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Ehrenamt im Familienunterstützenden Dienst: Win-Win-Situation ist das Ziel

Friedrichshafen - Der Alltag von Familien, in denen ein Kind mit Beeinträchtigung oder hohem Pflegebedarf lebt, ist häufig ein Balanceakt. Zwischen Betreuung, Therapieterminen, Haushalt und den Bedürfnissen der Geschwister bleibt für die Eltern oft wenig Zeit zum Durchatmen. Hier setzt der Familienunterstützende Dienst Bodenseekreis der Stiftung Liebenau an. Er vermittelt Ehrenamtliche, die die Angehörigen im Wohnumfeld spürbar entlasten. Für Fachkraft Corinne Haag sind sie das Herzstück des Dienstes.

Multigenerationenfamilie auf Sofa: Eine ältere Frau hält ein kleines Mädchen auf dem Schoß, zwei Erwachsene sitzen zu beiden Seiten, eine Frau steht lächelnd dahinter.

Der Familienunterstützende Dienst (FUD) Bodenseekreis brachte sie zusammen.

Die Lebenswelten von Familie Weh und Gaby Becker könnten auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein. Eva und Stephan Weh haben eine fünfjährige Tochter mit einer schweren Beeinträchtigung, Gaby Becker war Verwaltungsbeamtin und genießt jetzt ihren Ruhestand. Über den Familienunterstützenden Dienst (FUD) Bodenseekreis lernten sie sich vor zwei Jahren kennen. Was als ehrenamtliches Engagement begann, ist inzwischen zu einer besonderen Verbindung geworden. 

 

„Ich lernte ihren Blick zu deuten“
„Ich habe überlegt, was ich mit meiner freien Zeit anfangen kann. Über die Freiwilligenbörse des Landratsamts habe ich vom FUD erfahren und mich dort gemeldet“, erinnert sich Gaby Becker. Dort habe man sie mit offenen Armen willkommen geheißen. Bei einem ersten gemeinsamen Termin habe sie die damals dreijährige Rosa mit ihren Bedürfnissen und ihre Familie kennengelernt. Schnell entwickelte sich ein vertrautes Miteinander. „Wir waren uns gleich sympathisch und mit der Zeit lernte ich, Rosas Blick zu deuten, ihr zu essen und zu trinken zu geben, einfach bei ihr zu sein.“ Einmal pro Woche kommt Gaby Becker für zwei bis drei Stunden zu den Wehs, außerdem begleitet sie Rosa regelmäßig zur Ergotherapie. „Es macht mir sehr viel Freude, den Eltern helfen zu können und ein Lächeln von Rosa gibt mir viel“, sagt sie zu ihrer Motivation.

 

Aus regelmäßiger Begleitung wurde Familienanschluss
Für Eva Weh sind die ehrenamtlichen Einsätze von Gaby Becker eine große Hilfe. „Sie ist für uns eine unschätzbare Unterstützung, und wir haben uns von Anfang an gut verstanden“, berichtet sie. Während ihrer Besuche habe sie Zeit für den Haushalt, um einzukaufen oder ganz einfach für sich selbst. „Manchmal mache ich auch einfach nur ein Mittagschläfchen“, nennt Eva Weh ein weiteres Beispiel. Aus der regelmäßigen Begleitung ist längst mehr geworden. Inzwischen hat Gaby Becker quasi Familienanschluss und ist gern beim Kindergeburtstag, beim Fasnetsumzug, beim Osterbrunch oder beim Besuch im Schwimmbad dabei. „Wir haben einen sehr unkomplizierten Umgang miteinander. Das ist nicht selbstverständlich, aber es hat sich einfach so entwickelt“, erzählt Eva Weh.

 

Es muss für beide Seiten passen
Als Fachkraft im FUD Bodenseekreis weiß Corinne Haag, wie wichtig die Ehrenamtlichen für die Familien sind. „Sie sind das Herzstück unseres Dienstes.“ Gleichzeitig betont Haag, dass sich die Beziehung zwischen Familien und Ehrenamtlichen sowie das damit verbundene Vertrauen sehr individuell entwickeln. „Immerhin vertrauen die Familien den Ehrenamtlichen ihr Wertvollstes an.“ Am Anfang macht sich eine Fachkraft des FUD ein Bild von der Familie und ihrem individuellen Bedarf. Ist eine passende Ehrenamtliche gefunden, folgt ein gemeinsamer Kennenlerntermin. Wie die Begleitung anschließend aussieht, vereinbaren Familien und Ehrenamtlichen individuell. „Uns ist wichtig, dass es immer eine Win-Win-Situation ist“, betont Haag. 

 

Ehrenamtliche können sich kostenlos schulen lassen
Grundsätzlich handelt es sich beim Ehrenamt im FUD um eine Freizeitbegleitung und keinesfalls um hauswirtschaftliche Unterstützung. Die Ehrenamtlichen erhalten eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 9 Euro pro Stunde. Ein freiwilliger Einführungskurs vermittelt Wissenswertes über den Umgang mit Menschen mit Behinderung. Außerdem haben die Ehrenamtlichen die Möglichkeit, an weiteren Schulungen teilzunehmen. „Neben Kindern mit Beeinträchtigungen vermitteln wir Ehrenamtliche auch in Familien, die erwachsene Angehörige betreuen“, informiert Haag. Außerdem gebe es die Möglichkeit, im Rahmen von Gruppenangeboten für den FUD tätig zu werden.

Sie haben etwa zwei bis drei Stunden wöchentlich oder alle 14 Tage Zeit und können sich vorstellen, Kinder oder junge Erwachsene mit Beeinträchtigung in ihrer Freizeit zu begleiten? Am Mittwoch, 28. Oktober, um 19 Uhr stellt der Familienunterstützende Dienst Bodenseekreis im Franziskuszentrum in Friedrichshafen seine Arbeit vor. Wer an einem Ehrenamt für den Einsatz in Familien interessiert ist, erfährt hier mehr. Eine betroffene Familie und eine Ehrenamtliche werden an diesem Abend für den Austausch ebenfalls vor Ort sein. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. 

 

Für Fragen vorab steht Corinne Haag vom Familienunterstützenden Dienst Bodensee gerne zur Verfügung: Telefon +49 7541 4007920 oder E-Mail corinne.haag(at)stiftung-liebenau.de

 

 

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