Freude für die anderen
Wer sie sucht, findet die zierliche Frau mit hoher Wahrscheinlichkeit bei der Lourdes-Grotte. Und tatsächlich: Dort werkelt Maria Breisinger mit Rechen, Eimer und Kehrschaufel, recht das fallende Laub zusammen, glättet den Weg etwas von Steinchen und schmückt die altarartige Grotte. Etwas tiefer gelegen stehen drei Bänke, die im Schatten zum Verweilen einladen. Kein Blättchen entgeht ihren wachen Augen. Das Resultat fällt auf. Die Freude darüber, dass die Grotte und das weitere Umfeld so schmuck aussehen, würden ihr die Leute mitunter sehr positiv zurückmelden.
Grotte mit Geschichte
Zwischenzeitlich hat sie auch für eine kleine Info-Tafel gesorgt, für die Menschen, die mehr über die Grotte erfahren wollen – was durchaus öfters vorkommt. 1930 eröffneten die Pallottiner das Spätberufenen-Seminar „St. Josef Hersberg“. Schüler begannen noch im gleichen Jahr mit dem Bau der Lourdes-Grotte. Das Tourismusbüro Immenstaad stellte die Tafel, die Pallottiner-Pater die Informationen dazu.
Bruder in der Nachbarschaft
Vor knapp zwei Jahren ist die Badenerin von Lörrach nach Hersberg gezogen. Ihr Haus, wo sie mit ihrem Mann drei Kinder großzog, tauschte sie mit ihrer Wohnung auf dem Hersberg: Die Kinder waren längst aus dem Haus, ihr Mann vor einigen Jahren verstorben. Als ihr jüngerer Bruder, ein Pallottiner-Pater, von seiner Wirkungsstätte Wien nach Hersberg umzog, stieß sie über einen Prospekt auf die Wohnungen im Haus St. Vinzenz Pallotti. Zum Schloss Hersberg hatte sie ohnehin langjährige Verbindung, weil ein Sohn hier die Schule besuchte. Der Umzug war daher rasch beschlossen. Heute fühlt sie sich in der 80-Quadratmeter-Wohnung sehr wohl. Alles ist – wie an der Grotte – gepflegt, stimmig und einladend eingerichtet. Auch die Beete um ihre Terrasse sind liebevoll gestaltet.
Im Hier und Jetzt
Der Umzug sei ihr nicht sehr schwergefallen, was sie selbst ein wenig verwundert habe. Überhaupt scheint sie im Hier und Jetzt zu leben. Mit ihrer Heimat Lörrach habe sie abgeschlossen. Zumal auch viele Bekannte und Freunde nicht mehr leben. Sie selbst ist ausgesprochen mobil. Vor Ort macht sie gerne zusammen mit dem Bruder ausgedehnte Spaziergänge von zwei Stunden – wie kürzlich „nach Hagnau über den Berg und zurück“, schildert sie und zeichnet dabei den Weg mit ihren Armen nach. Sie besucht gerne die Konzerte der beiden Orchester, in denen ihr Bruder Geige spielt. Den jüngsten Sohn, der nach Tätigkeiten in Washington und Kairo seit fünf Jahren mit seiner Familie in Kenia lebt, hat sie dort schon drei Mal besucht.
Spaß und Aufgabe zugleich
Die Pflege der Grotte ist für Maria Breisinger Spaß, Aufgabe, Ausgleich und Bewegung zugleich. Sich an der frischen Luft körperlich zu betätigen und zugleich anderen eine Freude zu machen, das sieht sie als ihre Aufgabe. „Die Menschen, die diesen Ort besuchen, sollen schließlich einen einladenden gepflegten Platz für ihren Rückzug vorfinden“, sagt Breisinger mit einem Lächeln. Wenig später wartet schon wieder das frisch gefallene Laub, das zusammengefegt werden möchte, bevor die nächsten Besucher kommen.

