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Fachtag zur Unterstützten Kommunikation: „Versteh mich doch!“

MECKENBEUREN-LIEBENAU – Der von der Stiftung Liebenau veranstaltete Fachtag zur Unterstützten Kommunikation (UK) fand coronabedingt online statt. Im digitalen Raum trafen sich mehr als 70 Fachkräfte aus ganz Deutschland, um sich über Kommunikationsformen für Menschen mit schwer verständlicher, begrenzter oder fehlender Lautsprache zu informieren.

Annemarie Schuster (li.) kommuniziert mithilfe ihres Talkers mit Elke Schätzle, UK-Referentin der Stiftung Liebenau und Organisatorin des Fachtages.

Das Interesse war groß am digitalen Fachtag zum Thema Unterstützte Kommunikation.

Kommunikation ist ein Grundrecht

"Kommunikation ist ein Grundbedürfnis und ein Grundrecht jedes Menschen, das im Grundgesetz verankert ist". Mit diesen Worten begrüßte Christine Beck, Ressortleitung Teilhabe und Rehabilitation der Stiftung Liebenau, die Teilnehmenden und machte deutlich, dass eine eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern jeden betreffen kann, beispielsweise nach einem Schlaganfall, einem Unfall oder bei Demenz.

 

Selbst- und Mitbestimmung

Eine gelingende Kommunikation ist Voraussetzung für Verstehen und Verständnis. Fehlende Kommunikationsmöglichkeiten und Kommunikationseinschränkungen haben umfangreiche negative Folgen und beeinträchtigen die Lebensqualität. Häufige Probleme wie Missverständnisse, problematische Verhaltensweisen, Frustration, Wut, Ohnmacht, Trauer, Schmerz oder Gefühle von Isolation können durch passende Kommunikationsformen der UK vermieden werden. So entsteht die Möglichkeit ein selbstbestimmtes Leben zu führen und dieses mitzugestalten.

 

Breitgefächerte Einsatzmöglichkeiten

In einem Filmbeitrag berichtete zunächst Annemarie Schuster, UK-Referentin mit ihrem Talker, wie UK ihr Leben veränderte. Schuster kam mit einer Körperbehinderung zur Welt. Sie sitzt aufgrund ihrer Spastik im Rollstuhl und kann nicht sprechen. Mit ihren Eltern kommunizierte sie mit eigenen Gebärden, seit 1996 benutzt sie ein elektronisches Kommunikationsgerät. Dank der elektronischen Kommunikationshilfe hat sich eine ganz neue Welt für sie geöffnet und kann nun ihre Potenziale besser entfalten. Auch verdeutlichte der Film die Entwicklung der Hilfsmittel der UK: von einfachen Gesten, über taktile Hilfsmittel und grafischen Symbolen, bis hin zu unterschiedlichen elektronischen Kommunikationsmitteln, wie so genannte sprechende Tasten oder ein IPad. Allen gemein ist, dass hierdurch Selbstwirksamkeit erfahren werden kann. Der Beitrag verdeutlichte aber auch, dass Unterstützte Kommunikation ein langwieriger Prozess ist, der sehr zeitaufwändig ist und viel Geduld erfordert.

 

Praxisorientierte Beispiele

Egal ob in Wohngruppen oder in Tagesförderstätten – die Einsatzmöglichkeiten von UK sind vielfältig, wenn sie durch Kreativität in den Alltag implementiert werden. Thomas Meyer, Ergotherapeut in der Tagesförderstätte Bad Kreuznach, zeigte viele praktische Beispiele auf, wenn nur genug „Komplizen bei der Umsetzung mitmachen“ und die Hilfsmittel ganz selbstverständlich in der Tagesförderung eingesetzt werden dürfen. Für Silke Braun, Leiterin der Weiterbildung zur UK-Fachberatung für nachschulische Welten, steht die Partizipation von Menschen mit kommunikativem Unterstützungsbedarf im Mittelpunkt. Auch die Corona-Regeln kann man beispielsweise spielerisch erklären: ein Stempel auf der Hand verschwindet erst dann wieder, wenn die Hände richtig gewaschen wurden.

 

Einsatz bei Demenz

Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung haben ein wesentlich höheres Demenzrisiko als andere. So würden bei Personen mit Trisomie 21 ungefähr 75 Prozent der über 65-Jährigen an Alzheimer erkranken, erläutert Reinhard Wohlgenannt von der Lebenshilfe Vorarlberg. Auch frühkindliche Hirnschädigungen erhöhen das Demenzrisiko. Doch auch die Tatsache, dass Menschen mit Einschränkungen oft monotone Tätigkeiten ausführen und ihre Kompetenzen oft nicht wahrgenommen werden, führt dazu, dass ihr Gehirn nicht stimuliert und gefördert wird. „Dies gilt es unbedingt zu vermeiden. Denn beginnende Symptome einer Demenz werden oft von der kognitiven Entwicklungsbeeinträchtigung überdeckt“, so Wohlgenannt.

 

Hospizarbeit

Wenn es zum Lebensende hingeht, so geht es bei der Hospizarbeit mit Menschen mit Behinderungen besonders darum, diese Menschen zu befähigen, selbstbestimmt eigene Entscheidungen für ihr Lebensende treffen zu können. Diplom-Biologin Dr. Christiane Ohl, Geschäftsführung Bonn Lighthouse - Verein für Hospizarbeit e. V., hat dafür eine Broschüre in Leichter Sprache mit Piktogrammen entwickelt. Dabei geht es primär nicht um den Tod, sondern um das Leben davor: Was ich gerne mag, was mir besonders wichtig ist, was ich noch erleben will, was mir gutgetan hat, was ich überhaupt nicht möchte, wie ich mir meine letzten Stunden vorstelle, was es bedeutet „tot zu sein“.

 

Gelungener Fachtag

Am Ende des Tages waren sich alle einig: Ein gelungener Fachtag mit vielen interessanten Praxisbeispielen, Tipps und Anregungen. Wichtige Impulse und Denkanstöße, die oft einfach in der Praxis umzusetzen sind, um Menschen mit kommunikativen Einschränkungen Selbstbestimmung zu ermöglichen.

 

Die Fachtagsdokumentation finden Sie hier.

 

Weitere Infos zur Unterstützten Kommunikation (UK) in der Stiftung Liebenau gibt es hier.

 

 

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Pressekontakt:
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Abteilung Kommunikation und Marketing
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