Pflege statt Panzermotoren
Dass ihn sein Berufsweg in die Altenpflege führen würde, hatte Georg Schlegel als 15-jähriger Jugendlicher noch nicht gewusst. Damals machte er zunächst eine Ausbildung als Industriemechaniker und arbeitete anschließend noch zwei Jahre als Fachkraft in einem großen Unternehmen. Seine Aufgabe war die Kontrolle von Panzermotoren. Dann kam der Golfkrieg (1990) – und Georg Schlegel war im Wehrdienstalter. Er entschied sich, stattdessen Zivildienst beim Mobilen Sozialen Hilfsdienst der Johanniter zu leisten. Hier kümmerte er sich um ältere Menschen, las ihnen vor, ging mit ihnen einkaufen, übernahm für sie die Kehrwoche und andere Alltagsaufgaben. Dies gefiel ihm so gut, dass er danach eine Ausbildung zum Altenpfleger machte – im Haus St. Josef in Brochenzell und am Institut für Soziale Berufe in Ravensburg.
Mit dem Haus St. Josef stets verbunden
Es gab noch einen zweiten Aspekt, der bei dieser Entscheidung eine Rolle spielte: „Ich bin bei meiner Oma aufgewachsen und hatte immer einen Bezug zu älteren Menschen. Von der Ausbildung zum Altenpfleger erhoffte ich mir auch, dass ich sie eines Tages pflegen und ihr somit alles zurückgeben kann, was sie mir in meiner Kindheit Schönes ermöglicht hat“, erzählt der heute 56-Jährige. So kam es dann auch. Er pflegte seine Großmutter. Und auch beruflich wollte er nie etwas anderes sein als Altenpfleger. Vom ersten Tag seiner Ausbildung im September 1994 bis heute war er immer im St. Josef tätig. „Ich bin mit dem Haus gewachsen und verwachsen“, sagt er.
Viele Entwicklungen erlebt
Schon bald nach seinem Ausbildungsstart begann der Umbau des Hauses. Neue Strukturen entstanden, Wohnbereiche wurden geschaffen. Inzwischen bietet das Haus 53 Dauer- und 4 Kurzzeitpflegeplätze sowie einige Heimgebundene Wohnungen. Georg Schlegel besuchte eine entsprechende Weiterbildung zum Teamleiter und übernahm daraufhin die Leitung eines Wohnbereichs. Seit zehn Jahren ist er Pflegedienstleiter.
Mit Fachwissen und Feingefühl
Georg Schlegel hat das Gefühl, dass er hier am richtigen Ort ist und die richtige Aufgabe hat. „Es gefällt mir, dass ich Entwicklungsmöglichkeiten habe und Verantwortung trage. In der Altenpflege kann ich etwas für die Menschen bewirken. Ich kann Rahmenbedingungen mitgestalten und Lösungen für Probleme finden.“ Das beginnt für ihn bereits bei kleinen Dingen – zum Beispiel bei der Frage, welche Bewohnerinnen und Bewohner im Speisesaal nebeneinandersitzen. Oder bei der Überlegung, was jemand im Krankheitsfall braucht oder ob bei der Zimmergestaltung etwas Besonderes zu berücksichtigen ist. Dafür braucht es nicht nur Fachwissen, sondern auch Feingefühl.
Balance zwischen Nähe und Distanz
„Alle Menschen sind sehr verschieden. Das macht die Arbeit abwechslungsreich, aber auch anspruchsvoll. Manche sind schwierig; manche freuen sich, wenn ich komme. Daraus beziehe ich meine Energie. Wegen der körperlichen und psychischen Herausforderungen ist es wichtig, dass man gut im Einklang mit sich selbst ist“, erklärt er. An dieser Stelle gewinnt eine weitere Stärke von Georg Schlegel an Bedeutung: „Ich kann gut die Balance zwischen Nähe und Distanz halten. Das ist besonders in der Pflege wichtig“, sagt er. Deshalb sei es ihm als Pflegedienstleister auch sehr wichtig, dass es den Mitarbeitenden gut geht. Dann gehe es nämlich auch den Bewohnerinnen und Bewohnern gut. Er selbst findet einen Ausgleich in seinen Hobbys: Georg Schlegel tanzt leidenschaftlich gerne und mag es, beim Geocaching mit einer Gruppe unterwegs zu sein.