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Ein Tor zur Welt von Musik und Kultur

Musikunterricht, Theatergruppe oder Filmprojekt: Mit mehreren Angeboten vermittelt das Ravensburger Berufsbildungswerk (BBW) der Stiftung Liebenau seinen Auszubildenden neben dem nötigen Rüstzeug für den späteren Job auch Förderung und Teilhabe im musischen Bereich. Möglich macht dies ein aus Spenden finanzierter Kulturfonds des BBW.

Die Theatergruppe in Aktion: Mit vollem Körpereinsatz absolvieren die Teilnehmenden Jennifer, Till und Michael zusammen mit Theaterpädagoge Alex Nieß (von links) verschiedene Schauspielübungen.

Ein Teil der Theatergruppe im Berufsbildungswerk der Stiftung Liebenau (von links): Jennifer, Till und Michael, Teilnehmende der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB) sowie Schauspieler und AG-Leiter Alex Nieß.

Hobbymusiker gesucht: Mit diesem Plakat startete 2018 dank des Kulturfonds die „School of Music“ im Berufsbildungswerk. Seitdem haben Jugendliche dort die Möglichkeit, kostenlos professionellen Musikunterricht zu bekommen.

Basics vom Theater-Fachmann
„Pffft…. Sch… Zsch… Khh...“ Ein junger Teilnehmer macht die einzelnen Laute vor, die anderen im Kreis stimmen inbrünstig und rhythmisch mit ein. Mit dieser typischen Aufwärmübung startet die Theatergruppe des BBW in ihre wöchentliche Probe. Gutes, lautes Sprechen will schließlich geübt sein. „Hanteltraining fürs Zwerchfell“, nennt Alex Nieß, Schauspieler am Theater Ravensburg, diese „Basics“. Er ist neben der Arbeit auf der Bühne auch viel in Sachen Theaterpädagogik unterwegs – seit dem vergangenen Jahr auch im Berufsbildungswerk, wo er die derzeit 15-köpfige Gruppe anleitet. 

Mit Spenden Kulturfonds eingerichtet
Die Theater-AG ist eines von mehreren Angeboten im Berufsbildungswerk im Rahmen seines Kulturfonds, mit dem man Jugendlichen Zugang zu musischer Förderung ermöglicht. Aufgelegt wurde dieser Fonds mit dem Erlös einer „Küchenparty“ der Stiftung Liebenau im Jahre 2017. Bei diesem Charity-Event im BBW kamen seinerzeit gut 10.800 Euro an Spenden zusammen. Geld, das in den Kulturfonds floss und somit die Idee Wirklichkeit werden ließ: jungen Menschen mit Benachteiligungen kostenlosen Musikunterricht anbieten zu können. 

Den Familien fehlt oft das Geld
„Die meisten von ihnen haben von Zuhause aus nicht so viel Kontakt mit Musik und Kultur“, erklärt Psychologe Manfred König, stellvertretender Leiter des Fachdienstes Diagnostik und Entwicklung im BBW. „Da fehlt oft einfach das Geld.“ Bereits zuvor hatte König, selbst langjähriger Musiker, schon mehrere Musik- und Kreativ-Projekte im BBW initiiert, diese auch als wirksame Mittel in der Therapie eingesetzt. Der neue Kulturfonds machte schließlich den Weg frei für weitere, umfassende Angebote wie die 2018 ins Leben gerufene „School of Music“. 

Großes Interesse an Musikunterricht
In Partnerschaft mit der Musikwerkstatt Tettnang erhalten Azubis hierbei professionellen Unterricht. Ob Gitarre, Klavier, andere Instrumente wie Ukulele oder auch Gesang: An interessierten Jugendlichen mangelt es nicht. Der Geldbeutel spielt dabei nun keine Rolle mehr, die Motivation schon: „Wir wollen die erreichen, die es auch wirklich ernst meinen“, betont Manfred König. Deshalb muss man sich auch mit einem Formular ganz offiziell um einen Unterrichtsplatz bewerben. 

„Musik ist mehr als ein Hobby“
BBW-Azubi Jan wollte zum Beispiel unbedingt dabei sein, „weil Musik für mich nicht nur Hobby ist, sondern Leidenschaft und Leben“, so seine Begründung. „Ich kann dadurch am besten meine Gefühle ausdrücken, und die Musik hat mir durch schwere Zeiten geholfen.“ Nun möchte Jan gerne ein eigenes Lied  aufnehmen. Aber, so schreibt er weiter: „Nicht um berühmt zu werden. Nein, ich möchte damit den Menschen zeigen, welche Wunder die Musik birgt und dass sie nicht allein sind.“ 

Einen eigenen Song aufnehmen
Mit dem Musikschulbesuch werden nicht nur musikalische Talente gefördert, Manfred König und Wohnheimerzieher Claudius Hacker erhoffen sich dadurch auch regelmäßigen Nachwuchs für die BBW-Band AG: „Wir suchen noch Schlagzeuger und Bassisten.“ Attraktiv für die Hobbymusiker ist auch die Kooperation mit dem Jugendhaus Ravensburg, in dessen Studio professionelle Aufnahmen möglich sind. Im BBW selbst stehen ein Band-Raum und mehrere Instrumente zur Verfügung.

Filmprojekt, DJ-Workshop, Theater-AG
Neben der „School of Music“ gibt es noch weitere Angebote im Rahmen des Kulturfonds wie zum Beispiel die Produktion eines Kurzfilmes vom Drehbuch bis zum fertigen Streifen. Ein DJ-Workshop ist derzeit in Planung. Und 2018 wurde eben – begleitet von Lehrer Matthias Braun und Sozialpädagogin Susanna Ehren-Meyjohann – das Theaterprojekt auf die Beine gestellt, das nun mit der Hinzunahme von Alex Nieß theaterpädagogisch weiter professionalisiert werden konnte.

Mehr Selbstvertrauen, weniger Ängste
Auch hiervon profitieren die Azubis im Alltag: Das Ausdrucksvermögen wird gefördert, Sozialkompetenz und Selbstvertrauen werden gesteigert, die Jugendlichen werden mutiger. „Sie erleben sich in Rollen, probieren aus, reflektieren und lernen auch, mit Konflikten umzugehen“, sagt König. „Es geht auch um das Bühnenerlebnis, um Stolz und Anerkennung – und es öffnet ihnen das Tor zur Theaterwelt.“  So schicken die BBW-Psychologen und -Bildungsbegleiter ihre Jugendlichen zum Teil auch gezielt zur Theater-AG, damit diese dort zum Beispiel ihre Angststörungen wirksam bekämpfen – und natürlich ungeachtet des therapeutischen Nutzens einfach sich selbst und ihre Talente entdecken und ihre Freizeit sinnvoll gestalten: „Mit Freude und Lust am Tun.“

Ein Theaterstück entsteht
Apropos Theatergruppe. Die hat währenddessen ihr Aufwärmprogramm beendet. Nun geht es darum, gemeinsam ein Stück zu entwickeln, um dieses demnächst vor Publikum aufzuführen. „Geschichten aus dem BBW“, lautet der Arbeitstitel. Es handelt von persönlichen Lebensgeschichten, von Freizeit, Arbeit, Liebe. An verschiedenen Spielorten erarbeiten die Jugendlichen Themen und Dialoge. Der 19-jährige Michael, der im BBW gerade seine Berufsvorbereitung absolviert, findet es toll, wie man sich dabei in der Gruppe austauscht. Und Mitspieler Till mag es, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. 

Spannende Vielfalt
Für die allermeisten Teilnehmenden ist die Theaterbühne Neuland. Jennifer ist eine der wenigen, die in der Schule schon erste Erfahrungen sammelte. Deshalb hat sie sich auch im BBW gleich für das Theaterangebot entschieden. Was sie daran reizt? „Dass man sich nicht selbst spielen muss“, und dass man nicht wegen irgendetwas ausgelacht werde, sondern miteinander lache. „Das Theaterspielen steigert mein Selbstbewusstsein“, hat die 24-Jährige auch schon festgestellt und lobt die Anleitung durch den Theaterprofi: „Er macht das großartig.“ Und wie ist für Alex Nieß die Arbeit mit den BBW-Jugendlichen? Die Vielfalt sei hier besonders interessant: „Vom zurückhaltenden Autisten bis zum völlig Extrovertierten ist alles dabei – das finde ich sehr spannend.“ 

 

 

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