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Inklusive Workshops münden in eine bewegende Gedenkstunde

Meckenbeuren-Liebenau – Mit einer zutiefst beeindruckenden Gedenkstunde hat die Stiftung Liebenau an die grausame Ermordung von Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen durch die Nationalsozialisten erinnert. Geprägt war diese Gedenkstunde von berührenden Inhalten, vielen persönlichen Gedanken und einer spannenden Methodenvielfalt. Die einzelnen Elemente waren in einer inklusiven Workshopreihe erarbeitet worden. Außergewöhnlich war nicht nur das neue Format, sondern auch der Teilhabegedanke: Menschen, die in Einrichtungen der Stiftung Liebenau leben oder betreut werden, waren aktiv in die Gedenkkultur einbezogen.

Das Bild zeigt Kathrin Bauer von der Gedenkstätte Grafeneck im Interview

Kathrin Bauer von der Gedenkstätte Grafeneck war eigens angereist, um sich von Teilnehmer Marc Gorecki interviewen zu lassen.

Das Bild zeigt die Nachstelllung der Deportationsszene aus dem Jahr 1940.

Beim Foto-Workshop wurde die Liebenauer Deportationsszene aus dem Jahr 1940 in wechselnden Rollen nachgestellt.

Interview, Lesung, Bericht: Die Veranstaltung zum Gedenken an die Liebenauer Opfer der Nationalsozialisten war geprägt durch eine hohe methodische Vielfalt.

Interview, Lesung, Bericht: Die Veranstaltung zum Gedenken an die Liebenauer Opfer der Nationalsozialisten war geprägt durch eine hohe methodische Vielfalt. Viele verschiedene Talente waren unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Workshops vertreten.

Sich selbst von Profi Felix Kästle porträtieren zu lassen und die eigenen Stärken zu benennen, war Teil der Workshopreihe.

Sich selbst von Profi Felix Kästle porträtieren zu lassen und die eigenen Stärken zu benennen, war Teil der Workshopreihe.

Der Musiker Gregor Panasiuk bereicherte die Veranstaltung mit einfühlsam ausgewählten Stücken.

Der Musiker Gregor Panasiuk bereicherte die Veranstaltung mit einfühlsam ausgewählten Stücken.

Durch die Beschäftigung mit der Geschichte Anzeichen von Ausgrenzung in der Gegenwart wahrzunehmen und darauf regieren zu können, war eines der von Projektleiterin Susanne Droste-Gräff formulierten Ziele.

Durch die Beschäftigung mit der Geschichte Anzeichen von Ausgrenzung in der Gegenwart wahrzunehmen und darauf regieren zu können, war eines der von Projektleiterin Susanne Droste-Gräff formulierten Ziele.

Die Erinnerung an die Opfer wachhalten

501 Menschen aus Liebenau und Rosenharz wurden in den Jahren 1940/41 von den Nazis in den Gasmordanstalten Grafeneck und Hadamar umgebracht. Jedes Jahr um den 27. Januar, dem nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, erinnert die Stiftung Liebenau an die sogenannte „Euthanasie“. „Jeder und jede Ermordete soll gewürdigt und in Erinnerung gehalten werden. Denn diese schrecklichen Dinge dürfen nie wieder geschehen“, betonte Dr. Berthold Broll, Vorstand der Stiftung Liebenau, vor etwa 80 Gästen im Kulturschuppen Gleis 1 in Meckenbeuren. Ähnlich äußerten sich im Laufe weitere Mitwirkende.

 

Workshopreihe als neues Format der Gedenkarbeit

Der Gedenkstunde zugrunde lag eine Workshopreihe, die sich über das gesamte Jahr 2023 erstreckt hatte und von der Aktion Mensch gefördert wurde. Die Idee beschrieb die Projektverantwortliche Susanne Droste-Gräff so: „Wir wollten die Ereignisse, die in den Jahren 1940 und 41 stattgefunden haben, in ihrer Bedeutung für die Menschen, die von uns heute betreut und begleitet werden, erfahrbar machen.“ Geschehen sollte dies allerdings nicht in der Logik „Hätte ich damals gelebt, wäre ich auch umgebracht worden“, sondern durch die Aneignung von Wissen über dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte und in der Beschäftigung damit. „Es ging darum zu begreifen, welch vernichtendes Unrecht den Menschen damals angetan worden ist“, sagte Droste-Gräff. Ziel sei auch gewesen, „Anzeichen von Ausgrenzung in der Gegenwart wahrzunehmen und handlungsfähig zu sein“. 

 

Vielfältige Zugänge zum Thema

Angeboten waren eine Schreibwerkstatt, ein Foto-Workshop und ein Podcast-Workshop jeweils unter professioneller Anleitung sowie Exkursionen nach Grafeneck auf der Schwäbischen Alb und zum Goldbacher Stollen bei Überlingen, in dem KZ-Häftlinge unter erbärmlichen Bedingungen arbeiten mussten. Die Workshops dienten nicht nur der Beschäftigung mit dem Thema, sondern sollten im Sinne der Teilhabe auch weitere Kompetenzen fördern und stärken. So eigneten sich die Teilnehmenden selbst geschichtliches Wissen an, brachten eigene Gedanken und Gefühle zu Papier, schlüpften in Täter- und Opferrollen, berichteten in großer Offenheit über ihre Erfahrungen mit Ausgrenzung, bereiteten ein Interview mit dem ehemaligen, inzwischen 97-jährigen Direktor der Stiftung Liebenau Monsignore Norbert Huber für einen Podcast vor, fingen mit der Filmkamera Eindrücke bei den Exkursionen ein und näherten sich dem Thema mit fotografischen Mitteln an – ausgehend von dem berühmten Foto einer Deportationsszene in Liebenau.

 

Lebendige Vielfalt an Methoden und Gedanken

Mit den vielfältigen Elementen, die auf diese Weise im Laufe des Jahres entstanden sind, wurde nun die Gedenkfeier im Kulturschuppen Meckenbeuren gestaltet. Es war eine lebendige Mischung aus sachlichen Informationen, persönlichen Erfahrungen und emotionalen Statements. Kurze Filmsequenzen auf einer Großleinwand wechselten sich mit Einblendungen von Teilnehmerzitaten, Hörbeispiele aus den Podcasts und live gesprochenen Kurztexten ab. Dazwischen gab es ein Interview mit Kathrin Bauer von der Gedenkstätte Grafeneck. All diese vielschichtigen Gedanken entfalteten durch den klug eingesetzten Methodenwechsel eine große Wirkung und konnten in mehreren Musikbeiträgen des Gitarristen Gregor Panasiuk nachklingen.

 

Ausgrenzung geht alle an

„Was geht mich das an?“ So lautete der Titel der Workshopreihe. Die Antwort lieferte in der Gedenkstunde der Blick in die Gegenwart. „Wenn Menschen diskriminiert und ausgegrenzt werden, geht uns das alle etwas an“, sagte Susanne Droste-Gräff. Sie verwies darauf, dass Menschen mit Behinderungen wesentlich häufiger Ausgrenzung erleben als Menschen ohne Behinderungen. Umso wichtiger sei es, sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren. Auch dies gehörte zu den Inhalten der Workshops und Gedenkstunde: Porträtfotos aller Teilnehmenden waren dazu mit kurzen Zitaten verknüpft worden, in denen sie selbst sagen, was sie an sich mögen: zum Beispiel ihre Hilfsbereitschaft, ihre Ehrlichkeit, ihre Freundlichkeit, ihre Freude am Singen oder ihren Humor. Viele weitere wunderbare Eigenschaften wurden genannt. Ein Teilnehmer wünschte sich an diesem Nachmittag einfach nur: „Ich will so akzeptiert werden, wie ich bin.“

 

Zur Workshopreihe ist eine Dokumentation erschienen. Sie kann hier heruntergeladen werden.

Die Podcasts können unter https://linktr.ee/wasgehtmichdasan angesehen- und angehört werden.

 

 

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