschen den Anforderungen von Arbeit, Schule und Sprache viel besser stellen. Nach zwei Jahren LBC zieht Schmalzried ein positives Fazit: „Es ist auf jeden Fall ein Erfolgsprojekt. Aber es ist auch eine riesige Aufgabe, jemanden gut zu integrieren.“ Das LBC vergleicht er mit einem abfahrbereiten Zug, in den die angehenden Fachkräfte einsteigen können. Natürlich werde auf der anderen Seite erwartet, dass sie sich engagieren.

 

Sprache

Dabei sind Sprachkenntnisse für Rainer Schmalzried das A und O. Aus diesem Grund biete die Stiftung Liebenau in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Friedrichshafen samstags einen Sprachkurs mit Schwerpunkt auf Pflegevokabular an. „Die Menschen kommen zwar mit dem Sprachniveau B2 hier in Deutschland an, und trotzdem reichen diese häufig nicht aus“, so seine Erfahrung. Auf die Frage nach ihren Zielen und wo sie sich in fünf Jahren sehen, ist für die fünf Neuankömmlinge klar: „Wir wollen unsere Ausbildung zur Pflegefachkraft abgeschlossen haben.“ Auch für sie steht das Ziel, besser Deutsch zu sprechen, ganz oben. „Ich möchte Geld sparen, meine Familie unterstützen und hier in Europa viele Orte kennenlernen“, blickt Erika Jumawid positiv in die Zukunft.

 

Mehr Infos zum Projekt der Eugen und Irmgard Hahn Stiftung gibt es auch hier >.

 

 

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