Der Pflege ins Gesicht schauen
Bereits beim Empfang am Morgen zeigte sich die besondere Atmosphäre: Viele Besucherinnen und Besucher hatten sich bewusst auf den Weg gemacht, um den Menschen in der Pflege zu begegnen – und der Pflege im wahrsten Sinne des Wortes ins Gesicht zu schauen. Einrichtungsleiterin Carolyn Thomas eröffnete die Veranstaltung mit einer eindringlichen Rede, in der sie die Bedeutung der Pflege für die Zukunft der Stadt Ulm hervorhob. Sie zeigte sich überwältigt davon, wie viele Menschen an einem Sonntag gekommen waren, und machte deutlich, dass Pflege ein zentraler Bestandteil der regionalen Wirtschaft und des gesellschaftlichen Zusammenhalts sei. Gleichzeitig erinnerte sie daran, dass pflegerische Arbeit oft erst dann sichtbar werde, wenn sie fehle. Thomas plädierte für eine neue Haltung gegenüber Pflegeberufen und dafür, dass Pflegende selbst ihren Wert, ihre Würde und ihre Professionalität erkennen.
Würdigung
Die Ausstellung der Stiftung Liebenau ist genau dafür geschaffen worden: Pflegende sehen sich hier erstmals in authentischen, tiefgründigen Momenten ihres Berufs – künstlerisch eingefangen vom Münchner Fotografen Jean-Marie Bottequin. Ulms Oberbürgermeister Martin Ansbacher würdigte in seiner Ansprache die außergewöhnliche Arbeit der Pflegekräfte und dankte ihnen ausdrücklich für ihre Ausdauer und Menschlichkeit. Pfarrer Jean-Pierre Barraud der Evangelisch-Lutherischen Pfarrei Neu-Ulm eröffnete die Ausstellung mit wertschätzenden Worten und betonte die Bedeutung von Nähe und Zuwendung in der Begleitung älterer und kranker Menschen.
Sophie Rosentreter
Ein besonderer Höhepunkt des Tages war der Vortrag der Filmemacherin und ehemaligen Viva-Moderatorin Sophie Rosentreter, die seit vielen Jahren zu den bekanntesten Stimmen in der Demenzsensibilisierung gehört. Mit großer Empathie und fachlicher Tiefe sprach sie über die Bedeutung von Beziehung, Biografiearbeit und emotionaler Ansprache in der Begleitung von Menschen mit Demenz. Ihre Beispiele aus der eigenen Arbeit berührten viele Gäste und machten deutlich, wie wichtig kreative Zugänge und mediale Unterstützung in der Pflege sein können.
Sandro Pé
Im Anschluss begeisterte Sandro-Pé, Altenpfleger, Schriftsteller und Social-Media-Blogger, mit einer eindrucksvollen Lesung. Seine Texte, geprägt von Humor, Ehrlichkeit und tiefer Menschlichkeit, gaben einen unmittelbaren Einblick in den Pflegealltag – mit all seinen Herausforderungen, aber auch mit seinen erfüllenden Momenten. Viele Zuhörerinnen und Zuhörer fühlten sich in ihren eigenen Erfahrungen bestätigt und zugleich ermutigt, den Pflegeberuf mit Stolz zu vertreten.
Führung und Gespräche
Bei den Führungen durch die Ausstellung – zunächst mit Fotograf Bottequin, später mit Einrichtungsleiterin Thomas – entstanden intensive Gespräche über die Zukunft der Pflege. Pflegekräfte unterhielten sich mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern, ehemalige Pflegende diskutierten mit politischen Vertretern – durch die Ausstellung kamen so die Menschen miteinander ins Gespräch. Die Bilder lösten starke Emotionen aus: Sie zeigen Pflegende in Momenten der Konzentration, der Zuwendung, der Erschöpfung und der Stärke – und machen bewusst, wie anspruchsvoll und gleichzeitig sinnstiftend dieser Beruf ist.
Prominente Gäste
Unter den Gästen befand sich auch zahlreiche Lokalprominenz, wie der CDU-Landtagsabgeordnete Mario Scheider, Burkhard Siemoneit von den Freien Wählern Wiblingen, Dr. Elmar Ludwig als Mitentwickler des Expertenstandards Mundgesundheit, Otto Sälzle als Vorsitzender der Olga und Josef Kögel Stiftung sowie Vertreter der katholischen Betriebsseelsorge und des Ehrenamts.
Bis 15. April
Die Ausstellung „Pflege zeigt Gesicht“ ist noch bis zum 15. April tagsüber im Olga und Josef Kögel Haus zu sehen und lädt weiterhin dazu ein, die Menschen hinter der Pflege kennenzulernen – authentisch, würdevoll und mit einem Blick, der berührt.




