Miteinander kommunizieren
Im Foyer des Hauses der Pflege St. Josef ist richtig was los. Kinder der Klasse 3a und Senioren sitzen gemeinsam um Tische. Sie singen Lieder, haben Spaß bei einem Quiz mit Sprichwörtern, malen und basteln oder spielen eine Runde „Mensch ärgere dich nicht“. So vergeht der Vormittag wie im Flug. Dabei ist jeder Schüler einem Senior zugeordnet und übernimmt für ihn eine Art Patenschaft.
Gegenseitige Wertschätzung
„Ich hätte nicht gedacht, dass alte Menschen auch so viel Spaß haben können“, stellt Nico nach vier Tagen im Haus der Pflege fest. Sie hätten den Senioren eine Freude gemacht und dabei auch selbst eine gute Zeit gehabt und so einiges gelernt, ergänzt Teoman. „Mir hat es sehr gut gefallen.“ Anfangs seien alle noch etwas zurückhaltend gewesen, aber mit jedem Tag hätten sich sowohl Kinder als auch Bewohner mehr geöffnet. „Das ist ein großer Vorteil des mehrtägigen Projekts“, sagt Lehrerin Bettina Mohn. Sie wünsche sich viel mehr Begegnungen dieser Art zwischen den Generationen, bei denen Jung und Alt gegenseitige Wertschätzung, Verbundenheit und Freude erleben können. „Wir wollen die Aktion auf jeden Fall wiederholen“, so Bettina Mohn.
Keine Berührungsängste
Margarida Kaufmann-Mendes leitet den Bereich Betreuung im Haus der Pflege St. Josef und spricht von einer Win-Win-Situation für alle Beteiligten. „Unsere Bewohner fühlten sich teilweise in die eigene Kindheit zurückversetzt und freuten sich auf jeden Tag“, schildert sie. Die Kinder seien mit den Senioren sehr unkompliziert umgegangen und hätten keine Berührungsängste gezeigt. „Dabei waren sie sehr höflich und freundlich.“ Wichtig sei ihr gewesen, dass auch Menschen mit beginnender demenzieller Erkrankung dabei sein konnten. Zum Beispiel habe das Anschauen alter Fotos bei den Bewohnern wieder einiges in Erinnerung gerufen. „Diese Woche war für unsere Bewohner eine echte Bereicherung“, so ihr Eindruck.
„Wunderschöne Abwechslung“
Das können die beiden Senioren Hermann Mertens und Karoline Ehlers nur unterschreiben. „Es war eine wunderschöne Abwechslung. Ich habe mich 50 oder 60 Jahre jünger gefühlt“, sagt Mertens. Besonders positiv sieht er den intensiveren Kontakt mit den drei Kindern an seinem Tisch. Karoline Ehlers hat sich vor allem über das Interesse der Kinder gefreut. „Sie haben gefragt, wir haben erzählt und die Atmosphäre wurde mit jedem Tag wärmer.“ Besonders freut sich Ehlers über das Filzherz, das sie von einem Mädchen geschenkt bekommen hat.
Abschluss
Zum Abschluss der lebendigen Begegnungswoche verteilten die Schulkinder eine rote Rose an jeden. Ganz selbstverständlich bringt ein Junge seiner Seniorin den Rollator und ein anderer Junge schiebt seine ältere Dame im Rollstuhl in Richtung Aufzug. Für alle Beteiligten ist am Ende der Woche klar, dass sie das Projekt auf jeden Fall fortsetzen wollen.
