Zaubertisch
Auf den ersten Blick ist der Tisch im Aufenthaltsbereich des Hauses ein ganz normaler Tisch. Aber wenn Betreuungskraft Issam Awrad mit der Fernbedienung den darüber hängenden Lichtprojektor an der Decke anschaltet, verwandelt er sich in eine interaktive Spielfläche, die so genannte Tovertafel. Der Begriff kommt aus dem Niederländischen und bedeutet Zaubertisch. Und das trifft es sehr gut – denn wie durch Zauberhand erscheinen Bilder, bewegen sich klingende Notenbänder und zeigen sich Memorykarten. Entwickelt wurde die Tovertafel 2017 in den Niederlanden speziell für Menschen mit Demenz.
Erinnerungen wecken
Regelmäßig versammeln sich die Bewohner rund um die Tovertafel, um zu spielen. „Dabei kann sich jeder nach seinen Fähigkeiten beteiligen und es gibt nur Erfolgserlebnisse“, sagt Einrichtungsleiter David Lesslauer. Sie wischen mit der Hand über einen raschelnden Laubhaufen und entdecken Marienkäfer, ein buntes Korallenriff wechselt beim Darüberstreichen die Farben und Fotos von bekannten Orten am Bodensee wecken Erinnerungen. Immer wieder erscheint ein Lächeln auf den Gesichtern der Spielenden. Eine Seniorin erkennt den Hafen von Lindau und sie erzählt, wie sie dort früher an der Uferpromenade ein Eis gegessen hat. Eine andere Seniorin, sonst eher ruhig und in sich gekehrt, blüht auf, wenn es darum geht, den fehlenden Buchstaben eines Wortes zu erraten. „Durch den Tovertisch werden tolle Interaktionen angeregt, und jeder kann sich beteiligen“, berichtet Issam Awrad.
Bedarfsgerecht
Entwickelt wurden die rund 50 Spiele in fünf Schwierigkeitsstufen speziell für Menschen mit Demenz. „Alle verzichten sie auf komplexe Anforderungen, die das Sehen und Hören überfordern können“, stellt Lesslauer fest. Stattdessen seien es langsame, fließende Bewegungen, die den Bedürfnissen von älteren Menschen gerecht werden und sie aktiv ins Spiel einbinden. Gezielt fördern die spielerischen Übungen motorische, geistige und soziale Kompetenzen. „Das ist einfach wunderbar“, freut sich ein Bewohner und lässt mit seinen Fingern einen Kreisel auf dem Zaubertisch tanzen. Das Beste sei, dass man diese Spiele hinterher nicht einmal aufräumen müsse, meint seine Nebensitzerin lachend. „Hier ist mit einem Wisch alles weg.“
Spende der Sparkasse Bodensee
Gespendet wurde die Tovertafel von der Sparkasse Bodensee. Von insgesamt neun Tovertafeln gingen vier in Einrichtungen der Stiftung Liebenau. Neben den Bewohnern des Haus der Pflege St. Raphael in Oberteuringen freuen sich auch die Häuser der Pflege St. Nikolaus in Owingen, das Dr. Albert Moll in Tettnang und das Franziskuszentrum Friedrichshafen über den interaktiven Zaubertisch. „Die Geräte sind sehr teuer und ohne Spende für Pflegeeinrichtungen nicht leistbar“, berichtet Lesslauer. „Deshalb sind wir der Sparkasse Bodensee umso dankbarer, denn die Tovertafel erweitert unsere Möglichkeiten im Betreuungsbereich ungemein.“
