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Sehen, riechen, schmecken und erinnern: Ein Garten für Menschen mit Demenz

Tettnang – Bis vor ein paar Jahren führte der Garten mit Zugang von der Demenzstation im Haus der Pflege St. Johann der Stiftung Liebenau ein eher stiefmütterliches Dasein. Inzwischen ist hier ein schöner Demenzgarten entstanden, in dem die Bewohnerinnen und Bewohner immer wieder an ihre Erinnerungen anknüpfen und neue Dinge entdecken können. Im Rahmen der Woche der Demenz, die in diesem Jahr vom 21. bis zum 27. September stattfindet, stellen wir das Konzept des besonderen Gartens vor.

 

Zwei Frauen gehen auf einem sonnigen Gartenweg zwischen Wohngebäuden; eine nutzt einen Rollator, die andere begleitet sie.

Ein geschützter Bereich mit Blumen, Zier- und Nutzpflanzen: Im Haus der Pflege St. Johann in Tettnang wurde ein Garten für Menschen mit Demenz liebevoll angelegt.

Sinne anregen

An der geschützten, sonnigen Hauswand recken sich Tomatenpflanzen in die Höhe. Daneben ist ein Bereich für Kartoffeln angelegt. In Beeten wachsen Kräuter, Blumen und Stauden. Bänke laden zum Verweilen ein und vom Brunnen ist das Plätschern des Wassers zu hören. „Gerade bei den Nutzpflanzen werden Erinnerungen an den eigenen Garten von früher geweckt“, weiß Kerstin Roch, die für den Sozialdienst verantwortlich ist. Aber auch beim Duft der Blumen und Kräuter werden die Sinne vom Sehen über das Riechen bis hin zum Schmecken angeregt. „Und wenn es dann noch Bratkartoffeln aus eigener Ernte gibt, sind sie besonders lecker“, sagt sie. 

 

Aktiv sein

Gern sitzen die Seniorinnen und Senioren des Hauses an warmen Sommertagen draußen in ihrem Garten. Freude bereitet ihnen auch der Rundweg, der sich problemlos mit dem Rollator gehen lässt. Es spricht überhaupt nichts dagegen, im Vorbeigehen eine Cocktailtomate direkt vom Strauch zu naschen. Dafür sind sie da. „Wir nutzen den Demenzgarten auch gern für Aktivierungen im Freien wie zum Beispiel das Bemalen von Steinen oder zum Geschichten erzählen“, berichtet Kerstin Roch. Durch den Garten könne man Menschen mit Demenz aber auch in ihrer Stille abholen. Sie hören die Vögel zwitschern und die Insekten summen. „Menschen, die nervös sind, werden hier oft ruhiger und können durchatmen“, so ihre Erfahrung.

 

Unterstützung

Beim Anlegen des Gartens haben Schülerinnen und Schüler der Grundschule Manzenberg mitgeholfen. „Geplant ist, dass an der Schule eine Garten-AG gegründet wird und die Schüler einmal pro Woche zu uns in den Demenzgarten kommen“, sagt Roch. Die älteren Menschen hätten Freude an den Kindern und natürlich auch, wenn sie sehen, wie im Garten etwas wachse und gedeihe. Wenn im Herbst die Tulpenzwiebeln gesetzt werden, wird es im Frühling bunt in den Beeten. Sehr freuen würde sich das Team über die Unterstützung von Freiwilligen, die Lust an der Gartenarbeit haben. 

 

Echter Gewinn

Für Einrichtungsleiterin Clarissa Maria Weißenberger ist der neue Demenzgarten ein echter Gewinn. „Es ist ein sehr schöner, geschützter Bereich, den die Menschen genießen und mitgestalten können“, schildert sie ihren Eindruck. Selbst bei schlechtem Wetter hätten sie jetzt aus dem Wohnbereich den Blick ins Grüne. Wer Lust hat, bei der Pflege des Gartens mitzuhelfen, darf sich gerne direkt im Haus der Pflege St. Johann per Mail melden unter: kerstin.roch(at)stiftung-liebenau.de.

 

 

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