Positive Ausstrahlung
Wenn man Christa Kuisl begegnet, merkt man sofort, dass man es mit einer besonderen Person zu tun hat. Ihre positive Ausstrahlung färbt regelrecht auf einen ab. Die enorme Präsenz lässt sich hinter der kleinen, zierlichen Dame zunächst so gar nicht vermuten. Wir machen es uns in einer Sitzecke des Olga und Josef Kögel Hauses bequem. Beim Gang dorthin erschallt ein „Hallo Frau Kuisl, wie geht´s?“ oder „Ach, Frau Kuisl, sind Sie auch wieder da?“. Doch heute ist sie mal nicht diejenige, die die anderen unterhält, sondern heute darf sie selbst über sich erzählen.
Lebensweg
Christa Kuisl hat schon viel erlebt, mit ihren unglaublichen bald 90 Jahren. Die gebürtige Hannoveranerin kam ganz unverhofft ins Schwabenland. Als Büroangestellte bei einer großen Firma hatte sie die Gelegenheit erhalten, mit in eine neue Niederlassung nach Mannheim zu kommen. 1961 entdeckte sie auf einer Weihnachtskarte mit Stadtansicht das schöne Ulm und beschloss: „Das sieht schön aus, da möchte ich hin!“ Gesagt, getan – die passende Stelle bekam sie zeitgleich angeboten. In Ulm lernte sie ihren Ehemann kennen, und auch ihre zwei Töchter kamen hier zur Welt. Diese waren für sie Antrieb, kreativ zu werden. Sie spielte mit ihren damals kleinen Kindern Kasperle. So fing sie an, eigene Stücke zu schreiben. Im Stadtteil Wiblingen, wo die Familie zwischenzeitlich sesshaft geworden war, gab es seinerzeit nicht viele Informationsmöglichkeiten und so gründete sie 1988 das Stadtteil-Blättchen „D'r Wibling'r“, das immerhin zehnmal im Jahr erscheint – seit 2013 unter dem Namen „Wiblingen aktuell“, für das sie immer noch tätig ist.
Zum Engagement gekommen
Übrigens Ehrenamt – das Wort mag Christa Kuisl so gar nicht: „Ich möchte ja nicht geehrt werden und in den Vordergrund treten. Ich bin bürgerschaftlich engagiert!“ Und damit hat sie gar nicht so unrecht, denn engagierte Menschen bleiben meist im Hintergrund, sie wollen helfen und Gutes tun und das uneigennützig für andere.
Gefragt, ob sie angesichts ihres kommunikativen Talents nicht mal mit Seniorinnen und Senioren was machen möchte, war Kuisl sofort angetan. Und so begann sie nach der Corona-Pandemie als „Märchentante“, wie sie selbst sagt, im Haus der Stiftung Liebenau vorzulesen. Das Repertoire hat sich inzwischen auf Lesen, Vorlesen, Spielen und auch Singen ausgeweitet. Oftmals besuchen bis zu 15 Bewohnerinnen und Bewohner ihre Angebote und machen mit Begeisterung mit. Alle zwei Wochen, etwa eine Stunde nachmittags, nimmt sie sich die Zeit. „Ich bin wie eine Freundin in diesem Haus“, sagt sie, denn sie sieht sich nicht als Außenstehende.
Nachfolge gesucht
„Jetzt werde ich bald neunzig und ich suche schon seit längerem jemanden, der mich irgendwann ablöst. Es wäre schade, wenn die Nachmittage irgendwann ausfallen, wenn ich nicht mehr bin“, so ihr Wunsch. Die Suche nach bürgerschaftlich Engagierten gestalte sich oft schwierig, da viele Menschen mit Beruf, Familie, Hobbies oder Betreuung anderweitig eingespannt wären, sagt sie. Was sollte denn jemand mitbringen? „Spaß am Umgang mit älteren Menschen, Kreativität und Verlässlichkeit wären gute Eigenschaften. Arbeitsmaterial für den Anfang wäre genügend da, um erst einmal starten zu können“, sagt sie. „Jemanden als meine Nachfolge zu finden, das wäre mein größtes Geburtstagsgeschenk.“ Vielleicht geht er ja in Erfüllung.
Information
Wer sich für die Nachmittage oder andere ehrenamtliche Tätigkeiten im Olga und Josef Kögel Haus interessiert, darf sich gerne melden bei: Carolyn Thomas, Einrichtungsleitung, Telefon 0731/921579-104 oder carolyn.thomas(at)stiftung-liebenau.de.

