Seitlich streichen für weitere Aufgabenfelder <>

Tag der Pflegenden am 12. Mai: Quereinstieg von der Justiziarin zur Altenpflegerin

Meckenbeuren/Brochenzell – Ingelore Höse liebt ihren Beruf als Altenpflegerin. Sie mag die Menschen und ihre Lebensgeschichten, die vielfältigen Anforderungen im pflegerischen und medizinischen Bereich, das Arbeiten im Team und das Kommunizieren in viele Richtungen. Deshalb arbeitet sie auch im Ruhestand weiterhin im Haus der Pflege St. Josef der Stiftung Liebenau in Brochenzell. Und doch ist es reiner Zufall, dass sie vor 36 Jahren hier gelandet ist.

Eine Portraitfoto einer Frau, die lächelt.

Ingelore Höse arbeitet seit mehr als 35 Jahren im Haus der Pflege St. Josef in Meckenbeuren-Brochenzell.

Sofort nach dem Mauerfall ausgereist

Der Lebensweg von Ingelore Höse brachte viele spannende Entwicklungen mit sich. Die 71-Jährige stammt gebürtig aus Zeitz in Sachsen, wuchs also in der damaligen DDR auf, hat Wirtschaftsrecht in Halle an der Saale studiert und als Justiziarin im Textilgroßhandel in Pößneck in Thüringen gearbeitet. 1989 beantragte sie mit ihrem Mann, ihren beiden Kinder und ihrer Schwiegermutter die Ausreise. Wenige Tage, bevor sie offiziell hätten ausreisen dürfen, fiel die Mauer und die Grenzen waren offen. Familie Höse machte sich sofort auf den Weg, kam im November 1989 zuerst für ein paar Tage nach Bayreuth, dann nach Rastatt und schließlich nach Meckenbeuren-Kehlen. Hier waren sie zunächst in einer Gemeinschaftsunterkunft in der Turnhalle untergebracht.

 

„Hauptsache Arbeit“

„Ich habe damals in der Turnhalle viel geholfen, zum Beispiel bei der Essenausgabe und bei der Reinigung“, erzählt sie. Auf dieses Engagement führt sie es zurück, dass ihre Familie sehr schnell eine Wohnung in Meckenbeuren bekam. „Wir wollten immer in eine Kleinstadt. Hier gefiel es uns.“ Ihr Mann fand eine Stelle in der WLZ Meckenbeuren und ihre Kinder bekamen Plätze im Kindergarten in Brochenzell. Deshalb kam Ingelore Höse auf die Idee, im nahegelegenen Haus St. Josef nach Arbeit zu fragen. „Mein ursprünglicher Beruf wurde hierzulande nicht anerkannt, weil die DDR ein anderes Rechtssystem hatte. Deshalb dachte ich zunächst an Putzen oder Küche – Hauptsache Arbeit.“ Doch die damalige Heimleitung hatte etwas anderes für sie. Und so startete Ingelore Höse im Jahr 1990 als Pflegehelferin im Haus St. Josef.

 

Durch Zufall in die Altenpflege

„Es war eine Herausforderung für mich, weil ich so etwas noch nie gemacht hatte. Aber ich bin ein Mensch, der gefordert sein will. Und diese Arbeit machte mir Spaß. So wurde ich durch einen Zufall in meinen jetzigen Beruf quasi hineingeworfen“, erzählt sie. Und weil sie diesen Beruf richtig von der Pike auf lernen wollte, entschloss sie sich zwei Jahre später zu einer Ausbildung zur Altenpflegerin. Den praktischen Teil machte sie in St. Josef in Brochenzell, die Theorie lernte sie am Institut für Soziale Berufe in Ravensburg. Gleich nach dem Examen wurde Ingelore Höse stellvertretende Wohnbereichsleiterin und absolvierte später noch eine Zusatzausbildung in Gerontopsychiatrie. In den letzten Jahren vor ihrem Ruhestand leitete sie einen Wohnbereich.  

 

Viele Veränderungen erlebt

Seither hat sich viel verändert. Ingelore Höse erlebte den Umbau des Hauses und die damit verbundene Übergangsphase samt Umzug. Parallel dazu entstanden neue Strukturen und Wohnbereiche. „Früher waren die Bewohnerinnen und Bewohner meist noch jünger und kamen oft schon mit Pflegegrad 1 zu uns. Es gab mehr Menschen, die Sondennahrung bekamen und weniger Demenzkranke“, berichtet sie. „Heute haben wir eine ganz andere Klientel und mehr Pflegebedürftige. Die organisatorischen Aufgaben entwickelten sich ständig weiter, und es kamen Expertenstandards dazu“, erzählt sie. Kurzum: „Im Laufe der Jahre veränderten sich die Rahmenbedingungen und damit auch das Berufsbild.“

 

„Ich brauche die Herausforderung“

Geblieben aber ist auch nach 36 Jahren die Freude an ihrem Beruf. „Mir gefallen die verschiedenen Anforderungen. Man muss sehr viel wissen und hat mit vielen Menschen auf verschiedenen Ebenen zu tun.“ Die Lebensgeschichten der Bewohnerinnen und Bewohner faszinieren sie, die Gespräche mit Angehörigen interessieren sie. Auch das Arbeiten im Team erlebt sie als Bereicherung. Obwohl sie seit 2018 in Rente ist, kommt sie immer noch für ein paar Stunden in der Woche ins St. Josef und kümmert sich um die einrichtungsinterne Qualitätsentwicklung (EQE). „Ich brauche diese Herausforderung“, erklärt sie. Privat haben sie und ihr Mann viel Freude an ihren drei Enkelkindern, an ihrem Garten und an Urlaubsreisen.

 

Tag der Pflegenden

Jährlich am 12. Mai ist der Tag der Pflegenden. Die Gelegenheit, einmal Danke zu sagen für die vielen Menschen, die sich tagtäglich um unsere ältere Generation kümmern, egal ob in den Pflegeheimen oder zuhause.  Mehr Informartionen zu einer Mitarbeit in der Pflege finden Sie hier >

 

 

Bunt, fachlich fundiert und voller Leben: Erfahren Sie in Interviews und Reportagen mehr über unsere spannende Arbeit in unseren Themendossiers >

 


Pressekontakt:
Stiftung Liebenau
Abteilung Kommunikation und Marketing
Siggenweilerstr. 11 
88074 Meckenbeuren 
Telefon +49 7542 10-1181
presse(at)stiftung-liebenau.de